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Samstag, 21. Oktober 2017 19° 3

Prävention

Verbrechen zu verhindern rentiert sich

Wie viel wollen wir investieren, um Kriminalität zu verhindern? Diese Frage wird beim Präventionstag in Frankfurt diskutiert.

Prävention gegen Kriminalität kann billiger sein, als für die Folgen aufzukommen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Frankfurt.Verbrechen zu verhindern lohnt sich Experten zufolge auch volkswirtschaftlich. „Kriminalität verursacht immense Schäden“, sagte Stephan Thomsen, Professor für Angewandte Wirtschaftspolitik, am Montag in Frankfurt am Main. Den Opfern entstünden materielle wie immaterielle Schäden, während der Staat für Kosten bei Polizei und Justiz aufkommen müsse. Der Volkswirt kritisierte beim 20. Deutschen Präventionstag, in Deutschland fehle eine systematische Kosten-Nutzen-Rechnung zur Frage, was Prävention koste und was sie bringe.

Das Schwerpunktthema des Präventionstages lautet in diesem Jahr: „Prävention rechnet sich - zur Ökonomie der Kriminalprävention.“ Zu dem Kongress werden bis diesen Dienstag 3100 Besucher aus 44 Ländern erwartet. Rund 200 Vorträge und 150 Informationsstände beschäftigen sich mit dem Schutz vor Wohnungseinbruch oder Diebstahl, mit Nachbarschaftshilfe und Videoüberwachung, Zivilcourage und Verkehrssicherheit, häuslicher Gewalt oder Sicherheit für Senioren.

Vorbeugen kann billiger sein, als die Folgen zu tragen

Thomsen zufolge zeigen Erfahrungen aus anderen Ländern: Vorbeugen kann billiger sein, als die Folgen der Kriminalität zu tragen. Eine US-Studie habe ergeben, dass Investitionen in frühkindliche Bildung bei sozial schwachen Familien ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:16 hatten. „Für jeden Dollar, den das Programm gekostet hat, hatte die Gesellschaft einen Nutzen von 16 Dollar“, sagte Thomsen.

Kriminalitätsprävention ist aus Sicht der Deutschen Stiftung für Verbrechensverhütung eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben. Prävention sei kein Selbstläufer, sagte der Stiftungsvorsitzende Prof. Hans-Jürgen Kerner zu Beginn des Präventionstages in Frankfurt. Ämter müssten mehr zusammenarbeiten, die Politik müsse handeln statt nur zu reden, Projekte müssten besser ausgewertet werden.

„Es ist eine Kernaufgabe der Gesellschaft, zu verhindern, dass Unschuldige Opfer werden“, sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). „Die Frage ist nur, wie kriegen wir das hin?“ Prävention sei wichtig, dabei müssten die Bürger aber aktiv mithelfen. „Das Ganze lebt vom Ehrenamt.“ Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) sagte: „Präventionsarbeit ist eine Investition in die Sicherheit.“ Gelungene Beispiele in Hessen seien Häuser des Jugendrechts in Frankfurt, ein Projekt bei Gewalt in Familien in Marburg und Hilfe für pädophile Männer in Gießen.

Der Präventionstag wird seit 1995 ausgerichtet - dahinter steckt die Deutsche Stiftung für Verbrechensverhütung und Straffälligenhilfe (DVS). (dpa)

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