mz_logo

Politik
Dienstag, 21. November 2017 7

Luftverkehr

Air-Berlin-Crews melden sich zur Arbeit

Am Mittwoch machten Krankmeldungen der insolventen Airline zu schaffen. Am Donnerstag soll sich der Betrieb normalisieren.

Das Management spricht von einer existenzbedrohenden Situation für die Airline. Foto: Roland Weihrauch

Berlin.Nach zahlreichen Flugausfällen können sich Passagiere der Air Berlin am Donnerstag wieder auf einen normalen Betrieb der insolventen Airline einstellen. Am Dienstag und Mittwoch waren rund 200 Flüge ausgefallen, weil etliche Piloten sich krankgemeldet hatten. Gegen Mittag gab es dann die Entwarnung, dass viele Crews an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten. Die Beschäftigten fürchten um ihre Einkommen und Arbeitsplätze, wenn Air Berlin wie geplant zerschlagen wird.

Bundesregierung redet Piloten ins Gewissen

Vorstandschef Thomas Winkelmann appellierte gestern an die Piloten: „Meldet Euch aus dem Off freiwillig zurück.“ Auch die Bundesregierung redete den Piloten ins Gewissen. Von Arbeitgeberseite kam Kritik am „wilden Streik“. Air Berlin hatte vor vier Wochen Insolvenz angemeldet und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Airlines über einen Verkauf von Unternehmensteilen.

Am Montag waren Gespräche gescheitert, in denen die Arbeitnehmerseite einen Sozialplan erreichen wollte. Das Management will erst verhandeln, wenn konkrete Kaufangebote vorliegen. Selbst die erste öffentlich bekannte Offerte der Lufthansa ist bislang noch nicht bindend, wie aus Unternehmenskreisen zu erfahren war.

„Es ist durchaus ein riskantes Manöver, was da von einigen Piloten ganz offensichtlich versucht wird“, kritisierte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Krankmeldungen. „Ich kann deshalb an alle nur appellieren, Vernunft wieder einkehren zu lassen.“

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) warnte vor „Störfeuer“ – on welchen Seiten auch immer“. Ziel sei es, „möglichst viel von den Werten von Air Berlin tatsächlich noch zu retten und gegebenenfalls zu verkaufen“, sagte Zypries. „Insbesondere geht es uns auch darum, dass die Arbeitsplätze für die Beschäftigten möglichst vollständig erhalten bleiben.“

Mehrere Ausfälle auch bei Eurowings

Vorstandschef Winkelmann betonte: „Potenzielle Investoren werden durch die gestrige und heutige Performance verschreckt.“ Am Dienstag hatten sich kurzfristig rund 200 Piloten krank gemeldet. Nach jüngsten Zahlen der Air Berlin waren am Dienstag sogar 164 Flüge ausgefallen, nicht wie zunächst angenommen rund 100. Hinzu kamen mehrere Ausfälle bei der Lufthansa-Tochter Eurowings, die üblicherweise mit Air Berlin-Flugzeugen durchgeführt werden. Für gestern gab das Unternehmen die Zahl der Krankmeldungen mit 149 an. Mindestens 32 Flüge wurden gestrichen, außerdem fielen 35 Eurowings-Verbindungen aus. Winkelmann sprach von einer unerträglichen Situation.

Rechte von Reisenden

  • Bei Flugausfällen

    infolge eines Streiks muss die Fluggesellschaft Kunden eine alternative Beförderung anbieten. Das kann die Umbuchung auf einen anderen Flug sein oder andere Transportwege, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist. Das regelt die Fluggastrechte-Verordnung der EU. Fällt der Flug definitiv aus, dürfen Kunden außerdem das Ticket zurückgeben.

  • Beim Streik

    an Berliner Flughäfen bieten etwa Air Berlin, Lufthansa und Easyyet Betroffenen bei Flugausfällen an, kostenfrei umzubuchen oder sich Ticketkosten erstatten zu lassen. Zudem können Reisenden ihr Ticket gegen einen Gutschein der Deutschen Bahn eintauschen. Auf Entschädigung für einen ausgefallenen oder verspäteten Flug haben Reisende bei einem Streik in der Regel keinen Anspruch. (dpa)

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sieht in den Krankmeldungen einen illegalen Arbeitskampf. Diese sogenannten wilden Streiks hielten in der Luftfahrt mehr und mehr Einzug, sagte IW-Volkswirt Hagen Lesch. Er verwies auf ähnliche Vorgänge bei der Tuifly im Herbst 2016 und bei der Lufthansa im Herbst 2015.

In den Reihen der Piloten wurde jedoch darauf verwiesen, dass auch wirtschaftliche Existenzängste die sichere Flugdurchführung gefährden können. Der frühere Betriebsratsvorsitzende Hans Albrecht kritisierte in einem Offenen Brief, die Unternehmensspitze lasse die Beschäftigten im Verkaufsprozess bewusst im Unklaren, um Existenzängste zu schüren. Ziel sei es, sich „vertraglicher Altlasten“ zu entledigen und die Tarife unter Druck zu bringen. „Sie machen sich zum Handlager bei der Demontage eines Berufsstandes“, heißt in dem Brief, den „t-online.de“ verbreitete.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht