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Politik
Dienstag, 21. November 2017 7

Nachfolge

Junge Wilde sägen an Merkels Stuhl

In der CDU wird die Forderung nach personeller Erneuerung immer lauter. Vielen gilt Jens Spahn als neuer Hoffnungsträger.
Von Reinhard Zweigler, MZ

Finanzstaatssekretär Jens Spahn (r.) und JU-Chef Paul Ziemiak drängen auf Erneuerung der CDU. Foto: dpa

Berlin.Mitten in der Wahlparty des österreichischen Wahlsiegers der ÖVP, Sebastian Kurz (31), tummelte sich vergangenen Sonntag in Wien Jens Spahn, der gerade mal sechs Jahre ältere Finanzstaatssekretär aus Berlin. Spahns Selfie mit dem Star der Konservativen aus der Alpenrepublik trägt die Überschrift: „Glückwunsch an den künftigen Kanzler der Republik Österreich, Sebastian Kurz!“ Bei Angela Merkel dürfte die Botschaft des 1,91 Meter großen CDU-Mannes aus dem Münsterland allerdings nicht gut angekommen sein. Spahn zählt, wie etwa der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (44) oder der Chef der Jungen Union Paul Ziemiak (32), zu den „jungen Wilden“, die auf eine personelle Erneuerung der CDU drängen. Sie verlangen, was viele Jahre bei den Christdemokratern undenkbar – zumindest unaussprechbar – war, einen Plan für die Zeit nach Angela Merkel.

Hier sehen Sie den Glückwusch-Tweet von Jens Spahn:

Der Hoffnungsträger der CDU

Am heftigsten sägt Spahn am Stuhl der CDU-Chefin. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union erntete er stürmischen Beifall und stehende Ovationen. Spahn ist für viele Konservative der Hoffnungsträger der CDU. Er machte kein Hehl aus seiner Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik mit einem monatelangen unkontrollierten Zustrom nach Deutschland.

Spahn bewundert die Wahlkampagne des Österreichers Kurz, mit dem er seit Jahren befreundet ist. Der Noch-Außenminister hatte mit einer knallharten Flüchtlingspolitik die ÖVP innerhalb nur weniger Wochen vom dritten Platz in den Umfragen auf den ersten bei der Nationalratswahl katapultiert. „Bemerkenswert“ sei das gewesen, befindet Spahn. Und die deutschen Debatten über einen Rechtsruck in Österreich hält er für „überheblich“. Was Kurz geschafft hat – die Kanzlerschaft ist ihm sehr wahrscheinlich – habe Spahn noch vor sich, meinen Parteikollegen, die es gut mit ihm meinen.

An Kampfeswillen jedenfalls fehlt es Spahn nicht. Auf dem Parteitag im vorigen Dezember brüskierte er die CDU-Vorsitzende und setzte mit knapper Mehrheit einen Beschluss zur Abschaffung des Doppelpasses durch.

Das Kriegsbeil ausgegraben

Merkel fühlte sich danach genötigt zu erklären, dass dieser Beschluss für sie als Kanzlerin nicht bindend sei. Damit war das Kriegsbeil ausgegraben. Dennoch saß Spahn gestern mit in der großen Unionsdelegation, die mit FDP und Grünen eine Jamaika-Koalition sondierte.

Hier lesen Sie einen Kommentar unseres Berlin-Korrespondenten zum Thema:

Kommentar

Wunder Punkt

FDP-Chef Christian Lindner bemerkte spitzbübisch zur Führungsdiskusssion in der CDU, Angela Merkel werde gewiss die Weisheit besitzen, die eigene Nachfolge...

Vorsichtiger agiert dagegen der Kieler Daniel Günther. Reichlich diplomatisch verbrämt meinte er kurz vor Beginn der Sondierungsrunden, die Menschen hätten „ein Rieseninteresse, dass Angela Merkel das Land weitere vier Jahre erfolgreich führt“. Aber dann wollten sie Perspektiven sehen, „wie es danach weiter geht“. Die CDU brauche „neue Gesichter“, die die Gewähr für eine Erneuerung böten.

Auch Ziemiak verlangte „jüngere Köpfe in Regierung, Fraktion und Partei“. Auf dem Dresdner Deutschlandtag der JU sah sich Merkel erstmals mit öffentlichen und lautstarken Rücktrittsforderungen aus der Union konfrontiert.

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