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Magazinserie Nr. 7
Freitag, 20. Oktober 2017 19° 1

Hobby

Aquarien – lieber groß als klein

Geräumige Aquarien sind pflegeleichter und tierfreundlicher. Nur wenn es den Fischen gutgeht, freut sich der Mensch.
Von Christian Satorius

  • Guppys und Paradiesfische eignen sich sehr gut für Einsteiger. Foto: dpa
  • Auch die Fische der Gattung Molly sind relativ unkompliziert im heimischen Aquarium zu halten. Foto: dpa
  • Das AquaDom im Berliner Sea Life Center ist weltweit einzigartig. Dort gibt es nicht nur einen Tunnel durch ein Hai-Becken sondern auch einen gläsernen Aufzug, mit dem man durch ein Aquarium fährt. Foto: dpa
  • Lungenfische gehören nur in Profi-Hand. Foto: dpa

Regensburg.Unwillkürlich stockt einem der Atem bei diesem Anblick: Hinter der Taucherin schießen plötzlich zwei Haie aus dem Dunkel des alten Schiffswracks hervor. Die Taucherin hingegen bleibt vollkommen gelassen. Sie kennt die beiden gut. Sie ziehen wie immer ganz gemächlich ihre Bahnen, während die Taucherin ihren Job macht. Ihr Job, das ist das Scheibenreinigen in dem riesigen Aquarium, in dem sie sich gerade befindet. Und jeder kann zuschauen.

Ein ganzes Korallenriff im Zoo-Aquarium

Die Szenerie spielt sich nämlich nicht irgendwo weit draußen im Indopazifik ab, sondern in einem gigantischen Meerwasseraquarium im Burgers’ Zoo im niederländischen Arnheim. Das größte Becken von mehreren fasst hier üppige drei Millionen Liter Wasser. Ganze Korallenriffe mit Zehntausenden von Fischen und sogar ein komplettes Schiffswrack finden in den riesigen Schaubecken Platz. Burgers’ Ocean ist damit eines der größten Aquarien Europas. Auch in Deutschland finden sich viele schöne Großaquarien. Stralsund, Fehmarn, Kiel, Berlin, Köln, Düsseldorf und Stuttgart gelten als Geheim-Tipps unter Aquarianern.

Dabei ist aber nicht nur „big“ auch „beautiful“. Für viele Menschen ist ihr eigenes Aquarium zu Hause das Ein und Alles. Große Süßwasserbecken mit vielen Pflanzen und den langsam ihre Bahnen ziehenden Fischschwärmen üben eine überaus beruhigende Wirkung auf ihre Betrachter aus. Mit dem Blick in dieses Aquarien kann man entspannen, sich erholen vom Stress. Ganz in Ruhe den Tieren über die Schulter schauen – da fällt der Alltag schnell von einem ab.

Das funktioniert natürlich nicht mit einem kleinen 60-cm-Becken, in dem eine bunt zusammengewürfelte Fischschar herumdümpelt und sich gegenseitig verspeist. Ein gut eingerichtetes, geräumiges Becken mit mindestens einem Meter Kantenlänge sollte es schon sein. Denn es gilt die Regel: Je mehr Raum vorhanden ist, umso erträglicher gestaltet sich das Leben der Insassen im gläsernen Fischgefängnis. Genug Platz und die Erfahrung der Tierhalter sind generell unabdingbar für den Tierschutz. Ein großes Aquarium hat noch weitere Vorteile. Zum einen lässt es sich – scheinbar paradoxerweise – leichter pflegen und in Ordnung halten. Je größer ein Aquarium ist, desto eher funktioniert das Becken wie ein kleines, in sich geschlossenes Biotop. Wenn dann doch einmal eine der schuppigen Schönheiten ins feuchte Seegras beißt und nicht sofort entdeckt und aus dem Wasser entfernt wird, dann kippt nicht gleich die gesamte Wasserchemie um. Mikroorganismen, Bakterien, Schnecken und natürlich andere Fische sorgen dafür, das alles im Gleichgewicht bleibt.

