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Casting

Der Weg von Nicaragua ins TV

Zehn Jahre sammelte Florian Gabelsberger als Bäcker Erfahrung in der Welt. 2014 kam das Fernsehen dazu.
Von Julia Weidner, MZ

2014 nahm die Bäckerei Gabelsberger an der ZDF-Show „Deutschlads beste Bäcker“ teil. Foto: Neumaier

Abensberg.Für Florian Gabelsberger beginnt der Tag um 3 Uhr frühmorgens. Er steht auf, geht in seine Backstube und bereitet alles vor für die anstehenden Stunden. „Mehl, Salz, Wasser und Hefe. Und dann noch Liebe und Zeit“, das sind seine Grundzutaten. Mehr braucht er nicht für ein einfaches, aber geschmackvolles Bauernbrot, sagt er.

Viel mehr Auswahl an Zutaten hatte der Bäckermeister aus Abensberg auch nicht, als er 2014 für drei Monate für „Brot gegen Not“ in Nicaragua arbeitete. „Dort musste ich nicht nur auf mein Auto verzichten“, erzählt Florian Gabelsberger im Gespräch mit unserem Medienhaus. Zwar hatte er eine Dusche in seinem Zimmer, aber die Klospülung war defekt und auch durch das Dach seiner Unterkunft tröpfelte es bei Regen. Seit seiner Rückkehr fragte die Organisation „Brot gegen Not“ zwei mal bei Florian Gabelsberger an, sie wollten ihn gerne nach Afrika schicken. Abgeneigt von diesem Vorschlag scheint der Abensberger nicht zu sein: „Die Zeit in Nicaragua war die beste in meinem Leben.“

Brot „ohne Mist und Chemie“

Doch aus einem weiteren Engagement in der Dritten Welt wird vorerst nichts, hat der 32-Jährige doch am 1. Januar 2016 den Betrieb von seinem Vater übernommen. Ein neuer Chef bedeutet für die Bäckerei aber nicht gleich neue Ziele. „Es ist schwer genug den Handwerksbetrieb so zu erhalten, wie er ist“, sagt Florian Gabelsberger. Er will natürliche Produkte „ohne viel Mist und Chemie“ herstellen. Viele Bäckereien seien nur noch Aufbackstationen, genau diese Zukunft will der Abensberger tunlichst vermeiden. In der vierten Generation ist er Bäckermeister, schon immer wurde in der Backstube am Schulhausplatz in Abendsberg handwerklich gearbeitet.

Dass er mit dieser Einstellung nicht alleine ist, erfuhr Florian Gabelsberger zum ersten Mal bei der ZDF-Show „Deutschlands Beste Bäcker 2014“. „Ich habe dort Kollegen aus Bayern kennegelernt, die mit demselben Idealismus Ware hergestellt haben“, erzählt er. Viele von ihnen kannte er vor der Sendung gar nicht, aber gleich beim ersten Dreh war klar: „Kein Bäcker wurde willkürlich ausgewählt.“ Jede Bäckerei hatte seine eigene Nische gefunden: Ein Bäcker produzieret ohne Gluten, ein andere hatte französischen Flair, wieder ein anderer war Bio-Bäcker.

Deutschlands beste Bäcker

  • Modus:

    Aus über 1500 Bewerbungen wurden bundesweit 72 Bäckereien ausgewählt. Je ein Team aus einem Bäckermeister und einer Konditormeisterin oder Chef-Pâtissière begleiten im wöchentlichen Wechsel Johann Lafer bei seiner Suche nach dem besten Bäcker. In jeder der sechs Regionen Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Nord- und Ost-Deutschland wird eine Woche lang ein Finalteilnehmer gesucht. Pro Tag treten drei Bäckereien gegeneinander an, am Ende der Woche gibt es einen Regions-Sieger, der zum Finale nach Berlin darf.

