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Politik
Mittwoch, 22. November 2017 7

Militär

Ein Manöver unter dunklen Vorzeichen

Südkorea und die Streitkräfte der USA rücken ab Montag zur gemeinsamen Übung aus. Das könnte heftige Reaktionen auslösen.
Von Dirk Godder, dpa

Südkoreanische und amerikanische Panzer halten eine gemeinsame Militärübung ab. Foto: AP

Seoul.Nach ihrem Krieg der Worte hatten US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zuletzt verbal abgerüstet. Doch wie lange die Menschen in der Region durchatmen können, ist offen. Klarheit könnten schon die nächsten Tage bringen. Denn die Streitkräfte von USA und Südkorea halten von Montag bis Ende August ihr Manöver „Ulchi Freedom Guardian“ (UFG/Ulchi-Freiheitswächter) ab.

In beiden Ländern besteht die Sorge, der Dauerkonflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm könnte sich durch das Manöver verschärfen und Kim zum Befehl für weitere Raketentests veranlassen, die wiederum eine heftige Reaktion aufseiten der Amerikaner auslösen könnten.

Bekommt Guam die Raketen Nordkoreas zu spüren?

Insbesondere in den USA ist man besorgt, ihre Pazifikinsel Guam, auf der Washington einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt unterhält, könnte die Bedrohung durch Nordkoreas Raketen spüren. Die kommunistische Regierung in Pjöngjang unterstellt den USA regelmäßig, durch ihre Manöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten. Das hat Befürchtungen erhöht, das UFG-Manöver könnte eine neue Krise auslösen.

Die USA und Südkorea betonen routinemäßig, das UFG-Manöver habe defensiven Charakter. Im Zentrum von UFG stehen computergestützte Simulationen eines Krieges auf der koreanischen Halbinsel. Mit UFG wollen beide Alliierten nach eigenen Angaben ihre „Bereitschaft“ stärken.

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Das Pentagon kündigte an, an UFG würden 2017 neben bis zu 50 000 südkoreanischen Soldaten 17 500 US-Soldaten teilnehmen, einige tausend weniger als 2016. Das löste in Südkorea Spekulationen aus, die USA und Nordkorea könnten geheim verhandelt haben. Trump hatte Kim zuletzt auf Twitter gelobt: „Er hat eine sehr weise und gut durchdachte Entscheidung getroffen.“ Der Hintergrund: Kim hatte Pläne, vier Raketen mit längerer Reichweite in Richtung Guam abfeuern zu lassen, erst einmal zurückgestellt. Doch die Drohung bleibt im Raum. Er wolle zunächst Washingtons Verhalten „ein bisschen mehr“ beobachten und dann eine wichtige Entscheidung treffen, wurde Kim in Staatsmedien zitiert.

Nordkorea droht in Kommentaren

Die Worte wurden in Südkorea sofort auf das UFG-Manöver bezogen. Schon die ersten Kommentare der nordkoreanischen Medien zum Manöver lassen nichts Gutes ahnen: Das Manöver werde „die Lage auf der korenaischen Halbinsel in eine Katastrophe führen“, hieß es am Donnerstag.

Washington befürchtet, Nordkoreas Raketentechnik könnte weiter fortgeschritten sein als angenommen und eines Tages einen Atomsprengkopf bis auf US-Gebiet transportieren.

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