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Lebensmittel

Zwischenbilanz des Fipronil-Skandals

Die Öffentlichkeit lernte vor vier Wochen ein bisher unbekanntes Wort kennen: Fipronil. Das Insektizid tauchte in Eiern auf.
Von Elmar Stephan, dpa

Von dem Fipronil-Skandal sind derzeit 20 EU-Staaten und sechs Drittstaaten betroffen. Foto: Marcel Kusch

Hannover.Rund einen Monat nach Bekanntwerden des Fipronil-Skandals in Deutschland zeichnet sich ab, dass es sich zwar um einen europaweiten Skandal handelt, die heimische Geflügelbranche aber nur am Rande betroffen ist. Das Insektengift Fipronil wurde nach den vorliegenden Erkenntnissen unerlaubt in das Desinfektionsmittel „Dega-16“ zugemischt und gelangte so in die Ställe. Das Lebensmittelrecht verbietet die Substanz in Lebensmitteln. Wichtige Fragen und Antworten zum Stand der Dinge:

Wie ist die Situation in Deutschland?

In Deutschland ist nach jetzigem Kenntnisstand auf sieben Hühnerbetrieben die Desinfektionslösung „Dega-16“ mit dem unerlaubten Fipronil-Zusatz verwendet worden. Die Betriebe sind in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. In Baden-Württemberg wurde auch Fipronil in Eiern aus einem Legehennenbetrieb nachgewiesen. Allerdings soll dort das Mittel „Dega-16“ nicht verwendet worden sein - die Hintergründe sind dort noch nicht ermittelt. Die Betriebe sind gesperrt.

Die Landwirte haben den jetzigen Erkenntnissen zufolge schon im Frühjahr „Dega-16“ verwendet - der mögliche Einsatz reicht bis zum 27. März in Mecklenburg-Vorpommern und bis zum 9. Februar in Niedersachsen zurück. Diese Daten haben die Länder bei Recherchen in den Betrieben ermittelt und dem Bund mitgeteilt.

Was ist mit eihaltigen Lebensmitteln?

Auch eihaltige Lebensmittel werden inzwischen überprüft. Laut Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sollen im Lauf des Jahres rund 700 Proben gezogen und ausgewertet werden. Bis Mitte dieser Woche lagen dem Berliner Ministerium 42 Proben aus Thüringen, Brandenburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern vor - 7 waren positiv.

Wie ist die Situation in Europa und anderen Ländern?

Von dem Fipronil-Skandal sind derzeit 20 EU-Staaten und sechs Drittstaaten betroffen. In mehreren Ländern wurden Hühnerhöfe gesperrt, weil dort Fipronil eingesetzt wurde. Am stärksten betroffen sind Belgien und die Niederlande, wo staatsanwaltschaftlich gegen Unternehmer als mutmaßliche Verursacher beziehungsweise In-Verkehr-Bringer des unerlaubten Mittels ermittelt wird. Die niederländische Geflügelwirtschaft geht von einem Schaden von 150 Millionen Euro aus.

Anfang September soll es erste politische Gespräche über eine mögliche EU-Reaktion auf den Fipronil-Skandal geben. Die Gespräche sollen am 4. oder 5. September am Rande eines Agrarministertreffens in Estland stattfinden. Teilnehmen sollen die Minister der betroffenen Staaten.

Lesen Sie hier: Der Streit um die Zahl der Fipronil-Eier geht weiter.

Wie ist der Stand der strafrechtlichen Ermittlungen in Deutschland?

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen fünf Landwirte aufgenommen, auf deren Höfen Fipronil verwendet wurde. Das ist ein Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Die Betriebe wurden durchsucht und Betriebsunterlagen wurden beschlagnahmt, die derzeit ausgewertet werden. Im Kern geht es um die Frage, ob die Landwirte wussten oder eine Ahnung hätten haben können, dass in ihren Betrieben Fipronil verwendet worden ist. Die Landwirte haben sich zum Teil bereits zu den Vorwürfen geäußert und versichert, von der unerlaubten Substanz nichts gewusst zu haben. Wie lange die Ermittlungen noch dauern, ist unklar. In Baden-Württemberg ist die Staatsanwaltschaft Heilbronn eingeschaltet worden.

Wie haben die Verbraucher reagiert?

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von Mitte August zufolge aß jeder vierte Erwachsene in Deutschland wegen des Fipronil-Skandals zu diesem Zeitpunkt weniger Eier als zuvor oder verzichtete ganz. 65 Prozent standen dem Thema gelassen gegenüber und schränkten den Eierkonsum nicht ein. 15 Prozent der Befragten achten seit dem Nachweis von Fipronil nach eigenen Worten darauf, in welchem Land die Eier erzeugt werden - aber fast jeder Zweite tat das demnach auch schon vorher.

Ist der neue Skandal mit dem Dioxin-Skandal vergleichbar?

Nein, das Ausmaß beim Dioxin-Skandal in Deutschland war Ende 2010 mit Tausenden gesperrten Betrieben deutlich größer. Als Auslöser galt verunreinigtes Futtermittel. Auch 2012 wurden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Eier entdeckt, die mit Dioxin und einer dioxinähnlichen Substanz verunreinigt waren.

Lesen Sie außerdem: Der Skandal zieht durch Europa.

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