  • Aufgaben:

    Um in das Wochenfinale einzuziehen, müssen die ausgewählten Bäckereien die Jury mit einer Spezialität des Hauses überzeugen. Außerdem gibt es von Johann Lafer eine Tagesaufgabe. Wer an diesem Tag gewinnt, bäckt immer freitags um einen Platz im Finale. Dafür müssen die Bäcker ein Picknick mit süßem und herzhaftem Fingerfood zubereiten. Außerdem wartet am Ende der Woche ein Überraschungsauftrag auf die Teilnehmer, den sie innerhalb kürzester Zeit umsetzen müssen. Die sechs Gewinner backen schließlich im großen Finale in Berlin um den Sieg.

Gabelsberger gewann Tagesentscheidung

Sie alle waren wie die Gabelsberger Teilnehmer der ersten Staffel von „Deutschlands Bester Bäcker“. Florian Gabelsberger erzählt, dass es bei diesem „Prototypen etwas chaotisch zu ging“. Eigentlich sollten Kunden ihre Lieblingsbäckerei bei ZDF empfehlen, doch kaum jemand wusste, dass die Sendung produziert werden sollte. Deshalb konnte sich jeder Handwerksbäcker bei ZDF mit zwei Produkten bewerben. Florian Gabelsberger wurde mit seinem isländischen Pflaumenkuchen und dem Dörrpflaumen-Zoccoletti von der Jury um Johann Lafer ausgewählt und gewann die Tagesentscheidung im Gebiet Niederbayern/Oberpfalz.

Der erste Beitrag über die Bäckerei wurde in der Hauptgeschäftsstelle in Abensberg gedreht. „Wir konnten in Ruhe drehen. Wenn etwas nicht geklappt hat, haben wir das Ganze eben fünf Mal wiederholt“, erzählt Florian Gabelsberger vom Arbeiten vor der Kamera. Er hätte sich vorgestellt, dass der Tag stressig wird, aber nach zehn Minuten habe er vom Fernseh-Team nichts mehr mitbekommen.

Um trotz der Dreharbeiten pünktlich das gesamte Sortiment in der Bäckerei verkaufen zu können, begannen die Bäcker zwei Stunden früher mit der Produktion. „Schließlich sollten unsere Kunden nicht darunter zu leiden haben“, sagt Gabelsberger. Für seine Mitarbeiter erstellte er einen Stundenplan. „So wusste jeder, welche Aufgaben er hatte und man konnte diese runterarbeiten.“

Für den großen Wurf reichte es bei der TV-Show nicht. Im Bayern-Finale schied die Bäckerei Gabelsberger aus. Trotzdem bereut der Bäckermeister die Teilnahme nicht: „Diese Erfahrung war eine große Bereicherung für uns als Team.“

Elli Erl, Barbara Meier oder Jack Handl: In unserer Serie gehen wir der Frage nach, was aus ehemaligen Castingshow-Teilnehmern aus Ostbayern geworden ist.

Zoccoletti-Hype in Abendsberg

Noch zwei Wochen nach der Ausstrahlung waren die Zoccoletti aus der Show ausverkauft, mit dem Backen ist Florian Gabelsberger kaum nachgekommen. „Mit so einem Hype habe ich nicht gerechnet“, sagte er. Langfristig mehr Kunden gewann er nicht. „Unseren Kundenstamm haben wir davor schon ausgebaut, daran hat sich nichts geändert.“ Regelmäßig liefert er nach Regensburg, an Ostern und Weihnachten gibt es immer größere Anfragen aus München und aus einem Feinkostladen im Ruhrgebiet.

Doch eine besondere Kundin bescherte ihm die Teilnahme doch: Eine Kielerin wollte unbedingt die Zoccoletti aus der Sendung probieren. Florian Gabelsberger riet ihr davon ab, weil das Gebäck die Stadt im Norden nicht frisch erreichen würde. Doch die Frau bestand auf eine Lieferung, so dass Gabelsberger ein Päckchen mit den Zoccoletti an die Ostsee sendete.

Zwei Wochen später: Die Bäckerei Gabelsberger erreichte ein Paket mit einem Poststempel aus dem Norden. Darin fand Florian Gabelsberger Kieler Sprotten und einen Gruß seiner neuen Kundin: „Eine regionale Spezialität im Austausch für eine andere.“

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