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Promis
Samstag, 21. Oktober 2017 19° 3

Interview

Claudia Koreck schlägt neue Töne an

Die bayerische Sängerin erweitert ihr musikalisches Repertoire. Ihr neues Album ist eine Zäsur in ihrer bisherigen Karriere.
Von Philipp Seitz, MZ

Claudia Koreck ist in vielen musikalischen Welten zu Hause. Foto: Archiv/Braun

Frau Koreck, es heißt, in Ihrer Familie greift beim Samstagsfrühstück jeder zum Instrument. Wann wird Ihr siebenjähriger Sohn Sie auf der Bühne begleiten?

Der würde am liebsten jetzt schon auf der Bühne stehen. Aber da müssen wir als Eltern schon aufpassen. Ich sage immer: Wir sind doch nicht die Kelly Family! Es ist auch schwierig für die Kinder, denn sie wachsen natürlich damit auf, dass die Mama auf der Bühne steht. Deshalb werden auch bei uns zuhause oft Konzerte gegeben.

Von Ihnen oder Ihrem Sohn?

Hauptsächlich von meinem Sohn. Mit seinem Cousin und seiner kleinen Schwester hat er nun auch schon eine Band gegründet. Das ist total lustig. Sie machen alles spielerisch. Es ist so schön, zu sehen, dass er versucht, es mir nachzumachen. Das ist das Schöne am Kindsein: Man hat so viel Fantasie, geht ohne Druck an etwas heran und hat Freude.

Klingt so, als hätten Sie in ein paar Jahren Verstärkung auf der Bühne.

Er ist schon drauf und dran. Alle Instrumente, die er in die Finger bekommt, schnappt er sich – egal ob Ukulele oder Klavier. Zu den Liedern singt er dann und schreibt schon eigene Texte. Wir üben auch hin und wieder gemeinsam, aber das Wichtigste ist, dass der Spaß an der Musik im Vordergrund steht und nicht überstrapaziert wird.

Gibt es bei Ihnen Momente, in denen Sie keine Lust auf Musik mehr haben?

Lust auf Musik habe ich immer. Das ist meine Leidenschaft. Ohne Musik wäre ich nur ein halber Mensch. Wenn ich zuhause bei meiner Familie bin, genieße ich es sehr. Aber meine Familie weiß, dass ich auch raus muss, auf die Bühne will und dass das einfach ein Teil von mir ist. Nur dadurch habe ich wahrscheinlich auch so viel Energie. Konzerte kosten zwar wahnsinnig viel Kraft, geben mir aber auch wahnsinnig viel wieder zurück. Das möchte ich nicht missen. Natürlich gibt es aber auch Täler, in denen man sich fragt, welche Songs man jetzt eigentlich noch machen soll. So ist es mir vor meinem neuen Album gegangen, weil ich mich nicht wiederholen wollte. Da überlegt man, was man schreiben will und wie man wieder einen Schritt nach vorne machen kann.

Ihr neues Album „Holodeck“ ist nicht nur auf Bayerisch, sondern auf Englisch. Wollen Sie Ihre Reichweite vergrößern?

Es wäre natürlich schön, wenn dies gelingen würde. Mit dem bayerischen Dialekt ist man regional beschränkt. Sobald ich außerhalb von Bayern meine Musik spiele, ist es natürlich leichter, mit einer Sprache aufzutreten, die jeder versteht. Ich schaue mir gerne die Welt an, verreise, arbeite und spiele auch immer wieder mit Musikern weltweit. Da macht es Sinn, auch in einer universell verständlichen Sprache zu singen. Natürlich habe ich mich gefragt, was meine Fans dazu sagen werden. Sie mögen es ja so gerne, dass ich bayerisch singe Aber als Künstler muss man seinem Herzen folgen und ich hatte total Lust darauf, auch mal in einer anderen Sprache zu singen. Und dafür habe ich ja auch eine Doppel CD gemacht. Mit einer bayerischen und einer englischen Sprachversion.

In Ihren Liedern hat man stets das Gefühl, dass sie biografisch geprägt sind.

Ein gewisses Geheimnis muss immer mit dabei sein. In der Musik hat man einen großen Spielraum und gerade in meinem neuen Album ist es mir um Offenheit gegangen, darum, auch mal die Fantasie spielen zu lassen und einfach mal in andere Welten zu flüchten. In Anbetracht der aktuellen weltpolitischen Lage ergeben sich mehrere Möglichkeiten für potenzielle Themen. Ich wollte aber eben nicht ein Liedermacher-Album, das Mainstream-Themen aufgreift. Mir ging es um Dinge, die Menschen bewegen, Raum geben und dass man sich darin einfach verlieren kann.

Holodeck war für Sie zwei Jahre lang ein Ort der kreativen Freiheit. Ist das neue Album auch eine Suche nach sich Selbst?

Ja, eine Suche nach sich selbst auf jeden Fall. In dem Stück „Wand“ beschäftigte ich mich damit, dass ich an einem Punkt in meinem Leben angelangt bin, an dem ich mich frage: Was mache ich jetzt? Ich habe eine wundervolle Familie und lebe meinen Traum, bin eigentlich rundum glücklich und zufrieden. Dennoch bin ich jemand, der gerne nach links und nach rechts schaut, der neugierig ist und so möchte ich auch bleiben. Ich gehe lieber ein paar Risiken mehr ein, als dass ich untätig rumsitze.

Ihr neues Albumcover ziert ein Astronaut, der schwerelos im All schwebt. Sie bewegen sich auch zwischen den verschiedensten Musikrichtungen.

Ich bin auf jeden Fall ein sehr offener Mensch und immer wieder für neue Einflüsse zu haben. Das versuche ich auch in meinen Platten und Liedern zu spiegeln, weil ich mich ungern wiederholen mag. Ich bediene mich deshalb gerne aus den unterschiedlichsten Einflüssen und Stilen und versuche einfach, immer mal wieder etwas Neues zu machen.

Sie waren jetzt in Los Angeles und haben Ihr neues Album aufgenommen.

Ja, das war ein tolle Erfahrung. Die Jungs spielen ansonsten mit den weltgrößten Musikstars und umso mehr war es toll zu spüren, wie sehr es auch ihnen Spaß gemacht hat, mit uns zu spielen. Und ein tolles Beispiel dafür, dass gemeinsames Musikmachen die Menschen weltweit verbinden kann.

Wenn Sie der Papierflieger in „Paper Aeroplane“ wären, wohin würde Ihre Reise gehen?

Es gibt so viele wunderschöne Orte auf der Welt, die ich gerne abfliegen würde. Zuerst einmal eine Woche nach Griechenland, da fahren wir auch bald hin. Danach würde ich wahrscheinlich relativ bald nach Los Angeles fliegen, weil es mir da wahnsinnig gut gefällt und ich dort viele inspirierende Menschen kennenlernen durfte. Danach würde ich noch einen Abstecher über Hawaii machen, dann aber wieder heimkommen, denn zuhause ist es auch wunderschön.

Hier hören Sie den Song „Paper Aeroplane“ von Claudia Koreck:

Mir fällt Ihre etwas lädierte Stimme auf. Liegt das an den vielen Konzerten?

Das liegt tatsächlich daran, dass ich gestern beim Coldplay-Konzert war und dabei ganz wahnsinnig laut mitgesungen habe. Bis zum nächsten eigenen Konzert ist sie wieder ganz die Alte. (lacht)

Weitere Infos zu Claudia Koreck und ihrem neuen Album:

Alles rund um Musik finden Sie hier.

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