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Panorama
Dienstag, 21. November 2017 5

Kommentar

Von wegen Palaver

Ein Kommentar von Jana Wolf, MZ

Dem Stammtisch hängt ein hartnäckiges Klischee an: Parolen, Palaver und Populismus geben dort den Ton an, heißt es. Nach der Stammtisch-Serie meine ich: das ist Quatsch.

Statt Parolen zu dreschen, haben sich die Teilnehmer Zeit genommen zu diskutieren. Statt oberflächlichen Palavers haben die Gespräche alle Facetten ausgeleuchtet. Statt Populismus gab es differenzierte Argumente. Das mag am Thema liegen. Die Flüchtlingsdebatte prägt die Stimmung in der Bevölkerung, der Gesprächsbedarf ist groß. Denn das Thema stellt unser Selbstverständnis auf den Prüfstand: Wie offen wollen und können wir sein? Wie setzen wir Regeln durch, ohne auszugrenzen? Was kann der Einzelne beitragen? Um darauf Antworten zu finden, braucht es eine offene Diskussion – und Geduld. Genau das wurde bei den Stammtischen sichtbar.

Leider gibt es auch Orte, an denen es anders läuft – etwa die sozialen Netzwerke. Dort herrscht bei Diskussionen über Flüchtlinge immer öfter ein Niveau, das im Wirtshaus undenkbar wäre: Beleidigungen, Drohungen, Hass und Hetze. Ein stupides Kräftemessen, das am Thema vorbeiführt. Vielleicht fehlt auf Facebook und Co. – trotz aller Öffentlichkeit – doch das Gegenüber, der Augenkontakt mit anderen, die Zwischentöne. Oder der Kontakt mit den Menschen, die zu uns wollen und anderes verdient haben als Hass.

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