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„Ellas Baby“ sorgt für Wirbel

Die Tragikomödie erzählt von Teenager-Schwangerschaft, Abtreibungswunsch und fragilen Verhältnissen in modernen Familien.
Von Ulrike Cordes, dpa

Ellas (Tijan Marei) Schwangerschaft sorgt für Spannungen in der Familie. Foto: -/ARD Degeto/Programmplanung und P/dpa

Hamburg.Sechs Wochen Sprachkurs in Frankreich für einen Trupp Teenager – doch deren persönliche Zielvorgabe lautet nicht etwa „Französisch lernen“. Sondern: „endlich Sex haben“. Eine von ihnen, die 16-jährige Ella (Tijan Marei), besteht diese Prüfung quasi mit Auszeichnung. Von einem Unbekannten auf einem Zeltplatz wird sie schwanger. Zurück in Berlin wirbelt ihr Zustand, den das Mädchen zunächst mit einer Abtreibung beenden will, das ohnehin fragile Gefüge ihrer Patchwork-Familie durcheinander. Die ernste, dabei den Zeitgeist gut treffende Geschichte erzählt der junge Regisseur David Dietl („König von Deutschland“) unter dem Titel „Ellas Baby“ mit viel Feingefühl und Dialogwitz.

Ella sehnt sich nach ihrer Mutter

Prominenteste Darsteller seines Spielfilms nach dem Drehbuch von Elena Senft, der an diesem Freitag (13. Oktober) um 20.15 Uhr im Ersten läuft, sind Benno Fürmann („In einem wilden Land“) als Vater Roman und Katharina Schüttler („Unsere Mütter, unsere Väter“) als dessen Freundin Ariane. Beide Erwachsene möchten der Jugendlichen zur Seite stehen, der Vater begleitet sie sogar zur Abtreibungsberatung. Doch Ella, von der 1996 geborenen Marei in ihrer ersten Hauptrolle als so verstockt wie liebenswert verkörpert, hat nicht nur mit dem in ihrem Bauch wachsenden menschlichen Wesen ihre Probleme. Sie ist eifersüchtig auf Ariane und sehnt sich nach ihrer Mutter, die ihre Familie vor Jahren verlassen hat, um in Indien arme Kinder zu betreuen.

Ironischerweise versuchen der eher lässige Fahrradhändler Roman und die geradezu hysterisch zielstrebige Zahnärztin Ariane derweil, selbst ein Kind zu produzieren – unter anderem mit Hilfe einer Fruchtbarkeits-App auf dem Smartphone. Daher neidet die 38-Jährige dem Teenie seine Schwangerschaft. Vertrauen schenkt Ella nur ihrem Großvater (Peter Franke), einem knorrigen früheren Arzt, der gern in seinem Garten werkelt und bodenständige Lebensweisheiten vermittelt. Eher positiv auf ihr aufgewühltes Gemüt wirkt aber auch der Nachbarssohn Matti (Ivo Kortling), eine verpeilte männliche Jungfrau mit Herz, die im Keller Hanf züchtet und das Zeug nicht nur an Mitschüler verkauft, sondern auch selbst raucht.

Unkitschiges Plädoyer für Selbstkritik und Verzeihen

Währenddessen wird Ellas Bauch stetig dicker – und die daran sichtbar reifende junge Frau baut zu ihrem Kind immer mehr Beziehung auf. Teenager-Schwangerschaft und Abtreibungswunsch sind nur vordergründig die wesentlichen Themen in Dietls Werk. Vor allem analysiert der 37-jährige Sohn von Film- und Fernsehlegende Helmut Dietl (1944-2015, „Kir Royal“) hier präzise ein modernes familiäres Beziehungsgeflecht, in dem Eheprobleme, Langeweile und neue Partner, das Sterben der Alten und hemmungslose Erbschaftsdebatten für ständige Reibungen sorgen und den Kindern und Jugendlichen Aufwachsen und Orientierung erschweren.

Dabei ist Dietls Blick ein versöhnlicher. Und seine mit der Handkamera in stimmungsvollen, intimen Bildern aufgenommene Geschichte ein ganz unkitschiges Plädoyer für Selbstkritik, Verzeihen und Gespräche.

Der Film „Ellas Baby“ wird an diesem Freitag, den 13. Oktober um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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