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Politik
Mittwoch, 18. Oktober 2017 20° 2

Terrorismus

Deutsche bei Anschlag in Paris verletzt

Angriff auf den Champs-Élysées: Schüsse auf Polizisten erschüttern Frankreich. Eine deutsche Frau ist unter den Verletzten.

Paris.Bei dem Anschlag auf den Champs-Élysées in Paris ist nach Angaben der Bundesregierung auch eine deutsche Staatsangehörige verletzt worden. Das teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Freitag in Berlin mit. Die Frau habe sich zufällig am Tatort aufgehalten. Ihr Zustand sei stabil. Sie sei nicht lebensbedrohlich verletzt worden, habe aber ernste Verletzungen davongetragen.

IS reklamiert den Angriff für sich

Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl an diesem Sonntag hatte ein nach Medienberichten 39 Jahre alter Mann am Donnerstagabend auf dem Prachtboulevard mitten in Frankreichs Hauptstadt mit einer automatischen Waffe auf einen geparkten Mannschaftswagen der Polizei geschossen. Ein Polizist starb dabei. Neben der Deutschen wurden nach Angaben der französischen Behörden zwei weitere Beamte verletzt. Die Polizei erschoss den Angreifer.

Nach den Schüssen auf den Champs Elysées wurde das Gebiet weiträumig abgesperrt. Foto: afp

Präsident François Hollande sagte nach einer Krisensitzung im Elysée-Palast, die Regierung sei überzeugt davon, dass der Angriff einen terroristischen Hintergrund habe. Der Schütze habe gezielt auf Polizisten und ihren Wagen gefeuert, bevor er erschossen wurde. Die Terrormiliz IS reklamiert die Bluttat für sich.

Das Sicherheitskabinett tagt

Polizisten sichern am Donnerstagabend das Gebiet um die Champs Elysees. Foto: dpa

Wenige hundert Meter vom Arc de Triomphe entfernt waren zwei Polizisten verletzt worden, einer von ihnen schwer. Des getöteten Polizisten soll am Freitagmorgen landesweit gedacht werden. Zudem berief Hollande für Freitag eine Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts ein.

Zu dem Angriff bekannte sich der IS über sein Propaganda-Sprachrohr Amaq. Die Agentur identifizierte den Täter als einen Kämpfer namens „Abu Yussef der Belgier“.

Die Antiterror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Ihr Leiter François Molins erklärte, der Täter sei den Behörden bekannt gewesen und seine Identität verifiziert. Details wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen. Die Behörden durchsuchten eine Wohnung in einem Vorort östlich von Paris, in der der Mann zuletzt gewohnt haben soll.

Die Nachrichtenagentur AFP erfuhr aus Ermittlerkreisen, dass der Angreifer – ein 39-jähriger Franzose – wegen zwei Angriffen mit Schusswaffen auf zwei Polizisten und einen dritten Mann 2005 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war. Die Haftstrafe saß er nicht vollständig ab. Im Februar wurde er den Angaben zufolge erneut festgenommen wegen des Verdachts, dass er Polizisten ermorden wolle. Aus Mangel an Beweisen kam er allerdings wieder frei.

Ein Polizeivertreter sagte, der Angreifer sei in einem Auto vorgefahren und ausgestiegen. Er habe mit einer Automatikwaffe auf das Polizeifahrzeug geschossen. „Er hat einen der Polizisten getötet und versucht, im Laufen noch Weitere zu treffen.“

Die Sicherheitskräfte riegelten die Champs-Elysées nach dem Angriff weiträumig ab, sperrten mehrere Metro-Stationen und riefen die Bevölkerung auf, den Bereich zu meiden. Über dem Boulevard kreiste ein Hubschrauber. Der Besitzer eines Restaurants nahe der Champs-Elysées sagte AFP, es sei ein kurzer, aber intensiver Schusswechsel zu hören gewesen. „Wir haben unsere Kunden im Keller versteckt.“

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte auf Twitter, Deutschland stehe „fest und entschlossen an der Seite Frankreichs“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ via Twitter mitteilen: „Mein Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Familien.“

Auch US-Präsident Donald Trump sprach den Franzosen sein Mitgefühl aus. „Es endet einfach nie“, sagte er in Washington zur anhaltenden Terrorgefahr.

Tausende Sicherheitskräfte im Einsatz

Der Anschlag geschah kurz vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich. Sie geht am Sonntag in die erste Runde. Foto: dpa

In Frankreich sind vor der Wahl tausende Polizisten und Soldaten im Einsatz. Seit den islamistischen Anschlägen im November 2015 gilt der Ausnahmezustand. Bei Anschlägen 2015 und 2016 wurden in Frankreich insgesamt 238 Menschen getötet.

Der Angriff auf den Champs-Elysées ereignete sich während einer Serie von Live-Interviews mit den elf Präsidentschaftskandidaten im Sender France 2. Die Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen, Emmanuel Macron und François Fillon sagten für Freitag geplante Wahlkampfveranstaltungen ab. Zahlreiche französische Politiker äußerten sich bestürzt und verurteilten die Tat.

Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt. In Marseille wurden zwei „radikalisierte“ Verdächtige festgenommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden unter anderem Sprengstoff, Schusswaffen sowie eine IS-Flagge gefunden. In den vergangenen Jahren hatte es in Frankreich immer wieder Angriffe auf Sicherheitskräfte gegeben. (dpa/afp)

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