mz_logo

Politik
Samstag, 18. November 2017 5

Terrorismus

Europa: Weiter mit IS-Anschlägen rechnen

Der IS steht im Irak und in Syrien unter Druck. Doch die Miliz habe laut Experten eine hohe ideologische Attraktivität.

Beim islamistischen Terroranschlag am Breitscheidplatz in Berlin waren im Dezember 2016 zwölf Menschen gestorben. Foto: Bernd von Jutrczenka/Archiv

Berlin.Europa muss nach Ansicht des Terrorexperten Guido Steinberg weiterhin mit großen IS-Attentaten rechnen.

Zwar habe die Qualität der Anschlagspläne nachgelassen, weil die Extremisten in ihrem Kerngebiet in Syrien und im Irak unter Druck geraten seien, sagte der Mitarbeiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) der Deutschen Presse-Agentur. Spanien zeige aber, dass der IS nicht so schwach sei wie von einigen zuletzt behauptet. „Wir sollten nicht glauben, dass wir es nur noch mit den Messerattacken von scheinbaren Einzeltätern zu tun haben“, erklärte Steinberg.

„Es sind zu viele. Es gibt sehr viel mehr IS-Terroristen, als es Al-Kaida-Anhänger gab.“

Guido Steinberg, Terrorexperte

Der SWP-Fachmann rechnet damit, dass die Terrorgefahr mindestens fünf bis zehn Jahre erhalten bleiben wird. Im Moment gehe es vor allem darum, größere Anschläge wie in Paris zu verhindern. Der IS habe eine hohe „ideologische Attraktivität“ und vor allem viele junge Leute in seinen Bann gezogen, erklärte der Terrorexperte. „All die wird man in den nächsten Jahren nicht zurückgewinnen können“, sagte Steinberg. „All die wird man auch nicht kontrollieren können. Es sind zu viele. Es gibt sehr viel mehr IS-Terroristen, als es Al-Kaida-Anhänger gab.“

Dennoch sei die Fähigkeit des IS zur Planung von Anschlägen schon geschmälert worden. Die zentrale Planung aus der nordsyrischen IS-Hochburg Al-Rakka sei nicht mehr möglich und zudem wichtiges Personal getötet worden. Je mehr der Druck zunehme, desto schwieriger werde für die Extremisten die Planung von Attentaten.

Die Terrormiliz hat vorgesorgt

Allerdings habe die Terrormiliz für diesen Moment vorgesorgt und die Angriffe schon seit Ende 2013 geplant, sagte Steinberg: „Wir müssen befürchten, dass die alten Planungen mit einem Erfolg zu Ende gebracht werden, ohne dass der IS noch aus Al-Rakka die Fäden ziehen kann.“

Der IS hat in Syrien und im Irak in den vergangenen Monaten große Gebiete verloren, darunter seine Hochburg Mossul. Ein von Kurden angeführtes Bündnis hat bei einer Offensive im Norden Syriens rund die Hälfte der IS-Bastion Al-Rakka eingenommen. Ein US-Luftangriff in Syrien hatte im vergangenen Jahr zudem IS-Propagandachef Mohammed al-Adnani getötet. Er war auch für die Anschlagsplanung zuständig.

Der IS reklamierte auch den Anschlag vom vergangenen Freitag mit 14 Toten in Barcelona und Cambrils für sich.

Weitere Politiknachrichten lesen Sie hier!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht