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Politik
Dienstag, 21. November 2017 7

Gesundheit

Aufklärung über ein Tabu

Versorgungslücken und Unwissenheit sind Punkte, die die Selbsthilfeorganisation ILCO für Stomaträger beseitigen will.
Von Anita Erz

Anita Erz ist Sprecherin der Deutsche Ilco Region Regensburg.

Beim 3. Oktober denken die Menschen in Deutschland vor allem an den „Tag der deutschen Einheit“ – oder freuen sich einfach über einen Feiertag. Für viele Menschen hatte der 3. Oktober in diesem Jahr aber noch eine andere Bedeutung. Alle drei Jahre ist nämlich am ersten Samstag im Oktober der „Welt-Stoma-Tag“. Bis heute ist das Schicksal, einen künstlichen Ausgang – ein Stoma – zu bekommen, für viele Menschen mit Schrecken verbunden, mit Sorge und Scham. Um diesem Tabu etwas entgegenzusetzen, beteiligt sich die bundesweite Selbsthilfeorganisation Deutsche ILCO an diesem Aktionstag, der zeitgleich von Stomaorganisationen in der ganzen Welt begangen wird. Das diesjährige internationale Motto „Vielen Schicksalen eine Stimme geben“ zeigt die Bedeutung, die unabhängige Stomaorganisationen für die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen haben. Nur sie können die vielfältigen Anliegen bündeln und glaubwürdig nach außen vertreten.

Ich weiß, wovon ich spreche. Ich lebe selbst mit einem Stoma – schon seit meinem 16. Lebensjahr. Damals wie heute ist das Stoma eine echte Hiobsbotschaft für einen Teenager, das kann sich wohl jeder vorstellen. Die Begegnung mit einem Gleichbetroffenen der ILCO und viele hilfreiche Informationen waren die Initialzündung, mich mit der Situation anzufreunden und später auch selbst zu engagieren.

Insofern habe ich das diesjährige Welt-Stoma-Tag-Projekt der Deutschen ILCO gerne unterstützt, die Stomaträgern im wahrsten Sinne des Wortes eine Stimme gibt: Auf der Internetseite www.weltstomatag.de berichten außer mir weitere Stomaträger über ihr Leben und ihre Erfahrungen. Diese Menschen sind bei all ihrer Unterschiedlichkeit glaubwürdige Zeugen für Lebensfreude trotz und mit Stoma – und treten damit Unwissen, Vorurteilen und dem Tabu „Stoma“ entgegen.

Mit dem alle drei Jahre stattfindenden Welt-Stoma-Tag soll auf die besondere Lebenssituation von Stomaträgern aufmerksam gemacht und die internationale Solidarität zwischen Stomaträgern, aber auch Ärzten und Pflegekräften gefördert werden. Stomaträger leben in vielen verschiedenen Ländern und Kulturen. Genauso unterschiedlich können daher ihre Probleme sein. Zum Beispiel fehlen sichere Hilfsmittel für die Stomaversorgung nicht nur in Entwicklungsländern.

Gemessen an diesen Ländern ist die Situation für Stomaträger in unserem Land zwar gut. Dennoch gibt es auch hier Lücken in der Versorgung. Stomaträger mit weiteren Handicaps, die zwar keine Pflegestufe haben, aber nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, müssen die Kosten für zusätzliche benötigte Hilfe bei der Stomaversorgung selbst tragen – oder auf eine sachgerechte Versorgung verzichten. Das ist meiner Meinung nach eines hochzivilisierten Landes unwürdig. Die Deutsche ILCO als unabhängige Selbsthilfeorganisation fordert daher, diese Versorgungslücke schnellstens zu schließen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn viele Menschen die Chance wahrnähmen, die Interviews mit Stomaträgern anzuhören oder zu lesen – und sich ein realistischeres Bild von ihrem Leben zu bilden, das nicht (mehr) von Vorurteilen geprägt ist.

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