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Politik
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Parteien

Die FDP steht kurz vor dem Ziel

Die Liberalen regieren nach der Bundestagswahl möglicherweise mit, hüten sich aber vor zu viel Siegesgewissheit.
Von Ruppert Mayr, dpa

FDP-Chef Christian Lindner wehrt sich gegen den Vorwurf der One-Man-Show. Foto: dpa

Berlin.Manchmal scheint Christian Lindner ob der Siegesgewissheit seiner Partei selbst zu erschrecken. „Wir wollen das Ergebnis nicht vorwegnehmen“, scheint er die Euphorie vor dem Sonderparteitag am Sonntag in Berlin bremsen zu wollen. Denn die letzten Tage könnten durchaus noch Überraschungen bringen.

So dürfte es eher ein vergiftetes „Angebot“ sein, wenn der AfD-Kandidat Alexander Gauland sagt, am ehesten könne er sich eine Koalition mit der FDP vorstellen. Lindner kann diese Vereinnahmung im Rennen der Kleinen um Platz drei hinter Union und SPD nicht schmecken. Das könnte auf den letzten Metern Stimmen kosten.

Auffallen und anecken

Nachdem er sich vor einem Jahr noch über mangelnde Präsenz der FDP in den Medien beklagt hatte, ist der 38-Jährige inzwischen ein gefragter Mann. Das hat er sicherlich zum Teil mit seinen provozierenden Wahlplakaten erreicht: Christian Lindner hier und da und überall. Schon gereizt wirkt er auf den Vorwurf der One-Man-Show. Wer in der außerparlamentarischen Opposition Aufmerksamkeit wolle, müsse auffallen, auch anecken. Die Plakate haben den Liberalen denn auch viel Anerkennung gerade bei jungen Wählern gebracht, aber auch Spott: „Alle elf Minuten verliebt sich ein Liberaler in sich selbst.“

Doch viel interessanter macht die FDP ihr Stand in den Umfragen – auch bei denen, die sie vor vier Jahren schon abgeschrieben hatten. Für die Liberalen ergeben sich damit Regierungsoptionen. Entscheidend ist, wer von den kleinen Parteien – FDP, Grüne, Linke oder AfD – bei der Bundestagswahl am besten abschneidet, sagt FDP-Vize Wolfgang Kubicki.

Schwarz-Gelb und „Jamaika“ möglich

Die FDP liegt relativ konstant bei um die neun Prozent. Je nachdem, ob es der Union gelingt, nicht allzuweit unter der 40-Prozent-Marke zu landen, kommt eine Neuauflage von Schwarz-Gelb in Frage. Allerdings gibt es auf beiden Seiten noch Vorbehalte, heißt es. Tief sitzen die zum Teil persönlichen Verletzungen aus der gemeinsamen Regierungszeit 2009 bis 2013.

Lindner betont immer wieder: „Wir werden die Fehler von 2009 nicht wiederholen.“ Letztlich geht es darum, ob sich die FDP wirklich neu aufgestellt hat, wie Lindner nicht müde wird zu betonen, oder ob noch immer noch viel Missgunst in der Partei vorhanden ist wie damals, heißt es in der CDU.

Klappt es nicht mit Schwarz-Gelb, wäre eine weitere Option Jamaika. Doch unvergessen ist bei den Liberalen das „Triumphgeheul“ der damaligen Grünen-Führungsriege, als die FDP aus dem Bundestag flog. Viele Grüne hofften, die FDP endlich ganz abschreiben zu können.

Kubicki, der in Schleswig-Holstein erste Erfahrungen mit einem Bündnis aus Union, Grünen und FDP gemacht hat, sagt, im Bund werde dies wesentlich schwieriger. In Kiel habe es zuvor schon eine Arbeitsebene in der Opposition gegeben, im Bund fehle die. Und wenn die FDP mehr Stimmen als die Grünen holt, stünden der Öko-Partei massive Auseinandersetzungen zwischen Realos und Linken ins Haus.

Wenn sich eine Regierungsoption auftun würde, müsste die FDP springen. Ihre Klientel vor allem aus der Wirtschaft würde es nicht verstehen, wenn sie die Gelegenheit nicht ergreifen würde. Lindner und Co. müssten liefern.

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