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Montag, 26. Juni 2017 27° 3

Jahresrückblick

Unsere Highlights des Jahres 2016

Wer schrieb das Skript, wer drehte die Bilder, wer nahm den Sound dieses Jahres auf? Eine subjektive Auswahl der Redaktion.

Buch des Jahres

Manfred Sauerer, Chefredakteur:

Cox. oder: Der Lauf der Zeit von Christoph Ransmayr ist eine bildgewaltige Parabel vom Leben und Vergehen: Der Kaiser von China bestellt bei Alistar Cox ein Uhrwerk für die Ewigkeit. Ich wünschte mir manchmal ein Gerät, das die Zeit bremst, um mehr solche Bücher lesen zu können.

Claudia Bockholt, Leiterin Newsdesk:

Lippen abwischen und lächeln versammelt Max Goldts prachtvollste Texte der vergangenen Jahre. Auf diese mit sprachlichen Preziosen gespickten 500 Seiten haben Freunde des gepflegten Denkens und des gehobenen Humors wieder einmal allzu lange warten müssen. Gustiös!

Holger Schellkopf, Stellv. Chefredakteur:

Born to run ist nicht zufällig namensgleich mit dem wohl großartigste Album von Bruce Springsteen. Es handelt sich um die Autobiographie eines amerikanischen Helden, der sich selbst so gar nicht wie ein Held fühlt. Warum das so ist, erklärt er auf extrem lesenswerte Art.

Susanne Wiedamann, Redaktion Regensburg

Sacha Batthyany muss damit leben, dass seine Familie in eines der schlimmsten Kriegsverbrechen Österreichs verstrickt ist: dem Massaker an 180 Juden. Alle schweigen. Doch er stellt Fragen. Sein Report „Und was hat das mit mir zu tun“ handelt von unglaublichen Lebenslügen.

Nina Schellkopf, Entwicklungsredakteurin

Das Café am Rande der Welt sollten Sie unbedingt einmal besuchen. Vor allem dann, wenn Sie auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Oder sich fragen, ob Sie ein erfülltes Leben führen? Autor John Strelecky wird Ihnen diese Fragen im besten Fall beantworten...

Mathias Wagner, Produktleitung Social Media

Heinz Strunk 2016 auf der Buchmesse in Leipzig. Foto: Hendrik Schmidt

Komiker Heinz Strunk verzichtet im „Goldenen Handschuh“ auf Witze. Der Hamburger recherchierte tage- und nächtelang in der gleichnamigen Absturzkneipe und schrieb auf, wie der Stammgast Fritz Wonka in den Siebzigern zu einem Serienmörder wurde.

Angelika Sauerer, Redaktion „nr. sieben“

Die Verteidigung des Paradieses von Thomas von Steinaecker ist ein brutaler Blick in eine Zukunft nach der Katastrophe (an der die Gegenwart bereits irritierend nah dran zu sein scheint). Ein kluges, sehr literarisches „The Walking Dead“-Szenario, spannend und tiefgehend.

Jana Wolf, Redaktion Mantel

Gegen den Hass kam genau richtig. Carolin Emcke schreibt engagiert gegen Ausgrenzung und Demütigung der Anderen und Fremden. Und sie zeigt auf, woher der Hass kommt. Jetzt kann man sagen, das ist nicht neu und eckt nicht an. Aber es war 2016 so unendlich wichtig.

Flim des Jahres

Manfred Sauerer, Chefredakteur:

Vor der Morgenröte: Regisseurin Maria Schrader zeichnet ein tief- und nahegehendes Bild von den Exiljahren des depressiven, zerrissenen, genialen Schriftstellers Stefan Zweig. Josef Hader spielt die Hauptrolle beeindruckend. Szenischer Tiefgang statt chronologischer Langeweile.

Claudia Bockholt, Leiterin Newsdesk:

Toni Erdmann ist ein Film, in dem eigentlich kaum etwas passiert. Trotzdem steht dem Publikum immer wieder der Mund vor fassungslosem und amüsiertem Staunen offen. Allein wie Sandra Hüller als Whitney Schnuck die „Greatest Love Of all“ besingt, das schreit nach einem Oscar.

