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Politik
Sonntag, 24. September 2017 20° 4

Terror

IS bekennt sich zu London-Attentat

Der Anschlag in der britischen Hauptstadt erschüttert das Land kurz vor der Wahl. Auch Deutsche sind unter den Verletzten.

London gedenkt der Opfer. Viele Verletzte sind noch in den Krankenhäusern. Foto: dpa

London.Nach dem Terroranschlag von London hat die Polizei nach eigenen Angaben die drei Attentäter identifiziert. Die Namen würden veröffentlicht, „sobald es die Ermittlungen erlauben“, teilte die Londoner Polizei am Montagmorgen mit. Jetzt gehe es darum, herauszufinden, ob die Männer weitere Helfer bei der Planung des Anschlags gehabt hätten, sagte Polizeichefin Cressida Dick. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte das Attentat unterdessen für sich. Das IS-Propagandasprachrohr Amaq erklärte, Kämpfer der Dschihadistenmiliz hätten das Attentat verübt.

Die Menschen sind fassungslos. Foto: dpa

Die Terroristen hatten am Samstagabend auf der London Bridge und am nahen Borough Market mindestens sieben Menschen getötet. 36 Verletzte werden weiter in Krankenhäusern behandelt, wie die Gesundheitsbehörden am Sonntag mitteilten. 21 von ihnen schwebten demnach in Lebensgefahr. Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wurden auch zwei Deutsche verletzt, einer von ihnen schwer.

Die drei Attentäter waren am Samstagabend auf der London Bridge im Herzen der britischen Hauptstadt mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast, anschließend stachen sie in einem nahe gelegenen Ausgehviertel wahllos auf Menschen ein.

Im Video bekommen Sie Eindrücke von den Szenen, die sich in London abgespielt haben:

Terror in London

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian will am Montag nach London reisen, um dort Angehörige der französischen Opfer des Anschlags zu treffen, wie aus seinem Umfeld verlautete. Unter den sieben Todesopfern ist auch ein Franzose, ein weiterer wird noch vermisst. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau erklärte in Ottawa, es gebe auch ein kanadisches Todesopfer.

Die Polizei brachte Passanten in Sicherheit. Foto: dpa

Augenzeugen berichteten, die Angreifer hätten „Das ist für Allah“ gerufen. Acht Minuten nach dem ersten Notruf erschossen Polizisten die drei Männer, die Sprengstoffattrappen trugen. Acht Polizeibeamte hätten die „beispiellose“ Zahl von 50 Schüssen auf die drei Angreifer abgegeben, teilte Mark Rowley von der Londoner Polizei mit. Dabei habe auch ein Unbeteiligter eine Schusswunde erlitten. Angaben zur Identität der Angreifer und ihrem möglichen Motiv machte Scotland Yard zunächst nicht. Die Namen sollten veröffentlicht werden, sobald die Ermittlungen dies zuließen, sagte Rowley.

12 Festnahmen nach Anschlag

Nur Stunden nach dem Anschlag rückten Einsatzkräfte zu Razzien im multi-ethnischen Viertel Barking im Osten Londons aus. Dabei wurden sieben Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 19 und 60 Jahren festgenommen. Einer der Festgenommenen, ein 55-jähriger Mann, wurde später wieder freigelassen. Premierministerin Theresa May hatte nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London neue Anti-Terror-Maßnahmen angekündigt, darunter ein entschlosseneres Vorgehen gegen islamistische Propaganda im Internet und härtere Strafen für Terrordelikte. Die langjährige Innenministerin sprach von einer „bösartigen Ideologie des islamistischen Extremismus“ und einem „neuen Trend in der Bedrohung, der wir ausgesetzt sind“: Ein Attentäter „kopiert den anderen“.

Prinz Harry (Bildmitte) gedachte der Opfer von London bei einem Benefizturnier. Foto: dpa

Hoch zu Pferde hat Prinz Harry der Opfer des Londoner Terrorattentats gedacht. Der 32-Jährige legte vor dem Beginn eines Polospiels im südostasiatischen Stadtstaat Singapur eine Schweigeminute ein, wie britische Medien berichteten. Auch seine Mitspieler hielten mit gesenktem Kopf inne, ihren Helm in der Hand. Harry ist auf einer fünftägigen Reise nach Singapur und Australien. Ein Programmpunkt war das Polo-Benefizspiel zugunsten HIV-infizierter Kinder in Afrika. Gemeinsam mit 80 jungen Singapurern nahm er zudem auch am Fastenbrechen während des Ramadans teil.

Das Brandenburger Tor wurde in den Farben Großbritanniens angestrahlt. Foto: afp

Aus aller Welt kamen Solidaritätsbekundungen. „Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint, aber genauso in der Entschiedenheit“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Im Gedenken an die Anschlagsopfer wurde das Brandenburger Tor in Berlin am Sonntagabend in den britischen Nationalfarben angestrahlt. Am Pariser Eiffelturm wurde die Beleuchtung in der Nacht ausgeschaltet. Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte, Frankreich stehe „mehr denn je an der Seite des Vereinigten Königreichs“. Russlands Präsident Wladimir Putin verurteilte „die Grausamkeit und den Zynismus“ der Attentäter.

US-Präsident Donald Trump schrieb im Onlinedienst Twitter: „Was auch immer die Vereinigten Staaten tun können, um in London und in Großbritannien zu helfen, wir werden da sein.“ Wie schon beim Anschlag in Manchester setzten die britischen Parteien ihren Wahlkampf für die vorgezogene Parlamentswahl aus, nach Angaben Mays soll die Wahl aber wie geplant am Donnerstag stattfinden.

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