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Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 3

Umwelt

Die Erfolgsgeschichte des Energielabels

Die Skala, die den Energieverbrauch angibt, existiert bereits seit 1994. Jetzt ist eine Reskalierung notwendig.
Von Daniela Weingärtner, MZ

Die Energieklassifizierung muss jetzt überarbeitet werden – weil es inzwischen zu viele energiesparende Geräte gibt. Foto: dpa

Brüssel.Die Sache ist so kompliziert, dass das Europäische Parlament sogar ein kleines Video dazu auf seine Webseite gestellt hat: Das bunte Label, das den Energieverbrauch von Elektrogeräten auf einer Skala von A bis G darstellt, wird überarbeitet. Das Label gibt es seit 1994. Seither haben sich die Standards so verbessert, dass die meisten Rasenmäher, Geschirrspüler und Kühlschränke irgendwo zwischen A plus und A mehrfach plus angesiedelt sind. Deshalb werden nun die Grenzwerte stark gesenkt, um das Farbspektrum zwischen A und G wieder voll auszuschöpfen.

Eine Neuordnung soll es nach Ansicht des Parlamentes immer dann geben, wenn mindestens 25 Prozent einer Produktgruppe als A oder 50 Prozent als A oder B gekennzeichnet werden. Gebrauchte Geräte, die wieder verkauft werden, müssen nicht gekennzeichnet werden. Der Rat hat seine Position schon Ende des vergangenen Jahres festgelegt. Die Mitgliedsstaaten verlangen eine Reskalierung immer dann, wenn 30 Prozent einer Produktgruppe die Kategorie A erreicht haben. Außerdem soll sich die Kennzeichnung auch auf gebrauchte Geräte erstrecken. Diese Differenzen müssen nun in Verhandlungen ausgeräumt werden.

Viel Lob im Europaparlament

Die meisten Abgeordneten lobten bei der Debatte im Europaparlament in Straßburg die Erfolgsgeschichte des Energielabels. Es ermögliche den Käufern, „eine aufgeklärte Kaufentscheidung zu treffen“, sagte die SPD-Abgeordnete Martina Werner. Dadurch sei der Druck auf die Hersteller gestiegen, ihre Standards ständig zu verbessern. „Eine gute Energieeffizienzklasse ist ein entscheidendes Kaufargument, und deshalb liegt es auch im Interesse der Industrie dies als Wettbewerbsvorteil zu nutzen.“ Auch Herbert Reul (CDU) sprach sich für die Reform aus. Er kritisierte allerdings, dass die Hersteller nun verpflichtet werden sollen, die entsprechenden Werte in einer Datenbank den Prüfbehörden zugänglich zu machen.

Ein solcher Prüfbericht habe den Umfang eines Aktenordners. „Ein normaler Hersteller hat 25 000 Produkte auf dem Markt, muss also eine Menge von 25 000 Aktenordner in Online-Datenbanken einpflegen. Das ist nicht besonders witzig“, sagte Reul. Die EU-Kommission gebe die Zusatzkosten mit 1,5 Mio Euro an, was völlig unrealistisch sei – die Mehrarbeit der Unternehmensverwaltungen sei dabei nicht berücksichtigt. Auch hätten die Marktüberwachungsbehörden überhaupt kein Interesse an den Daten bekundet.

Dem widersprach Handelskommissarin Cecilia Malmström. Es müsse lediglich Information hochgeladen werden, die schon jetzt von den Herstellern abgefragt werde. Die Kosten könnten sogar geringer sein als bislang, da die Verpflichtung entfalle, entsprechende Daten bis zu fünf Jahre nach Produktentwicklung aufzuheben. Die EU-Kommission habe mit derartigen Datenbanken bereits gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel im Kosmetiksektor. Nur die Marktüberwachungsbehörden hätten Zugang dazu, Betriebsgeheimnisse würden also nicht verletzt.

Massive Einsparungen

Nach Berechnungen der EU-Kommission könnten durch die Reform so viele Kilowattstunden gespart werden, dass der gesamte jährliche Energieverbrauch der drei baltischen Staaten damit zu decken wäre. Ob dieser Effekt aber allein durch ein Etikett mit strengeren Schwellenwerten erreicht werden kann, bleibt fraglich.

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