Holger Schellkopf, Stellv. Chefredakteur:

Ausgebremst ist die Geschichte eines Mannes, der für den Erfolg ganz offensichtlich keine Grenzen kannte. Es ist die wahre Geschichte von Lance Armstrong, Radsport-Legende a.D. Die Doku ist auch angesichts der jüngsten Doping-Enthüllungen in Russland so aktuell wie eh und je.

Susanne Wiedamann, Redaktion Regensburg

Florence Foster Jenkins fragte: Was ist es, wofür wir leben? Sie lebte für ihren Traum, die Musik. Die Kunstmäzenin, die von Meryl Streep gespielt wird, und laut Kritik „schlechteste Sängerin der Welt“ mietete für ihr Konzert die Carnegie Hall. Ein herrlicher Film, komisch und tragisch zugleich.

Nina Schellkopf, Entwicklungsredakteurin

Die Gilmore Girls haben 2016 endlich ihr heiß ersehntes Comeback gegeben. Dank Netflix durfte ich noch einmal nach Stars Hollow zurückkehren. Das hat darüber hinweg getröstet, dass aus meinem persönlichen Comeback im Kinosaal auch in diesem Jahr leider nichts geworden ist.

Mathias Wagner, Produktleitung Social Media

Weil sich beim Hard:line Filmfestival zwischen zwei Horrorstreifen eine Lücke auftat, sah ich „Under the Shadow“ – ein politischer Gruselfilm für den Kopf. Der im Iran spielende Thriller ist hochbrisant, er wühlt auf. Und er konkurriert mit „Toni Erdmann“ um den Fremdsprachen-Oscar.

Angelika Sauerer, Redaktion „nr. sieben“

Mit Paterson beweist Jim Jarmusch wieder einmal, dass große Poesie keine große Bühne braucht. Zwischen den Anforderungen des Alltags blüht die Phantasie: Paterson ist Busfahrer, der kleine, minimalistische Gedichte in sein geheimes Buch notiert. Wunderbare Filmmusik.

Jana Wolf, Redaktion Mantel

Mustang handelt von fünf jungen Schwestern in einem kleinen türkischen Kaff. Ihr Leben ist frei und unbeschwert, bis sie „hässliche kackfarbene Kleider“ tragen müssen und zwangsverheiratet werden. Das starke Coming-of-Age-Drama erzählt vom Großwerden und der heutigen Türkei.

Album des Jahres

Manfred Sauerer, Chefredakteur:

Lemonade von Beyoncé ist alles andere als eine süßliche Musikbrause. Jeder Song ein eigenes kleines Juwel, mal energiereich düster, mal mitreißend („Daddy Lessons“), mal tiefenentspannt. Gäste wie James Blake oder Kendrick Lamar veredeln das ohnehin meisterliche Ding noch.

Claudia Bockholt, Leiterin Newsdesk:

Frank Ocean wurde seit der Veröffentlichung seines Debütalbums „Channel Orange“ im Juli 2012 d mit Ehrungen und Preisen förmlich überhäuft – darunter auch zwei Grammys. 2016 veröffentlichte er sein zweites Album: „Blonde“. Foto: afp/Ben Stansall

Blonde von Frank Ocean schleicht sich auf weichen Sohlen an und packt überraschend zu. Das junge Pop-und-R&B-Genie von der Westküste der USA hat ein unaufgeregtes und trotzdem hochspannendes neues Album vorgelegt. Schmeichelnder Sound mit Widerhaken.

Holger Schellkopf, Stellv. Chefredakteur:

Amos Lee gehört zu den Künstlern, die sich konsequent weiterentwickeln und dabei doch immer sie selbst bleiben. Wie gut das ist, beweist „Spirit“. Lee gönnt seinen folkigen Songs noch ein wenig mehr Soul, packt R&B drauf. Das alles passt wunderbar zusammen.

Susanne Wiedamann, Redaktion Regensburg

Natalya Pasichnyk ist eine Entdeckung. Die schwedisch-ukrainische Pianistin hat das ungemein romantische Kammermusik-Album „Consolation – Forgotten Treasures Of The Ukrainian Soul“ mit ukrainischen Kompositionen eingespielt. Etwas melancholisch, aber entspannend.

