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Freitag, 22. September 2017 21° 2

Justiz

Sorgerechtsstreit um Bär Ben dauert an

Muss Ben zurück in die Manege? Der Streit um Deutschlands letzten Zirkusbären beschäftigt wieder ein Regensburger Gericht.
von Pascal Durain, MZ

•Zirkusbär Ben lebt mittlerweile in Bad Füssing auf einem Gnadenhof ohne Gitter. Ob das so bleibt, muss das Regensburger Verwaltungsgericht entscheiden. Foto: Animals United

Bad Füssing.Der Streit um Deutschlands wohl letzten Zirkusbären dauert an: Am kommenden Dienstag beschäftigt der tierische Sorgerechtsstreit erneut das Verwaltungsgericht in Regensburg. Hier soll nun zum letzten Mal im Hauptsachverfahren geklärt werden, ob Bär Ben seinen früheren Besitzern, dem Zirkus Alberti (auch unter dem Namen Lous Knie bekannt), wieder übergeben werden muss. Denn Ben wurde durch das Landratsamt Deggendorf beschlagnahmt. Momentan lebt der Bär auf einem Gnadenhof mit zwölf anderen Artgenossen in Bad Füssing.

Das war passiert: Anfang 2016 wurde der Bär vom Amtsveterinär in Plattling im Landkreis Deggendorf beschlagnahmt. Es kam zuvor zu Ausschreitungen.Die Zirkusleute attackierten die Tierschützern, die die Aktion mit Kameras dokumentierten. Die Polizei rückte an, der Besitzer des Bären versuchte, mit dem Tier und Anhänger zu fliehen und durchbrach dabei einen Zaun. Der Anlass der Beschlagnahmung: Die Veterinärbehörde Deggendorf war der Ansicht, dass der Zirkus den Bären zwei Mal innerhalb einer Woche alleine zurückgelassen hatte; Ben sei in eine verdunkelte Gitterbox gesperrt worden. Ein grober Verstoß gegen das Tierschutzrecht, entschied die Kreisbehörde.

Der Vereine „Animals United“ hat in einem ein Video die Beschlagnahme dokumentiert:

Der Besitzer des 22 Jahre alten Braunbären kämpfte in der Folge vor dem Verwaltungsgericht Regensburg auf Herausgabe des beschlagnahmten Tieres. Im April fiel dann das Urteil: Ben kehrt nicht in den Zirkus zurück. Der Braunbär sei dort über Stunden bei geschlossener Seitenklappe in einem viel zu engen, abgetrennten Bereich des Bärenwagens untergebracht gewesen, erklärte das Gericht das Urteil. Nach Einschätzung der Amtstierärztin sei der Bär durch diese reizarme, isolierte Haltung in völliger Dunkelheit sowie ohne Beschäftigung und ohne Zugang zu einem artgerechten Außengehege erheblich vernachlässigt worden.

Auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) wies danach die Beschwerde des Halters zurück. Da die bisherige Entscheidungen in dieser Sache in einem beschleunigten Verfahren, das Verwaltungsgericht Regensburg spricht von „Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes“ getroffen wurden, hat der Kläger, hier also der Zirkus, Anspruch auf ein Hauptverfahren.

Das meint MZ-Reporter Pascal Durain zu Wildtieren in Zirkussen:

Kommentar

Keine Frage der Haltung

Das Schicksal des Bären Ben wird wieder von einem Gericht verhandelt – der Ausgang des Prozesses ist offen. Auch, weil es ein Verbot von Wildtieren in...

Viktor Gebhart vom Verein „Animals United“ hat Monate lang für Ben gekämpft – und den Bären nun am Dienstag in Niederbayern besucht. Er sagt, Ben bade gerne, fresse viel und habe sogar eine Freundin gefunden. „Wahnsinn ihn hier so sehen zu dürfen. Das ist herzzerreißend.“ Kein Richter könne es verantworten, das Tier nach einem Jahr Freiheit wieder zurückzuschicken. Damit das nicht passiert und um an das Schicksal anderer Tiere in Zirkussen zu erinnern, ruft Animals United am ersten April-Wochenende auf Facebook zu bundesweiten Protesten auf. Der Zirkus Alberti sei zwar sicher ein „schwarzes Schaf“, sagt Gebhart, aber auch nur eines unter anderen „schwarzen Schafen“.

Auch die Gnadenhof-Betreiber sind zufrieden mit Bens Entwicklung: „Er ist ein riesiger Bilderbuchbär geworden“, sagt Franz Weinberger von der „Gewerkschaft für Tiere“. Seine Freundin, die Bärin Leima, bringe ihm die Bärensprache bei; schließlich habe der 22-jährige Braunbär nie Kontakt zu anderen Bären gehabt. Sein Fell sei jetzt schön stumpf, weil er hier nicht mehr für die Manege aufgebürstet wird. Er habe abgenommen und zu einem normalen Gewicht gefunden; die zwei Monate Winterruhe hätten ihm sichtlich gut getan.

Der Zirkus Alberti sagte unserem Medienhaus eine Stellungnahme zu; diese ist am Dienstag nicht eingegangen.

Lesen Sie auch:Länder für Wildtier-Verbot in Zirkussen

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