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Panorama
Montag, 20. November 2017 5

Kriminalität

Scotland Yard schlägt neues Kapitel auf

Eigentlich ist die Hauptstadtpolizei für London zuständig, doch sie ist weltbekannt. Jetzt zieht sie in ein neues Gebäude.
Von Leonard Kehnscherper, dpa

Von Jack the Ripper bis zum Mord in Kenia: Die Beamten der Londoner Polizei Scotland Yard haben immer wieder schwere Fälle zu bewältigen.Fotos: dpa

London.Kalter Wind pfeift um das hohe Baugerüst am alten Sitz von Scotland Yard. Hier am Broadway Nummer 10, nur ein paar Schritte von der Westminster Abbey entfernt, hatte die Londoner Polizei fast 50 Jahre lang ihr Hauptquartier. Ihr neues Gebäude liegt am Ufer der Themse, direkt beim Parlament. Die britische Königin Elizabeth II. will es an diesem Donnerstag offiziell eröffnen. Damit beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der weltberühmten Kriminalbehörde.

Seinen Namen hat Scotland Yard, offiziell Metropolitan Police Service, vom ehemaligen Residenzhof der schottischen Könige in London. Dort befand sich 1829 die erste Polizeizentrale. Gegründet wurde sie von dem Staatssekretär Robert Peel. Dessen Spitznamen „Bobby“ tragen die Londoner Polizisten noch heute.

Weltweiten Ruhm erlangten die Ermittler mit ihren Methoden – etwa dem Sammeln von Fingerabdrücken – und spektakulären Fällen. Unter besonders großem Erfolgsdruck standen die Gesetzeshüter schon 1888: Damals versetzte der brutale Frauenmörder Jack the Ripper das East End in Angst und Schrecken. Insgesamt fünf Prostituierten soll der Ripper die Kehle aufgeschlitzt und sie danach verstümmelt haben. Obwohl es einige Verdächtige gab, fand Scotland Yard die wahre Identität des Täters nie heraus.

Neue Polizeizentrale

  • Eröffnung:

    Die britische Königin Elizabeth II. und ihr Mann Prinz Philip wollen heute offiziell das neue Hauptquartier von Scotland Yard in London eröffnen.

  • Sammlung:

    Dabei soll dem Königspaar auch eine besondere historische Sammlung gezeigt werden.

  • Ausstellung:

    In der Ausstellung kann Elizabeth II. die Dienstanweisungen der Polizei für ihre Krönung 1953 betrachten, wie der Palast mitteilte.

  • Sitz:

    Der neue Sitz der Londoner Polizei liegt im Bezirk Westminster, am Ufer der Themse und in unmittelbarer Nähe zum Parlament.

„Vor der größten Herausforderung seiner Geschichte“ stand Scotland Yard nach den Terroranschlägen vom 7. Juli 2005, wie der damalige Chef Ian Blair sagte. Vier sogenannte Rucksackbomber hatten in drei U-Bahn-Zügen und einem Doppeldeckerbus 52 Menschen und sich selbst getötet.

Kritik nach Terroranschlägen

Nach den Anschlägen stand Scotland Yard massiv in der Kritik: So konnten die Polizisten zunächst keinen der weiteren Verdächtigen, denen die Flucht gelungen war, fassen – erschossen aber einen unschuldigen Brasilianer. Dabei waren die Briten immer so stolz darauf, dass ihre Bobbys im Normalfall noch nicht einmal bewaffnet sind.

„Stand and observe“ – Stillstehen und Beobachten – so hieß auch die Anweisung, als aufgeputschte Jugendliche 2011 erst in London und dann in anderen Städten randalierten und plünderten.

Das neue Gebäude der Londoner Polizei Foto: dpa

„Die polizeiliche Kontrolle stellen wir nicht mit dem Wasserwerfer her, sondern durch Verständigung zwischen den verschiedenen Gemeinden“, erklärte Theresa May, damals Innen- und heute Premierministerin. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen in London erschien das Image Englands und seiner Hauptstadtpolizei mehr als ramponiert.

Dennoch genießt die Londoner Polizei auch international einen hervorragenden Ruf. Nach der Vergiftung des russischen Regimegegners Alexander Litwinenko verfolgten Ermittler der Londoner Kripo im Dezember 2006 auch Spuren in Moskau und Hamburg.

Britische Ermittler in Kenia

Nach dem Tod des kenianischen Außenministers Robert Ouku im Jahr 1990 wurden nach Protesten der Bevölkerung britische Ermittler ins Land geholt. Offizielle Stellen in Kenia hatten von Selbstmord gesprochen, Scotland-Yard-Beamte fanden aber heraus, dass Ouku ermordet wurde – wahrscheinlich im Auftrag von Regierungsmitgliedern.

„Stolz bin ich nicht auf meine Polizei, aber immerhin erschießen sie nicht ständig Leute wie in den USA“, sagt Joe Collings (47) und blickt auf das ehemalige Scotland-Yard-Gebäude am Broadway 10. Der Schuster arbeitete mehrere Jahre im Schatten des 20-stöckigen 60er-Jahre-Hochhauses. „Die Geschichten von den alten Scotland-Yard-Fällen sind schon spannend, aber den Mythos halte ich für übertrieben. Das sind einfach ganz normale Polizisten, die ihre Arbeit machen“, so der gebürtige Londoner.

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