Dem aufmerksamen Beobachter erschließen sich noch ganz andere Dinge. Ein Aquarium kann nämlich überaus spannend sein, spannender als so mancher Spielfilm. Man muss sich nur die Mühe machen, in Ruhe zu beobachten und ganz genau hinzuschauen. Da gibt es beispielsweise Spritzsalmler, die zur Eiablage aus dem Wasser herausspringen und ihr Gelege unter der Aquarienabdeckung anbringen. Das Männchen sorgt von nun an dafür, das die Eier ständig mit Wasser bespritzt werden (daher der Name), bis die kleinen Spritzsalmler schlüpfen und ins Wasser fallen. Anderen ist die Spritzerei zu stressig. Sie nehmen ihre Fischbrut bei Gefahr lieber ins Maul. Bei mehreren Dutzend kleiner Fischen kann es da schon mal recht eng zugehen. Auf jeden Fall ist es ein toller Anblick, wenn alle kleinen Paddler wie auf Kommando ins Maul der Elterntiere flüchten. Ein Anblick übrigens, der in einem gut gepflegten, großen Becken durchaus keine Seltenheit ist. Wenn die Tiere sich wohlfühlen, lassen sie den Betrachter ihre gesamten interessanten Verhaltensweisen miterleben. Da wird um Weibchen gewetteifert, da wird geschmust, gezankt und sich auch fröhlich vermehrt. Ein kleiner Ozean im Wohnzimmer.

Besonders schöne Fische sind oft besonders anspruchsvoll

Natürlich ist nicht jeder Fisch gleich für das Anfängerbecken geeignet. Die Tiere einfach nach Schönheit auszusuchen und sie dann zu Hause in ein kleines Becken zu stopfen, hilft weder dem Aquarianer, noch den Tieren – im Gegenteil, das wäre Tierquälerei. Einige besonders schöne Fische, wie etwa Diskusse oder Fetzenfische, verlangen nicht nur nach besonders großen Aquarien, sondern auch nach einem ebenso großen Sachverstand bei der Pflege. Ansonsten gehen sie ganz schlicht und einfach ein oder sitzen in Schreckfärbung irgendwo in einer Ecke herum. Und mal ganz ehrlich: Was wollen wir beispielsweise mit einem Piranha-Becken? Die sehr groß werdenden Fische sind auch in stattlicheren Aquarien äußerst schreckhaft und verspeisen auch gerne mal ihre schwächeren Artgenossen. Wenn sie das nicht gerade tun, stehen sie still im Wasser herum, jederzeit bereit, sich mit einem Eindringling zu beißen.

Auch Frösche, Krebse, Lungenfische, Giftfische, Rochen, Lurche, die meisten Kugelfische und vor allem Wasserschildkröten gehören nur in spezielle Aquarien und vor allem in Profihand. Oftmals sind aber wirklich groß werdende Arten, wie zum Beispiel die sogenannten „Roten Oskars“, als Jungfische derart possierlich, dass man sich ziemlich beherrschen muss, sie nicht zu kaufen. Wer es trotzdem tut, wird erleben, wie sie nach einiger Zeit mit ihrer Größe schnell das Becken sprengen und damit das Budget des Aquarianers. Und von artgerechter Haltung kann man dann auch nicht mehr reden.

Baumeister Barsch und Buddler Wels

Viele interessante Arten sind hingegen ganz einfach zu halten. Sie entstammen Nachzuchten, kommen also nicht als Wildfang direkt aus der Natur, und fühlen sich im Aquarium durchaus wohl wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser. Ein Beleg dafür ist die häufige Paarung und daraus resultierend eine zahlreiche Nachkommenschaft. Einige Barsche beispielsweise richten sich ihr Aquarium nach eigenen Vorstellungen ein. Da wird Kies umgeschichtet, da werden Höhlen gebaut und Territorien errichtet.

