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Politik
Dienstag, 17. Oktober 2017 20° 12

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Ein Syrer schreibt über Köln

Die deutsche Politik muss Antworten auf die Taten von Köln finden und die kriminellen Flüchtlinge konsequent bestrafen.
vonBasheer Alzalaan

Basheer Alzalaan ist ehemaliger Englischlehrer aus Syrien und jetzt Bundesfreiwilliger bei der Hilfsorganisation CARE.

Vor ziemlich genau einem Jahr bin ich an Silvester nach Deutschland gekommen. Ich bin aus Syrien geflohen und wohne jetzt in der Nähe von Köln. Es ist mir ein großes Anliegen, mich zu den Vorfällen in Köln zu äußern. Es ist mir besonders wichtig, meine Solidarität mit den Frauen auszusprechen, die am Silvesterabend Opfer dieser Gräueltaten geworden sind. Ich bin sprachlos und wütend. Gleichzeitig mache ich mir auch Sorgen, was dieses widerwärtige Verbrechen für andere Flüchtlinge wie meine Familie und mich bedeuten wird.

Es macht mich traurig und beschämt zu hören, dass einige der Verbrecher Asylbewerber sind. Wie können sie sich so verhalten? Sie sind doch selbst vor Krieg und Gewalt geflohen! Meine deutschen Freunde sagen mir, dass es keine „Kollektivschuld“ geben darf. Statistiken zeigen, dass die Straffälligkeit von Flüchtlingen genauso hoch ist wie bei Deutschen. Aber ich denke an all die ehrenamtlichen Helfer, die mich seit meiner Flucht nach Deutschland unterstützt haben; an die Hilfe, die ich vom deutschen Staat erhalte, an den Rückhalt, den ich erfahre. Wir sagen im Arabischen, dass man die Hand, die einen füttert, nicht beißen darf. Genau dagegen haben die Täter von Köln verstoßen.

Aus der Herkunft von Menschen können und dürfen dennoch keine Rückschlüsse über Gesetzestreue gezogen werden. Es wird gerade in den Nachrichten viel diskutiert darüber, dass man Asylbewerber stärker bestrafen sollte. Ich bin dafür, dass man sie genauso wie alle anderen zur Rechenschaft zieht. Wer kriminell ist, muss auch so behandelt werden, egal, wo er her kommt.

Eine konsequente Bestrafung ist zum Schutz vieler Flüchtlinge, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen, wichtig. Zum einen, weil diejenigen, gegen die sich Gewalt richtet, vor allem andere Asylbewerber sind. Zum anderen, weil kriminelle Flüchtlinge all denjenigen besonders mit ihrem Handeln schaden, die auch als „Flüchtlinge“ zählen, weil die Stimmung sich ändert, und ja, weil pauschalisiert wird. Wie alle Menschen sind wir „Flüchtlinge“ natürlich auch eine heterogene Gruppe. Wie überall gibt es auch unter uns Kriminelle.

Aber ich bin hier, um mich zu integrieren, um ein Teil dieser Gesellschaft zu werden, in der Freiheit, Gleichberechtigung und Frieden hochgehalten werden. Deshalb bin ich seit Kurzem Bundesfreiwilliger bei der Hilfsorganisation CARE beim sogenannten „KIWI“-Projekt. KIWI steht für Kultur, Integration, Werte und Initiative. Wir helfen Lehrern beim Umgang mit neu angekommenen Schülern, die Fluchterfahrung haben, wollen zentrale Grundwerte der deutschen Gesellschaft vermitteln und negative Geschlechterrollen und Diskriminierung bekämpfen.

Ich hoffe, dass die Verbrecher gefasst und stark bestraft werden, und dass die deutsche Politik Antworten auf solche Taten findet – ganz unabhängig davon, ob die Täter und Opfer Migranten, Flüchtlinge oder Deutsche sind. Gleichzeitig wünsche ich mir inständig, dass die „Willkommenskultur“, das multikulturelle Köln und Deutschland, das ich kennengelernt habe, sich dadurch nicht negativ verändern. Sonst, so kommt es mir vor, lassen sie die Täter von Köln gleich noch ein weiteres Verbrechen begehen.

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