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Politik
Montag, 11. Dezember 2017 4

Unternehmen

Branche mit Tradition und Verantwortung

Die 600 Brauereien im Freistaat sind mehr als nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie übernehmen Verantwortung.
Von Hermann Goss

Hermann Goss ist Brauereidirektor der Brauerei Bischofshof. Foto: Josef Zink

Craft Beer heißt die neueste Mode, die über den großen Teich inzwischen auch zu uns geschwappt ist. Damit meinen die Amerikaner Bier, das sich bewusst gegen den Einheits-Gerstensaft der großen Konzernriesen stellt, die in Amerikas Kneipen und Gastwirtschaften seit Jahren die Zapfhähne dominieren.

Doch was die Bierwelt als neuen Trend feiert, gibt es in der Oberpfalz und in Niederbayern bereits seit hunderten Jahren: handwerklich gebraute Bierspezialitäten von höchster Qualität. Das traditionelle Zoigl aus den Kommunbrauhäusern, aber auch das Dunkle aus der ältesten Klosterbrauerei der Welt in Weltenburg sind die lebenden Zeugen einer Genusskultur, die bis heute weltweit einzigartig ist.

Rund 600 kleine und mittelständische Brauereien gibt es heute zwischen Hof und Garmisch-Partenkirchen. Bayern ist damit die eigentliche Heimat des Craft Beers mit einem wesentlichen Unterschied zu den USA: Es verkörpert nicht (nur) Trend, sondern vor allem auch Tradition. Hinter den mittelständischen Brauereien stehen Brauer und Betriebe, die für Echtheit und Qualität, für Ehrlichkeit und Genusskultur stehen — und für eine gelebte Verantwortung gegenüber ihrer Heimatregion, ihren heimischen Lieferanten und Kunden. Die drei Regensburger Stiftungsbrauereien Bischofshof, Kneitinger und Spital sind dafür das beste Beispiel. Denn anders als in einem normalen Wirtschaftsbetrieb oder einer konventionellen Brauerei fließen die Gewinne nicht an Aktionäre oder Eigentümer. Die Überschüsse werden entweder in den weiteren Ausbau der Brauerei oder aber in die Förderung von sozialen oder kulturellen Einrichtungen sowie des regionalen Sports investiert. Bei Bischofshof kam so allein in den vergangenen zehn Jahren ein Millionenbetrag zusammen.

Regionale Brauereien stehen für Verantwortung, gleichzeitig aber auch für höchste Qualität und stetige Innovation: Beim härtesten Bierwettbewerb der Welt, dem European Beer Star, haben Brauereien aus Ostbayern in diesem Jahr elf Medaillen gewonnen, mit handwerklich gebrauten Bierspezialitäten im besten Wortsinn. Die Mode würde auch alle ostbayerischen Preisträger wohl „Craft Beer“ nennen. Hipper Name hin oder her: Die Region gehört damit zu den erfolgreichsten weltweit. Das ist umso erstaunlicher, weil die Konkurrenz noch nie so groß war wie heuer: Braumeister, Biersommeliers und renommierte Bierkenner aus knapp 30 Nationen testeten in diesem Jahr mehr als 2000 Biere aus fast 50 Ländern.

Die Advents- und Weihnachtszeit steht vor der Tür. Diese Wochen sind nicht nur eine Zeit der Besinnung, sondern auch des Konsums und der Geschenke. Jede und jeder von Ihnen hat es in der Hand, bewusst ein Zeichen für regionale Wertschöpfung und regionale Vielfalt zu setzen, für Produkte aus Ihrer Heimat statt für Austauschbares von globalen Konzerngiganten.

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