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Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 4

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Undifferenziert auf digitale Medien im Unterricht zu setzen ist falsch. Sie müssen didaktisch sinnvoll eingesetzt werden.
Von Prof. Dr. Ralf Lankau, Sprecher des Bündnis für Humane Bildung, Grafiker, Philologe und Kunstpädagoge

Professor Dr. Ralf Lankau, Sprecher des Bündnis für humane Bildung, Grafiker, Philologe und Kunstpädagoge

Regensburg.Digital-Agenda, Digitalgipfel, Digitalpakte. Deutschland ist im Digitalfieber: Die Kultus- und Schulminister, zuständig für Bildungseinrichtungen, wollen da nicht hinten anstehen. So fordern sie im „Digitalpakt Schule“, dass alle Schulen und Lehrkräfte – unabhängig vom Alter der Schülerinnen und Schüler, unabhängig von der Schulform und unabhängig von den konkreten Fachinhalten – digitale Geräte und Techniken einsetzen sollen. Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Derart undifferenziert ist Medientechnik weder fachlich noch pädagogisch zu begründen.

Das Bündnis für humane Bildung setzt sich stattdessen für einen altersangemessenen und differenzierten Einsatz von analogen und digitalen Lehr- und Lernmedien im Unterricht ein. Nicht das technische Format von Medien ist entscheidend, sondern die sinnvolle Einbindung in das konkrete Unterrichtsgeschehen. Auf Basis wissenschaftlicher Studien aus der Kognitionsforschung, der Entwicklungspsychologie und Pädagogik wird man den Medieneinsatz daher nach Schulform, Lebensalter und Fach differenzieren.

Kindertagesstätten und Grundschulen beispielsweise bleiben in der pädagogischen Arbeit digitalfrei. Im Mittelpunkt stehen klassische Kultur- und manuelle Gestaltungstechniken. Kinder müssen sich erst in der realen Welt sicher zurecht finden, bevor sie virtuelle Welten erkunden. Was bereits in der Grundschule thematisiert werden muss, sind Mediennutzungsverhalten und konkrete Inhalte. Es ist wie mit dem Fernsehen. Man spricht mit Kindern über Gesehenes, damit sie es verarbeiten können.

Richtig ist: Digitaltechnik ist ein Teil unserer Lebenswirklichkeit. Digitale Geräte sind flächendeckend vorhanden, die Medienbedienkompetenz ist vorhanden. Was fehlt, ist Medienmündigkeit. Mit Aufgaben und Übungen wie bei „Computer Sciences Unplugged“ (csunplugged.org; deutsch: einstieg-informatik.de) ab der fünften oder sechsten Klasse kann man Kindern ein fundiertes Verständnis für die Funktionsweise und Logik der Informationstechnik vermitteln, ohne Rechner und Software. Gelernt werden Grundlagen, Fragestellungen und Methoden der Informatik – als Denk-Werkzeug.

Darauf kann echter Informatikunterricht ab der sechsten oder siebten Klasse oder aufbauen, mit kostengünstigen, programmierbaren Kleinrechnern wie Arduino oder Raspberry Pi. Mit diesen Rechnern kann man programmieren lernen und ins Netz gehen. Ein Klassensatz dieser scheckkartengroßen Rechner kostet etwa 1000 Euro. Für Schulen gibt es gut dokumentierte und geeignete Projekte. Nur für den Consumermodus (wischen und tippen) sind sie nicht geeignet. Wer das Werkzeug Computer begriffen hat, kann damit sogar eigene Medienprojekte umsetzen.

Immer sollte es aber darum gehen, den Rechner als Werkzeug zu betrachten. Das muss Schule vermitteln: das Verstehen von Strukturen und Prinzipien. Dann können junge Menschen ihre Zukunft gestalten, in einer digital geprägten Welt.

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