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Politik
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

USA

Der Rassist im Weißen Haus

Trump soll arme Länder als Drecksloch-Staaten beschimpft haben. Nach einem Sturm der Entrüstung streitet er das ab.
Von Thomas Spang

Weltweit herrscht Entsetzten über Trump: Die Vereinten Nationen verurteilten seine Wortwahl in aller Schärfe. Foto: Ron Sachs/CNP/dpa

Washington.Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein amerikanischer Fernsehsender seine Zuschauer so begrüßt: „Hier ist CNN Tonight. Ich bin Don Lemon. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist ein Rassist. Eine Menge von uns haben das lange gewusst“. Lemon bezog sich auf kurz zuvor durchgesickerte Aussagen Trumps während eines Treffens mit Mitgliedern des US-Kongresses im Weißen Haus.

Als diese ihm einen überparteilichen Kompromiss zur Einwanderung präsentierten, rieb sich der Präsident daran, dass Menschen aus Haiti, El Salvador und mehreren afrikanischen Staaten berücksichtigt werden sollten. „Warum haben wir diese ganzen Leute aus den ‚Drecksloch‘-Ländern hier“, fragte Trump laut Aussagen mehrerer Teilnehmer. „Wir brauchen nicht mehr Haitianer“. Stattdessen würde er lieber mehr Einwanderer aus Norwegen sehen.

Nur eine „Thekensprache“?

Während das Weiße Haus die Äußerungen zunächst nicht bestritt, und mehrere Verbündete des Präsidenten sie als „Thekensprache“ verteidigten, die seine Anhänger so teilten, versuchte sie Trump am Freitagmorgen via Twitter zu entschärfen. Er habe „harte“ Worte für den unmöglichen Vorschlag der Gesetzgeber gefunden, aber nicht von „Dreckslöchern“ gesprochen. „Diese Sprache habe ich nicht gebraucht“.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Senat, Dick Durbin, wies das als Lüge zurück. „Er hat diese hasserfüllten Dinge gesagt und sie mehrfach wiederholt.“ In den USA distanzierten sich Demokraten und Republikaner von Trumps Äußerungen. Der demokratische Repräsentant und Einwanderungs-Experte Louis Gutierrez meint, nun lasse sich „mit 100-prozentiger Gewissheit sagen, dass der Präsident ein Rassist ist“.

Mehrere Quellen für Äußerung

Tatsächlich gibt es mehr als eine Quelle und mehrere Qualitätsmedien, die unabhängig voneinander berichten, Trump habe die betroffenen Staaten als „Shitholes“ bezeichnet. Ein neuer Tiefpunkt für den Rechtspopulisten, der seine Präsidentschaftskandidatur mit chauvinistischen Ausfällen gegen Mexikaner angekündigt hatte. Diese hatte er seinerzeit als pauschal „Vergewaltiger“ und „Drogenhändler“ denunziert.

„Leider haben wir Shithole Führer wie Trump, die jeden Tag auf uns scheißen“.

Boniface Mwangi, kenianischer Aktivist

Die nationalen und internationalen Reaktionen auf die „Shithole“-Episode sind verheerend. Der Sprecher der UN- Menschenrechtsorganisation, Rupert Colville, verurteilte die Äußerungen in aller Schärfe. „Es gibt keine anderes Wort, dies zu beschreiben, als Rassismus“. Der Botschafter von Haiti, Paul G. Altidor, verlangte offiziell eine Erläuterung der Äußerungen des Präsidenten. „Entweder ist er schlecht informiert oder versteht nichts von Haiti und seinen Menschen“. Der Außenminister von El Salvador, Hugo Martinez, erinnerte daran, dass New Orleans seinen Wiederaufbau zu einem guten Teil Arbeitern aus seinem Land verdankt. „Ich bin stolz darauf ein Salvadorianer zu sein“. Der US-Botschafter in dem zentralamerikanischen Staat distanzierte sich von seinem Präsidenten. „Es ist eine Ehre hier zu leben und zu arbeiten“, twittere Jean Manes.

Kommentar

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Trump äußert „vulgären Rassismus“

Die Afrikanische Union zeigte sich alarmiert über die taktlosen Äußerungen Trumps. Der Präsident scheine vergessen zu haben, „wie viele Afrikaner als Sklaven in die Vereinigten kamen“. Der kenianische Aktivist Boniface Mwangi meinte, Afrika sei „der schönste Kontinent der Welt“, der reich an Bodenschätzen und hart arbeitenden Menschen sei. „Leider haben wir Shithole Führer wie Trump, die jeden Tag auf uns scheißen“.

Die Historikerin Mae M. Ngai von der Universität Columbia erinnerte daran, dass die Lebensbedingungen in den von Trump als „Dreckslöcher“ bezeichneten Ländern oft das direkte Ergebnis amerikanischer Politik sind. „Sein vulgärer Rassismus wird nur noch von seiner Ignoranz übertroffen“.

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