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Arzneimittel

Ernsthafter Streit um „sanfte Medizin“

Immer wieder steht die Homöopathie in der Kritik. Jetzt gibt es Forderungen, die Apothekenpflicht abzuschaffen.
Von Stefan Vetter, MZ

Homöopathische Mittel gibt es viele. Ihre Wirksamkeit ist aber umstritten. Foto: dpa

Berlin.Der Chef der Barmer-Krankenkasse, Christoph Straub, hat alternative Behandlungen wie Homöopathie verteidigt. „Wir leben in einer pluralen Gesellschaft, die diese Behandlungsform wünscht“, sagte Straub jetzt in einem Interview. Die entsprechenden Mittel werden ausschließlich in Apotheken angeboten und inzwischen von den meisten gesetzlichen Kassen bezahlt. Beides ist umstritten.

Beliebt sind sie allemal: Experten gehen davon aus, dass 60 Prozent der Bundesbürger auf homöopathische Mittel in Form von Kügelchen (Globuli), Kapseln oder Tropfen zurückgreifen. Während Nutzer auf die auch als „sanfte Medizin“ bekannten Therapien schwören, halten Kritiker sie für Scheinmedikamente mit zweifelhaftem Nutzen. Die CDU-Verbraucherschutzexpertin Mechthild Heil forderte deshalb kürzlich, die Apothekenpflicht für solche Mittel abzuschaffen.

Nachweis für Wirksamkeit fehlt

Für die meisten dieser Präparate liege kein Nachweis der Wirksamkeit vor, argumentierte Heil. Gleichwohl erwecke der ausschließliche Verkauf in Apotheken den Anschein, es würde sich um wissenschaftlich anerkannte Alternativen zur Schulmedizin handeln, führte Heil weiter aus. Anders klingt es bei der Opposition: „Homöopathika sind ganz klar Arzneimittel, und darum sollten sie nur in Apotheken vertrieben werden, auch wenn es genügend Hinweise auf fehlende Wirksamkeit gibt“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Vogler, unserem Medienhaus. Patienten müssten die Möglichkeit haben, sich auch eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung einzuholen. Da seien die Apotheker gefordert, sagte Vogler.

Ähnlich sieht man das auch bei den Grünen. Und der Zentralverein homöopathischer Ärzte warnte sogar: „Eine Aufhebung der Apothekenpflicht würde den Verbraucherschutz nicht stärken, sondern deutlich schwächen“.

90 Prozent der Kassen zahlen

Ein weiterer Stein des Anstoßes ist die Tatsache, dass mittlerweile fast 90 Prozent der insgesamt 113 gesetzlichen Krankenkassen Alternativtherapien bezahlen. Im Interesse des Wettbewerbs hatte der Gesetzgeber den Kassen die Möglichkeit eingeräumt, ihre freiwilligen Leistungen auszubauen. In der Praxis sind das neben der Homöopathie zum Beispiel auch bestimmte zahnärztliche Leistungen oder die Versorgung mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten. Laut Bundesregierung verausgabten die Kassen dafür im vergangenen Jahr insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Fast doppelt so viel wie 2012.

Alternative Behandlungen

  • Homöopathie wird

    in der Regel als Pseudowissenschaft gesehen. Das Grundprinzip ist, dass Kranken solche Stoffe in hochverdünnter Form verabreicht werden, die in unverdünnter Form bei Gesunden ähnliche Symptome erwecken würden, wie sie der Kranke durchleidet (Ähnliches mit Ähnlichen heilen).

  • Einer solchen Therapie

    , wenn sie denn hilft, wird im allgemeinen ein Placebo-Effekt unterstellt.

  • Ein Placebo

    ist quasi ein Scheinmedikament, das keine wirksamen Inhaltsstoffe enthält, aber beim behandelten Patienten diesen Eindruck erweckt.

  • Der Streit um die Wirksamkeit

    dauert schon mehr als 200 Jahre. Damals entwickelte der deutsche Arzt Samuel Hahnemann die Homöopathie.

  • Die Nachfrage

    nach solchen sanften alternativen Behandlungen nimmt zu, obwohl der wissenschaftliche Nachweis fehlt. (dpa)

Nach Angaben von Barmer-Chef Straub macht der Anteil für Homöopathie aktuell aber nur 0,01 Prozent der gesamten Leistungsausgaben der Kassen aus. Das sind rund 22 Millionen Euro. Für die Linken-Politikerin Vogler ist auch das schon zu viel: „Alles was keinen Nutzen für die Patientinnen und Patienten aufweisen kann, darf nicht über Gelder der Versichertengemeinschaft finanziert werden.“ Dagegen gab Straub zu bedenken, dass es in der Medizin immer wieder Phänomene wie den Placebo-Effekt gebe, „die sich nicht mit einem eindeutigen naturwissenschaftlichen Nutzennachweis klären lassen“.

Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem sieht in diesem Zusammenhang sogar einen möglichen Spareffekt für die Kassen. „Es gibt Homöopathie, die zusätzlich zur normalen Schulmedizin genommen wird. Aber es gibt auch Homöopathie, die statt Schulmedizin genommen wird“, sagte Wasem. Das gelte zum Beispiel bei Antibiotika, führte Wasem aus. Konkrete Untersuchungen darüber gibt es bislang allerdings nicht.

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  • DH
    Dirk Hildebrandt
    12.08.2017 07:53

    Die Frage ist doch eher: Mit wem geht die Pharma-Lobby zum Essen

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