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Samstag, 18. November 2017 5

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„Nichts passiert“ bei Devid Striesow

Ob bei anderen Menschen wirklich alles „ganz normal“ ist, ist schwer zu sagen. Ein Spielfilm auf Arte zeigt warum.
Von Klaus Braeuer, dpa

Schauspieler Devid Striesow spielt den Familienvater Thomas im Film „Nichts passiert“.Foto: Tobias Hase/dpa

Berlin.„Ein ganz normaler, netter Mann“ – so spricht ein genauso aussehender Typ zu seiner Psychologin. Ob sie ihm das glaubt, und ob der Zuschauer das sollte, ist in dem Film „Nichts passiert“ zu verfolgen, der an diesem Freitag (20.15 Uhr) auf Arte gezeigt wird.

Eine Stuttgarter Familie will einfach mal wieder einen entspannten Urlaub verbringen und rüstet sich zur Autofahrt in die Schweizer Berge. Der Vater Thomas (Devid Striesow) freut sich riesig darauf, doch seine Frau Martina (Maren Eggert) hat im Grunde gar keine Zeit, und die 15-jährige Tochter Jenny (Lotte Becker) keine Lust.

Das ändert sich ein wenig, als auch die Tochter seines Chefs, Sarah (Annina Walt), mitkommt. Doch schon am ersten Abend im Urlaubsort wird Sarah auf einer Party vergewaltigt – völlig aufgelöst findet Thomas sie in einem Fotoautomaten, sie erzählt ihm als Einzigem davon. Angeblich ist Severin (Max Hubacher), der etwas ältere Sohn des befreundeten Besitzers der Ferienwohnung, der Täter – und er macht nun auch noch Jenny schöne Augen. Doch Thomas verhält sich so, als wäre nichts passiert, und auch seiner Frau erzählt er vorerst nichts.

Ein Vater, der sich seine eigene Realität bastelt

Drehbuchautor und Regisseur Micha Lewinsky („Die Standesbeamtin“) findet schöne Winterbilder im Schnee, passend zur Kälte, die innerhalb der Familie herrscht. Er schrieb seine gute Geschichte rund um eine komplexe Hauptfigur und fand tolle Darsteller dafür: Devid Striesow („Ich bin dann mal weg“, „Tatort: Saarbrücken“) als überfürsorglicher Vater, und Maren Eggert („Tatort: Kiel“) als seine skeptische Frau, die eigentlich auch lieber nicht allzu viel wissen möchte.

„Manchmal sind die Dinge anders, als sie aussehen“, sagt Thomas im Film einmal. Das stimmt nur zu genau, und die vorgebliche Lockerheit, mit der er das in ihn gesetzte Vertrauen missbraucht, Menschen gegeneinander ausspielt und alles Geschehene vertuschen will, ist kaum zu ertragen. Der Filmtitel ist vieldeutig – es passiert einfach nichts, oder eben doch, und dann gleich etwas Schlimmes, ja sogar etwas richtig Schlimmes – bis Thomas im Film schließlich sagt: „Nichts passiert“.

Hier sehen Sie einen kurzen Trailer zum Film:

Diesen Spruch hat sich hier ein Familienvater zurechtgelegt, der vor fast schon unerträglich guter Laune strotzt und die Dinge einfach so sieht, wie er sie eben sehen will. In seiner grenzenlosen Sucht nach Harmonie versucht er, auf alles und jeden Rücksicht zu nehmen, und er verzettelt sich tief in diverse Lügen und Halbwahrheiten, aus denen er am Ende nicht mehr herausfindet und regelrecht ausrastet. Devid Striesow verkörpert diese tragische Figur grandios, gibt ihr klare Konturen und Schärfen und eine geradezu unheimliche Sanftheit. Nur als Ehemann und Vater möchte man ihn auf gar keinen Fall haben – dafür ist dann eben doch zuviel passiert.

Der Film läuft am Freitag, 20. Oktober um 20.15 Uhr auf Arte.

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