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Politik
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Kirche

Frostiges Fest für Papst Franziskus

Nach der deutlichen Kritik des Pontifex an der römischen Kurie ist die Stimmung im Vatikan an den Weihnachtstagen unterkühlt.
Von Julius Müller-Meiningen

Papst Franziskus prangerte Kollegen an, die „Vertrauen missbrauchen oder die Mütterlichkeit der Kirche ausnutzen“. Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Rom.Der Haussegen hängt schief im Vatikan, so viel steht kurz vor Weihnachten fest. Grund ist die neuerliche Gardinenpredigt, die Papst Franziskus den Kardinälen, Bischöfen und Prälaten der römischen Kurie drei Tage vor dem hohen Fest im Apostolischen Palast gehalten hat. Ganz einig sind sich die Betroffenen gleichwohl nicht bei der Interpretation, an wen sich der Papst exakt wendete, als er von „Verschwörungen“, „kleinen Zirkeln“, „Ambitionen und Eitelkeiten“ sprach und Teile des Kurienlebens als „Krebsgeschwür“ brandmarkte. Beobachter stellten fest, dass der anschließende Handschlag des Papstes mit dem im Juli als Präfekt der Glaubenskongregation entlassenen deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der prächtigen Sala Clementina besonders unterkühlt ausfiel. Der ehemalige Bischof von Regensburg hatte nach seiner Entfernung aus dem Amt kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um den Regierungsstil von Franziskus zu kritisieren.

Hinweis auf Finanz-Miseren

Andere hingegen waren sich sicher, Franziskus habe auf die Miseren im vatikanischen Finanzsektor angespielt. Dort war im Juni der Rechnungsprüfer Libero Milone, der eine Schlüsselposition bei den Finanzreformen im Vatikan innehatte, unter mysteriösen Umständen aus dem Amt geschieden. Es folgten schwere gegenseitige Vorwürfe. Papst Franziskus schaltete sich nun unerwartet deutlich in den vatikanischen Kleinkrieg ein, als er Kollegen anprangerte, die „Vertrauen missbrauchen oder die Mütterlichkeit der Kirche ausnutzen“, sich „von Ambitionen oder Eitelkeiten korrumpieren lassen und sich selbst, wenn sie sanft entfernt werden, fälschlicherweise zu Märtyrern des Systems erklären, des nicht ,informierten Papstes‘, der ,alten Garde‘ ... anstatt ihr ,Mea Culpa‘ zu sprechen“. In der italienischen Version der Ansprache war von „Verrätern“ die Rede.

Von Reformidee verabschiedet

Kurz vor Weihnachten klang es jedenfalls so, als habe sich der Papst, der im März fünf Jahre im Amt sein wird, offiziell von seiner Idee einer Rosskur für die Kurie verabschiedet. „In Rom Reformen durchzuführen, heißt gleichsam die Sphinx von Ägypten mit einer Zahnbürste zu putzen“, zitierte Franziskus in seiner Ansprache an die Kurie einen französischen Erzbischof.

Die Weihnachtstage könnte der Papst für ein wenig Erholung nutzen, obwohl das Programm intensiv ist. Jorge Bergoglio geht normalerweise früh zu Bett im Vatikan-Gästehaus Santa Marta. An Heiligabend hält er jedoch ab 21.30 Uhr die Christmette im Petersdom. Als Erzbischof von Buenos Aires lud Bergoglio zu diesem Anlass gerne Freunde aus der jüdischen Gemeinde ein, mit denen er anschließend speiste. Wie das Menü in Santa Marta ausfällt, ist nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass der Süßspeisenliebhaber Franziskus zum Nachtisch Panettone und Nougatschokolade, den Torrone, schnabulieren wird. Beides hat in Argentinien wie in Italien Tradition. Am Weihnachtstag wird er von der Mittelloggia des Petersdoms den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ spenden.

Gut möglich ist, dass der soeben 81Jahre alt gewordene Papst Franziskus wie in vorangegangenen Jahren seinem Vorgänger Benedikt XVI. persönlich seine Weihnachtswünsche überbringen wird. Der 90 Jahre alte Benedikt baut körperlich ab, ist nach Angaben von Vertrauten aber geistig weiterhin sehr wach. Am Silvester-Nachmittag leitet Franziskus ein Dankgebet für das vergangene Jahr, am Vormittag des 1. Januar, dem katholischen Welttag für den Frieden, feiert der Papst eine Messe im Petersdom. Die Weihnachtszeit endet für Franziskus mit dem Dreikönigsfest am 6. Januar, das mit einer Messe im Petersdom gefeiert wird.

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Reaktion aus dem Bistum Regensburg

  • Der Generalvikar des Bistums Regensburg,

    Michael Fuchs, reagierte nach der Kritik von Papst Franziskus an der römischen Kurie mit einem ironischen Beitrag auf Twitter. Er griff den Papst in seinen Aussagen an – allerdings indirekt.

  • Michael Fuchs twitterte

    ein Bild mit der Überschrift der Mittelbayerischen von der gestrigen Titelseite: „Franziskus zerpflückt die Kurie“. Dazu schreibt der Generalvikar: „... und damit sich selbst.“ Er fügte den Hashtag #Mitarbeitermotivation hinzu.

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