Nina Schellkopf, Entwicklungsredakteurin

Anouk ist in ihrer Heimat, den Niederlanden, ein Superstar – und zumindest ihren größten Hit „Nobody’s Wife“ haben die meisten schon mal gehört. 2016 war die sanfte Rockröhre besonders fleißig und hat gleich zwei Alben auf den Markt gebracht. Mein Favorit: „Fake It Till We Die“.

Mathias Wagner, Produktleitung Social Media

Isolation Berlin sind so wunderbar neben der Spur. Die Texte auf „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ handeln von Trennungen, Sehnsucht, Verzweiflung und dem letzten Schnaps am Morgen. Dazu: wunderschöne Melodien. So nah an Rio Reiser kam zuvor niemand heran.

Angelika Sauerer, Redaktion „nr. sieben“

Radiohead brachte 2016 das Album „A Moon Shaped Pool“ heraus. Foto: dpa

Radioheads „A Moon Shaped Pool“ ist mein Klang des Jahres: nervös, wuchtig, sperrig, bedrohlich; politisch, aber vor allem unendlich zart, intim und sehnsüchtig. Er wird lang bei mir bleiben, wie der Song „True Love Waits“, den Thom Yorke 21 Jahre herumtrug, bevor er ihn veröffentlichte.

Jana Wolf, Redaktion Mantel

Nonkeen ist das Bandprojekt der Klavier-Koryphäe Nils Frahm, der u. a. die Musik für den Film Victoria komponierte. Kein Song auf dem Debüt „The Gamble“ wurde wiederholt, gleich der erste Take musste sitzen. So kam’s: Irres Piano, dichter Soundteppich, Emotion, Irritation und einfach: hui!

Konzert des Jahres

Manfred Sauerer, Chefredakteur:

Ron Carter gab beim Landes-Jazzfestival 2016 im Velodrom ein Konzert. Foto: altrofoto.de

Ron Carter ist knapp 80 und ein berühmter Bassist. Beim 1. LandesJazzFestival in Regensburg überraschte er diejenigen, die Altbekanntes erwarteten. Sein Trio spielte dicht, variantenreich, brillant abgestimmt. Der Meister: sympathisch, bescheiden, unglaublich am Instrument.

Claudia Bockholt, Leiterin Newsdesk:

Massive Attack haben schon 25 Jahre Bandgeschichte hinter sich. Im Februar zeigten sie in der rappelvollen Münchner TonHalle, dass sie dennoch absolut auf der Höhe der Zeit sind. Musik, politische Statements und die fantastische Lightshow ergaben ein nachhaltiges Gesamtkunstwerk.

Holger Schellkopf, Stellv. Chefredakteur:

Bruce Springsteen – es kann dann eben doch nur einen geben. Springsteen-Konzerte sind immer besonders, die „The River“-Tour war noch einmal ganz besonders. Drei Stunden voller Kraft, voller Gefühl – verbunden mit der Hoffnung, dass vielleicht doch noch alles gut wird.

Susanne Wiedamann, Redaktion Regensburg

John Scofield hat es geschafft: Ich bin seit seinem Regensburger Konzert Country-Fan! Was aber vielleicht daran liegt, dass der Gitarrist mit seinem „Country for old men“ einen erstklassigen Crossover aus Jazz, Rock, Blues und Country zusammenschraubt. Besser geht’s nicht.

Nina Schellkopf, Entwicklungsredakteurin

Der US-amerikanische Rockmusiker Bruce Springsteen trat am 17.06.2016 im Olympiastadion in München auf. Foto: Andreas Gebert/dpa

Bruce Springsteen habe ich heuer innerhalb von vier Jahren schon das dritte Mal getroffen. Trotzdem war es etwas ganz Besonderes: Die „Front of Stage“-Tickets waren ein Hochzeitsgeschenk meines Mannes und der Boss – im wahrsten Sinne des Wortes – fast zum Greifen nah.

