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Politik
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Gesellschaft

Die Umbettung von Urnen erleichtern

Die veralteten Bestattungsgesetze sollten endlich an den Wandel zur mobilen Gesellschaft angepasst werden.
Von Alexander Helbach

Alexander Helbach ist Pressesprecher von Aeternitas e.V., Verbraucherinitiative für Bestattungskultur.

Berlin.Wohnortwechsel, insbesondere aus beruflichen, aber auch gesundheitlichen Gründen sind üblich. Nicht mit umziehen dürfen die Verstorbenen. Umbettungen – auch von Urnen – werden meist untersagt. Die bestehenden Vorschriften werden einer mobilen Gesellschaft nicht gerecht. Die Zeiten, in denen verschiedene Generationen einer Familie am gleichen Ort lebten, sind vorbei. Mobilität prägt unsere Gesellschaft – in der Ausbildung und im Beruf. Aber auch im Alter ziehen viele Menschen noch einmal um. Damit fehlen die Menschen vor Ort, die sich um die Gräber verstorbener Angehöriger kümmern können. Gleichzeitig sind Besuche am Grab damit häufig erschwert bzw. unmöglich.

In solchen Fällen wünschen sich viele Betroffene eine Verlagerung der sterblichen Überreste in ein Grab am neuen Wohnort. Dies gilt insbesondere für Urnen, was praktisch meist leicht möglich wäre. Doch die herrschende Auslegung des Rechts steht dem im Weg. Hiernach ist eine Umbettung nur aus einem, wie es eher diffus formuliert wird, „wichtigen Grund“ erlaubt. Was in der Praxis als wichtiger Grund einzustufen ist, legen Friedhofsverwaltungen und – bei Klagen – Gerichte meist sehr eng aus.

Dass Betroffene so die Gräber ihrer Verwandten kaum oder nur noch selten besuchen, geschweige denn pflegen können, wird hingenommen. Im Vordergrund steht die Wahrung der „postmortalen Würde“. Sterbliche Überreste sollten demnach möglichst nicht mehr bewegt werden.

Angesichts der veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten besteht Reformbedarf. Schon vor einigen Jahren sprachen sich in einer Umfrage rund zwei Drittel der Bürger dafür aus, eine Umbettung von Urnen auf Wunsch der nächsten Angehörigen zuzulassen. Es liegt nicht nur im Interesse der Angehörigen, sondern ebenso der Verstorbenen, dass auch nach einem Umzug Grabbesuche und Grabpflege ermöglicht werden. Bleibt die Urne hingegen am alten Wohnort, ist die Grabstätte verwaist. Die Bestattungsgesetze an den Wandel zur mobilen Gesellschaft angepasst werden. Nur so könnten sie den Veränderungen der Lebenswelt und des Totengedenkens gerecht werden. Die Gesetzgeber – zuständig sind beim Bestattungsrecht die Bundesländer – sollten für Urnen die Umbettung erleichtern.

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