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Politik
Sonntag, 19. November 2017 3

Notstand

Die Ewige Stadt sitzt auf dem Trockenen

Rom leidet unter einer Jahrhundert-Dürre – die Verwaltung zeigt sich unfähig. Jetzt droht die Rationierung des Trinkwassers.
Von Julius Müller-Meiningen, MZ

Wenn die Behörden in den kommenden Tagen keine Lösung für den Wassermangel finden, sitzen die Römer bald auf dem Trockenen. Foto: dpa

Rom.Das neue Gold in Rom ist aus weißem Plastik, hat einen farbigen Drehverschluss und kostet normalerweise bis zu zehn Euro pro Stück. Inzwischen sind die Römer längst bereit, ein Vielfaches des üblichen Preises für Wasserkanister auszugeben. „Ich könnte Hunderte verkaufen“, sagt Giovanni Budoni, Verkäufer in einem Haushaltswarengeschäft im Stadtviertel Ostiense.

Das Problem ist: Wasserkanister sind ausverkauft und die Hersteller bereits in Ferienstimmung. Wer in der italienischen Hauptstadt noch Kanister vorrätig hat, der hat Gründe, sich zu fühlen wie der achte König von Rom.

Rauchwolken über Rom

  • Der Wassermangel

    ist bekanntlich nicht das einzige Problem der Ewigen Stadt.

  • Eine funktionierende

    Müllentsorgung ist nach Jahren immer noch nicht gewährleistet.

  • Begünstigt von der Dürre

    schwelen derzeit in und um die Stadt teilweise von Pyromanen gelegte Brände, die schwarze Rauchwolken produzieren und die Luft verpesten.

Die Stadt hat ein Wasserproblem. Es kündigte sich bereits im vergangenen Winter an, als besonders wenige Niederschläge in der Region Latium fielen. Der heiße Frühsommer und der regenlose Juli gaben der Wasserversorgung der Stadt den Rest. Jetzt macht ein Wort die Runde, das wirkt wie ein böser Geist: Rationierung.

Deshalb versuchen viele Römer in diesen Tagen, noch so viel Wasser wie möglich zu sammeln. Man sieht sie an öffentlichen Brunnen mit ihren Kanistern, oder im Supermarkt, beladen mit Mineralwasserflaschen. Sie wollen gewappnet sein für den Tag, an dem acht Stunden pro Tag die Hähne abgedreht werden. So haben es die städtischen Wasserwerke Anfang der Woche angedroht.

Dürre betrifft ganz Mittelitalien

Wenn die Behörden in den kommenden Tagen keine Lösung für den Wassermangel finden, sitzen die Römer bald auf dem Trockenen. Die Zeitungen berichten vom trockensten Sommer seit zwei Jahrhunderten. Die Dürre betrifft momentan ganz Mittelitalien.

Besonders in Mitleidenschaft gezogen ist der 30 Kilometer nördlich der Stadt gelegene Bracciano-See, dessen Pegel inzwischen 1,5 Meter unter dem normalen Wasserstand liegt, der aber besonders wichtig für die Trinkwasserzufuhr Roms ist. Entsprechende Meldungen ignorierte Bürgermeisterin Virginia Raggi offenbar seit Wochen.

In Rom macht ein Wort die Runde, das wirkt wie ein böser Geist: Rationierung. Foto: dpa

Aus Sorge vor einer Umweltkatastrophe verfügte die Region Latium vor Tagen den Stopp der Pumpen im See. Die städtischen Wasserwerke drohten in der Folge, den Bürgern im Acht-Stunden-Turnus das Wasser abzudrehen. Viele der 2,8 Millionen Römer müssten dann tatsächlich auf ihre Kanister zurückgreifen.

Dass die Lage ernst ist, merkt man schon beim Flanieren durch die heiße Stadt, in der kommende Woche wieder Temperaturen um 40 Grad Celsius erwartet werden. 200 der Tag und Nacht fließenden Straßenbrunnen wurden bereits abgeschaltet, sogar der Vatikan hat die Fontänen auf dem Petersplatz abgedreht.

Die Umweltreferentin der Stadt, Pinuccia Montanari, machte sich mit gut gemeinten Spartipps für die Bürger zum Gespött. Sie empfahl die Installation von Strahlreglern an den Wasserhähnen und Ökospülungen fürs Klo, um Wasser zu sparen. Die Römer sollten duschen statt baden und beim Zähneputzen den Hahn zudrehen.

Kritik an Wasserleitungen

Auf Montanaris Facebook-Seite sammelten sich bissige Kommentare wie dieser: „Wie wäre es damit, mal die Wasserleitungen zu reparieren?“ In Rom gehen 44 Prozent des Trinkwassers wegen maroder Leitungen verloren. Zum Vergleich: In Mailand sind es nur 16 Prozent.

„Nur weg aus Rom“ – so lautet die Devise vieler Bewohner in diesen Tagen. Rom leert sich im August traditionell. Der Wasserverbrauch sinkt, die Müllberge werden kleiner. Die Probleme verschwinden aus den Schlagzeilen. Manche nennen es: Problemlösung auf römische Art.

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