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Zelten
Donnerstag, 22. Juni 2017 34° 2

Kulturgeschichte

Die Neuerfindung einer genialen Idee

Jäger und Sammler, Indianer und Nomaden, Römer und Ritter, Beduinen und Soldaten – das Zelt ist ihr zeitloser Begleiter.
Von Christoph Aschenbrenner

Seit Jahrtausenden schützt das Zelt vor den Unbilden der Natur. Foto: dpa

Regensburg.Das Zelt ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel, um schnellen und sicheren Unterschlupf zu finden. Seit Jahrtausenden schützt es vor den Unbilden der Natur – eine kleine Zelt-Zeitreise.

Die ältesten entdeckten Zeltbauten in Europa datieren aus der Altsteinzeit vor etwa 40 000 Jahren. Der Mensch als Jäger und Sammler behalf sich zu dieser Zeit mit leichten, aus Holzstangen bestehenden Sommerzelten sowie robusteren, mit Tierfellen und Tierhäuten belegten Winterzelten. Die Zelte mussten für lange Reisen durch karge Steppengebiete transportabel sein. Mit der Erfindung von Werkzeugen zum ortsgebundenen Hausbau verlor das Zelt in Europa an Bedeutung.

Tipis haben eine Feuerstelle

In manchen Kulturen ist es als Behausung bis heute beliebt. Eines der bekanntesten Exemplare ist das ganzjährig bewohnbare Tipi der indianischen Stämme Nordamerikas. Die ersten Tipis wurden mit Bisonhäuten verkleidet, die infolge zunehmender Ausrottung der Tiere durch Segeltuch ersetzt wurden. Trotz eines Durchmessers von bis zu zehn Metern und einer außergewöhnlichen Höhe war das Tipi einfach zu bauen und mit der Unterstützung von Hunden und Pferden leicht zu bewegen. Die Indianer sahen die Sonne als Spender allen Lebens an und richteten ihre Tipis mit dem Eingang nach Osten aus, der aufgehenden Sonne entgegen. Im Innern kann man sogar ein offenes Feuer entfachen. Der Rauch zieht über eine Klappe ab.

Auch viele Nomadenstämme in Asien nutzen ihre sogenannten Jurten seit Jahrtausenden als mobile Wohn- und Schlafstätten. Manche Gruppen sind ganzjährig mit ihren Viehherden unterwegs. Die Jurte besteht aus Scherengittern aus biegsamem Holz und kann bei Bedarf mit Schichten aus Filz und Leinen bekleidet werden. Jede Seite in einer Jurte hat eine feste Funktion und spiegelt die spirituelle und soziale Ordnung wider.

Auf diese Weise kann eine bis zu sechsköpfige Familie ein geregeltes Leben bei begrenztem Raum und teils extremen klimatischen Bedingungen organisieren. Das Beduinenzelt kommt im Stile eines Nomadenzeltes daher und ist an einer Seite komplett offen, um einen Luftaustausch im heißen Wüstenklima zu ermöglichen. Vom 15. bis ins 17. Jahrhundert prägten Ritterzelte die malerische Kulisse eines jeden Ritterturniers. Mittlerweile sind sie nur noch auf Mittelaltermärkten anzutreffen. Auch bei größeren Schlachten waren die Zelte, die vornehmlich in königlichen Farben gehalten waren, immer als transportable Unterkünfte dabei.

Zelte für Legionen

Die römischen Legionen hausten im Tentorium oder Tabernaculum, getrennt nach einfachen Soldaten und ranghöheren Offizieren. Typisch war ihre Verkleidung aus Leder. Ein Exemplar bestand durchschnittlich aus 90 Ziegenhäuten. Bis heute dienen solche weiterentwickelten Zeltkonstruktionen dem Militär als Mannschaftsunterkunft, mobile Werkstatt und Krankenstation. Und wie problematisch es auch sein mag, Flüchtlinge auf Dauer in gigantischen Zeltlagern unterzubringen, finden sie dort doch immerhin ein erstes Dach über dem Kopf.

Ob sich selbst aufbauende Wurfzelte, besonders robuste Bergsteigerzelte, robuste Flüchtlingszelte oder architektonische Meisterwerke wie die Olympia-Zeltdachkonstruktion in München – sie alle zeugen von der stetigen Neuerfindung der ursprünglichen Zeltidee: Schutz und Leichtigkeit.

Und sollte nun jemand steif und fest behaupten, gar nichts für Zelte übrig zu haben, findet er sich vermutlich doch immer wieder gut gelaunt in einem solchen ein – im Bierzelt.

Alles rund um das Zelt lesen Sie hier.

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