mz_logo

Kuriose Meldungen
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Menschen

„Erfreu mich bis dato bester Gesundheit“

Otto Vilsmeier gab die wohl erste „Lebendanzeige“ mit Trauerrand auf. Grund war eine Todesanzeige – für einen Namensvetter.
Von Helmut Wanner, MZ

Auf dem Familienfoto der Vilsmeiers ist Otto der Bub links im Trachtenanzug. So jung kommt sich der Regierungsamtmann a. D. Vilsmeier (76) vor nach der Berichtigung der eigenen Todesanzeige. Foto: Vilsmeier

Regensburg.Als der Regierungsamtmann a. D. Otto Vilsmeier aus seinem Urlaubsort in Kreuth am Tegernsee zurückkam, stand bei ihm daheim in Milbertshofen das Telefon nicht still. Seine Verwandten und Bekannten wollten wissen, „ob ich nun gstorben bin oder net“, so Vilsmeier gegenüber der MZ.

Was war geschehen? In der Mittelbayerischen Zeitung war am 1. August eine, bis auf den gleichlautenden Namen, anonymisierte Todesanzeige abgedruckt. Das sorgte für die makabre Verwechslung. Der mit einer Sonnenblume geschmückte Text ging so: „Nachruf Otto Vilsmeier, gest. 20. Juli 2015. Die Beisetzung fand im engsten Familienkreise statt.“ Dazu stand der Spruch: „So still wie ich geboren wurde, bin ich auch gegangen.“ Ein Scherz scheidet aus. Die Anzeige wurde vom Bestatter selbst aufgegeben.

Die Anzeige aus der MZ vom 12. August.

Aufgrund der Reaktionen musste der namensgleiche, aber wesentlich prominentere Herr Vilsmeier über eine schwarzumrandete Anzeige in der MZ verkünden, dass er am Leben ist. Er schrieb am 12. August: „Im Zusammenhang mit dem Nachruf Herr Otto Vilsmeier, gest. 20. Juli 2015, teile ich meinen Verwandten, Freunden und Bekannten mit, dass ich mich bis dato bester Gesundheit erfreue. Otto Vilsmeier, Jahrgang 1939, ehemaliger TT-Bundesligaspieler, seit 70 Jahren Anhänger, früher Regensburg, Obere Bachgasse 12.“ Die zweite „Todes“-Anzeige war im Internet der Renner. Sie wurde fast 1500 Mal geklickt.

Am Korbiniansplatz in Milbertshofen trat uns ein ausgesprochen netter und aufgeweckter Bursch von 76 Jahren entgegen, der sich als langjähriger MZ-Abonnent und 1000-prozentiger Jahn-Fan zu erkennen gab. „Mit Conny Freundorfer habe ich beim TSV Milbertshofen in der 1. Bundesliga in einer Mannschaft Tischtennis gespielt“, sagte Otto Vilsmeier über sich. Geboren und aufgewachsen sei er in der Metzgerei Vilsmeier in der Oberen Bachgasse 12. „J. Vilsmeier“ steht noch immer über den Geschäften im giftgrünen Haus. Aber die Läden teilen sich heute Thai-Masseusen und die Suppenbar. Die Tischtennisabteilung der RT, gegründet 1946 in der Gaststätte „Heimat“ in der Weingasse von Jack („Dschak“) Alkofer, Michael Burgau, Hans Herrmann sowie Erich Lehneis, war die Wiege des Regensburger Ausnahme-Tischtennisspielers.

Infos zur Tischtennis-Abteilung auf einen Blick:

Ein Großer des RT-Tischtennis

  • Die TT-Abteilung

    der RT wurde am 13. Juni 1946 in der Gaststätte „Heimat“, in der Weingasse gegründet. Sie war zugleich erste Spielstätte. Gründungsmitglieder: Jack Alkofer, Michael Burgau, Hans Herrmann und Erich Lehneis.

  • Ab 1952

    wurde in der RT-Halle gespielt. Otto Vilsmeier war mit der RT Tischtennis-Oberpfalzmeister.

Vilsmeier wurde Oberpfalzmeister. Aus dieser Zeit kennen und schätzen ihn noch einige. Jack Alkofers Witwe Gerdi: „Das war ein Kerl, so fein, dass alles zu spät ist.“ 1967 wurde der Beamte in die Wehrbereichsverwaltung Süd versetzt, wo er bis zu seiner Pensionierung blieb. Verbunden mit dem Umzug war sein sportlicher Aufstieg als Tischtennisspieler in die höchste deutsche Spielklasse. Das Missgeschick mit der Todesanzeige nimmt er sportlich. „Es gibt eben Sachen, die gibt’s gar net“, sagt Otto Vilsmeier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

  • CP
    Christoph Pammer
    16.08.2015 16:39

    Liebe Mittelbayrische Zeitung, dem Wunsch meines Opas nach einem stillen Abgang aus den Leben hätten sie durchaus respektieren konnen und auf die übertriebene Berichterstattung verzichten können. Die berechtigte Anzeige des zum Glück noch lebenden Herrn Vilsmeier hätte schließlich auch genügt. Mit freundlichen Grüßen Christoph Pammer

    Missbrauch melden

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht