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Politik
Montag, 25. September 2017 19° 3

Soziales

Ein ungutes Gefühl bleibt

Ein klares Ja zur Ausweitung des Unterhaltsvorschusses, trotz Problemen, Härten, Ungerechtigkeiten und Missbrauch.

Josef Linsler ist Bundespressesprecher und Ehrenvorsitzender des Interessenverbandes Unterhalt und Familienrecht (ISUV).

Regensburg.Ja, es ist richtig und wichtig, dass der Staat berufstätige Elternteile mit Kindern – in nahezu 90 Prozent der Familien sind dies Mütter – unterstützt, wenn der Verdienst nicht ausreicht und der Unterhalt für Kinder ausbleibt. Kinder sind in Deutschland generell neben Arbeitslosigkeit das größte Armutsrisiko. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein Elternteil aufgrund von Trennung und Scheidung wegfällt und kein Unterhalt fürs Kind gezahlt wird – gezahlt werden kann.

Ja, es ist richtig und wichtig, dass der Staat dann in die Bresche springt, Kinder sowie den tatsächlich allein erziehenden Elternteil unterstützt durch Unterhaltsvorschuss. Diese Alimentierung des Staates ist an zwei Bedingungen geknüpft: Das Kind lebt beim tatsächlich alleinerziehenden Elternteil, der andere Elternteil zahlt keinen Barunterhalt.

Ja, es ist richtig und wichtig, dass der Unterhaltsvorschuss jetzt ausgeweitet wird. Bisher gab es nur sechs Jahre Unterhaltszuschuss vom Staat, beziehungsweise nur bis zum zwölften Lebensjahr. Jeder weiß, dass die Kosten für Kinder nicht nach sechs Jahren aufhören und nach dem zwölften Lebensjahr erst so richtig beginnen.

Es ist auch richtig und wichtig, die Leistung an die Berufstätigkeit des alleinerziehenden Elternteils zu binden. Schließlich kann der Staat keine allgemeine Alimentierung von Kindern leisten. Man mag das kritisch sehen, der Schlüssel zur Vermeidung von Kinderarmut ist die konstante Berufstätigkeit beider Elternteile, insbesondere nach Trennung und Scheidung.

So groß der allgemeine Jubel über die Ausweitung von Unterhaltsvorschuss ist, den sich jetzt alle Politiker gerne als Verdienst zuschreiben, es gibt auch eine „andere Seite“ – Probleme, Härten, Ungerechtigkeiten, Missbrauch, Kampagnen, die mit Unterhaltsvorschuss in Zusammenhang stehen. Die political und mediale Correctness verbietet es, darüber zu sprechen. Es gilt die Maxime: Über die Alleinerziehenden nur Gutes.

„Alleinerziehend“, das ist quasi ein Status, der nicht weiter hinterfragt wird, nicht weiter „hinterfragt werden darf“. Tatsache ist, Alleinerziehende sind eine in sich sehr unterschiedliche Gruppe. Da sind einmal die tatsächlich alleinerziehenden Mütter, die nie Unterhalt oder nur ab und zu Kindesunterhalt bekommen haben – und auch aller Voraussicht nach niemals bekommen werden.

Oft und immer öfter ist der Status des „Getrennterziehens“ anzutreffen. Beide Elternteile beteiligen sich an der Betreuung, beide Elternteile erbringen auch Sachleistungen. Allerdings werden diese Leistungen „der Väter“ nicht berücksichtigt. Im Extremfall erbringt ein Vater mehr als 30 Prozent der Betreuung, die Mutter erhält aber Unterhaltsvorschuss in voller Höhe. Nachweisbare Betreuungs- und Sachleistungen des anderen Elternteils sollten bei der Rückzahlung des staatlichen Vorschusses entsprechend berücksichtigt werden.

Man muss schon auch zur Kenntnis nehmen: So richtig und berechtigt Unterhaltsvorschuss ist, es bleibt ein ungutes Gefühl und es ist auch nicht gerecht, wenn ein Elternteil in wohlfahrtsstaatlicher Manier Geld auf Kosten des anderen abrufen kann, unabhängig davon, ob er den Umgang verweigert oder mit einem anderen Partner zusammenlebt, den er aber nicht angibt.

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