Schön anzuschauen sind auch die den Aquarienboden bewohnenden Welse. Corydoras-Arten bewegen sich im Schwarm fort und man hat den Eindruck, als kuschelten sie sich richtig zusammen. Einige Welse, wie die Bratpfannenwelse, buddeln sich im Sand ein und dösen dort bis zur Dämmerung vor sich hin, andere Arten durchstreifen das Becken auf der Suche nach Nahrung. Größere Fischschwärme sind immer ein schönes Bild. Vermehrungserfolge stellen sich aber auch bei Anfängern relativ schnell mit Guppys, Black-Mollys oder Platys und Schwertträgern ein. Viele schöne Labyrinthfische bauen auch in gut gepflegten größeren Aquarien ihre sehenswerten Schaumnester, in denen dann später die Jungfische ausgelassen herumtollen.

Halb Aquarium, halb Strand

Interessant sind auch sogenannte Palundarien. Sie bestehen quasi nur zur Hälfte aus einem Aquarium. Über der Wasseroberfläche wachsen hier auf einem Landteil exotische Pflanzen. Bisweilen gibt es sogar einen kleinen Wasserfall. Im Wasserteil des Palundariums sollten allerdings einfacher zu haltende Tiere zu finden sein. Schützenfische, Schlammspringer und Vieraugen, die man in Zoos oftmals findet, sollte man erst dann einziehen lassen, wenn man sich ruhigen Gewissens als Profiaquarianer bezeichnen kann. Wer aber noch nicht so recht weiß, ob er wirklich das Zeug dazu hat, der sollte es lieber erst einmal mit kurzlebigeren Arten versuchen. Es gibt nämlich eine ganze Reihe von Fischen, die selbst bei optimaler Pflege nicht älter als ein bis zwei Jahre wird. Wer dann lieber Kängurus züchten möchte, kann das Aquarium schnell wieder abbauen oder dort Kakteen einziehen lassen.

Spektakuläre Aquarien

  • China

    Das größte Aquarium der Welt hat Ende März im Freizeitpark Chimelong Ocean Kingdom in Zhuhai eröffnet. Die Anlage, die 50 Millionen Liter Wasser fasst, hält vier Guinness-Weltrekorde: größter Unterwasser-Dom, größtes Becken, größtes Fenster, größtes Acrylglas-Panel. In einer der sieben Ozeanwelten leben u. a. Walhaie mit bis zu zwölf Metern Länge. Das Halten der geschützten Fische in Becken ist umstritten.

  • Singapur

    Noch 2013 schmückte sich der Marine Life Park im Hotel Sentosa in Singapur mit dem Titel „größtes Aquarium“. Dort leben in rund 45 Millionen Litern Wasser mehr als 100 000 Meerestiere. Von den Luxuszimmern aus haben Gäste freien Blick in die Unterwasserwelt.

  • USA

    2005 war das Georgia Aquarium in Atlanta (Georgia/USA) das größte Aquarium. Zu den Attraktionen zählen Walhaie, Belugas und Mantarochen.

  • Dubai

    Die Dubai Mall beherbergt ein riesiges Aquarium mit einem Unterwasser-Tunnel. Fische, Robben, Haie und Rochen schwimmen direkt über den Köpfen. Wer sich traut, kann hier auch tauchen.

  • Japan

    Das Churaumi-Aquarium in Okinawa ist in Etagen gegliedert. Oben Korallenriffe, Seeigel, Anemonen, darunter Riesenmantas und Walhaie, ganz unten Hummer, Krabben, Leuchtfische.

  • Deutschland

    Zum Berliner Sea Life Center gehört der weltweit einzigartige AquaDom. Er steht mitten in der Lobby eines benachbarten Luxus-Hotels. Im Innern dieses 25 Meter hohen zylindrischen Aquariums mit einer Million Liter Wasser schwebt man in einem gläsernen Aufzug durch Fischschwärme hindurch.

  • Deutschland 2

    Wer’s klassisch liebt, besucht das geschichtsträchtige Aquarium im Berliner Zoo. Es hatte einen Vorläufer Unter den Linden, besteht seit 1913 und wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. Nach Wiederaufbau und späterer Erweiterung ist es heute eines der artenreichsten Aquarien weltweit. (mz)

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