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Familiendrama über das Glück der anderen

Das Drama „Ich war eine glückliche Frau“ handelt von Lebensträumen und verpassten Chancen – betrachtet aus dem Nachbarhaus.
Von Elke Vogel, dpa

Hermann Blok (gespielt von Rainer Bock) und Sylvia Blok (gespielt von Imogen Kogge) diskutieren das Leben der Nachbarn. Foto: Bettina Müller/HR/Pressestelle/dpa

Berlin.Voyeurismus oder Anteilnahme? Acht Stunden täglich, ein ganzes Jahr lang, beobachtet die durch eine Krankheit ans Haus gefesselte Sylvia (Imogen Kogge) durch das Fenster die Familie im Haus nebenan. In „Ich war eine glückliche Frau“ geht es um die Sehnsucht nach Glück, um gescheiterte Lebensträume und verpassste Chancen. Das Erste zeigt das feinfühlige Familiendrama am Mittwoch (18. Oktober) um 20.15 Uhr.

Besonders überzeugt die Geschichte durch das hervorragende Schauspielerensemble, zu dem neben Imogen Kogge („Requiem“) auch Petra Schmidt-Schaller („Leanders letzte Reise“) sowie die Theater- und Filmschauspieler Rainer Bock („Jugend ohne Gott“) und Marc Hosemann („Der König von Berlin“) gehören.

Sylvia projiziert ihr Leben in das der Nachbarin

Vater, Mutter, zwei Kinder und ein schönes, neues Haus mit Garten. Die Idylle ist perfekt. Sylvia freut sich mit der neu eingezogenen, glücklichen Familie. Die zu Beginn ihres Ruhestands erkrankte Frau lebt das Leben der jungen Mutter Eva (Petra Schmidt-Schaller) und deren Mann Jan (Marc Hosemann) quasi mit und projiziert ihre eigenen, nicht verwirklichten Lebensträume auf sie. Als das Glück von Eva zu bröckeln beginnt, ist die Verzweiflung auch bei Sylvia groß – mit fatalen Folgen.

Vielleicht könnte er das Familienglück der Nachbarn und damit auch das Glück seiner Frau retten, denkt Sylvias aufopferungsvoller Ehemann Hermann (Rainer Bock) – ein höflicher, zurückhaltende Herr mit der Goldrandbrille, der zum Grüßen stets sein Hütchen lüftet. „In ihren Augen waren Sie die perfekte, glückliche Familie. Und je länger sie ihnen zuschaute, desto mehr wurde sie ein Teil davon“, sagt Hermann im Rückblick zu Eva.

Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebeenen erzählt

Im hessischen Oberusel und Umgebung drehte Regisseur Martin Enlen („Wilsberg“, „Der weiße Afrikaner“) die Geschichte nach einer Erzählung der niederländischen Schriftstellerin Margriet de Moor. Von den Schicksalen des jungen Ehepaars und des älteren Ehepaars wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Das ist dramaturgisch reizvoll. Trotz der Rückblicke kann der Zuschauer leicht folgen. Die Off-Kommentare von Eva sind da eigentlich gar nicht nötig.

In das Leben von Evas Ehemann Jan hat sich eine „leise Unzufriedenheit“ eingeschlichen. Jan fühlt sich unfrei und fragt sich im Netz der Abhängigkeiten zwischen Job und Hauskredit, ob er nicht etwas ändern sollte in seinem Leben. „Ich will einfach mal raus“, sagt er, setzt diesen Plan auch um – und riskiert damit seine Ehe.

Viel beständiger scheint da die Lebensgemeinschaft des Nachbar-Paares Sylvia und Hermann zu sein – ihr gemeinsamer Weg war auch nicht leicht, spürt man. Dennoch steht Hermann zu seiner Frau – und zu seinen Lebensentscheidungen. Vielleicht geht er damit sogar einen Schritt zu weit. „Ich war eine glückliche Frau“ erzählt von ganz persönlichen Dramen und hinterfragt gleichzeitig die Glücksversprechungen unserer Gesellschaft.

Das Drama „Ich war eine glückliche Frau“ wird an diesem Mittwoch, den 18. Oktober, um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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