Mathias Wagner, Produktleitung Social Media

Als Kate Tempest in der Münchner Muffathalle auf die Bühne kam, stellte sie klar: Smartphones bleiben jetzt bitte aus. Das Publikum bekam so ihre scharfsinnige und politisch hochaktuelle Lyrik zu minimalistischen Electro-Beats hochkonzentriert verabreicht.

Angelika Sauerer, Redaktion „nr. sieben“

Parov Stelars packender Electro-Swing ist zwar nichts Neues mehr, aber immer gut für Stimmung. Zumal der Abend in Straubing am 2. Juli doppelt cool war: nach dem Konzert EM-Viertelfinale gegen Italien! Erst Party, dann Public Viewing, dann erst recht Party – danke Bluetone!

Jana Wolf, Redaktion Mantel

Massive Attack, die britischen Trip-Hop-Helden, mischen immer noch auf. Nach fünf Jahren Stille machten sie auf der „Ritual Spirit“-Tour auch Halt in München. Die Beats drangen durch die TonHalle direkt in den Brustraum und die aufwendige visuelle LED-Show direkt in den Kopf.

Tipp des Jahres

Manfred Sauerer, Chefredakteur:

Galerienabend klingt vielleicht langweilig, ist es aber nicht. Manchmal braucht es für das Aha-Erlebnis halt einen Anlass: Einfach nur toll, was da im September an bildender Kunst zu sehen ist – oft aus regionaler Hand, aber nicht nur. Das Schöne daran: Das gibt es jedes Jahr!

Claudia Bockholt, Leiterin Newsdesk:

The Crown auf Netflix ist Seifenoper für die Snobs unter uns. Die epochalen und alltäglichen Dramen im Buckingham Palace sind in prächtige Bilder und aufwändige Settings gepackt, die Schauspieler sehen den echten Darstellern des Königshauses verblüffend ähnlich. Marvelous!

Holger Schellkopf, Stellv. Chefredakteur:

Das Jahr selbst kann Tipps brauchen, um es besser zu machen als 2016: weniger Platz für Hass, Hetze, Scheinheiligkeit und Hinterhältigkeit im Großen und Kleinen geben. Weniger Verrückte an die Macht lassen und weniger coole Leute sterben lassen. Das wäre doch schon mal was.

Susanne Wiedamann, Redaktion Regensburg

Sting komm im Juni 2017 nach Regensburg. Foto: Vincenzo Pagliarulo

Wer Sting-Fan ist, für den war die im November erschienene Rock-/Pop-CD „57th & 9th“ nur der erfreuliche Vorbote für die Live-Deutschland-Tour 2017. Im März kommt der Brite nach Hamburg, dann geht es Schlag auf Schlag. Im Juli ist er in Regensburg. Ticketalarm!

Nina Schellkopf, Entwicklungsredakteurin

Aerosmith sagen nach 45 Jahren „Aero-Vederci“ – auch auf dem Königsplatz in München. Fast 20 Jahre sind seit meiner ersten Begegnung mit Steven Tyler und Co. vergangen; höchste Zeit also für ein Wiederhören mit „Mama Kin“ und ein paar (letzte) „Sweet Emotions“. „Dream on!“

Mathias Wagner, Produktleitung Social Media

Stranger Things ist so wunderbar kafkaesk und war die beste Serie des Jahres. Eine Schüler-Clique jagt in der Mystery-Serie einem verschwundenen Freund hinterher. Die grandiosen Jungschauspieler stellen dabei selbst das großartige Comeback von Winona Ryder in den Schatten.

Angelika Sauerer, Redaktion „nr. sieben“

Die bitteren Tränen der Petra von Kant im Marstall/Residenztheater München ist ein Fassbinder-Stück (Regie: Kušej) über den Verlust von Liebe, wo Geld und Macht regieren – und auf irrer Bühne eine Gala großer Darstellerinnen: Beglau, von Kessel, Wenzl, Schwarz. Läuft noch.

Jana Wolf, Redaktion Mantel

„Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“ an der Berliner Schaubühne hat’s in sich: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir zu? – dem geht das Stück von Regisseur Milo Rau auf den Grund. Ein großer, grandioser Monolog, der lange nachwirkt – und noch läuft.

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