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Politik
Dienstag, 22. August 2017 22° 3

Beziehungen

Kanzlerin nimmt Kurs auf Trump

Beim ersten Treffen zwischen Angela Merkel und dem neuen US-Präsidenten sind einige heikle Themen zu besprechen.
Von Kristina Dunz und Martin Bialecki, dpa

Angela Merkel reist zu Donald Trump – ein heikler Besuch. Foto: Alex Brandon;Rainer Jensen/AP/dpa/dpa

Berlin.Nun aber wirklich. „Stella“ hat sich verzogen, Angela Merkel kann kommen. Zu Wochenbeginn musste die Kanzlerin ihr geplantes erstes Treffen mit US-Präsident Donald Trump in letzter Minute vor dem Abflug absagen. Ein Wintersturm mit Schnee und Regen drohte Washington zu überziehen. Der Präsident warnte die deutsche Regierungschefin, ihre sichere Landung sei gefährdet – da war sie schon fast am Flughafen Berlin-Tegel. Merkel blieb am Boden.

In den USA blieben dann Schulen und Geschäfte in zahlreichen Städten geschlossen, Tausende Flüge, Zug- und Busverbindungen wurden gestrichen, rund 18 Millionen Menschen waren betroffen. Der Wintersturm „Stella“ leistete ganze Arbeit, Merkels Einreise hätte er aber wohl nicht ins Wasser fallen lassen. Zur geplanten Landezeit in Washington fielen des Nachts ein paar anmutige Schneeflocken, begleitet von frischem Wind. Mit ihren Sturmwarnungen sind Amerikaner etwas eigen, sie nehmen das ausgesprochen ernst.

Angela Merkel hat ihren Besuch auf Freitag verschoben. Video: dpa

Sei’s drum: Jetzt also Freitag, ein neuer Anlauf. Die Meteorologen prognostizieren nach bitterkalten Tagen Plusgrade, ein bisschen Sonne und ein paar Wolken. Kein Grund zur Sorge. Zumindest nicht meteorologisch. Denn was die Belastungen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses angeht, ist die Lage nicht ganz so frühlingshaft. Trumps Wahlsieg stellt auch hier alles in Frage. Eine „katastrophal“ falsche Flüchtlingspolitik hat er der Kanzlerin vorgeworfen, die vor allem syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen die Tür geöffnet hat.

Besuch genießt hohe Priorität

Die US-Wirtschaft will Trump abschotten – auch das ist ein Problem für Deutschland, das als ausgewiesene Exportnationen auf offene Märkte und freien Handel setzt. Für deutsche Autobauer ist der US-Markt von enormer Bedeutung, Strafzölle würden die Geschäfte empfindlich treffen. Allerdings sind die für Trump nicht so leicht umzusetzen, müsste er doch gegen Regeln der Welthandelsorganisation angehen und eine gute Wirtschaftspartnerschaft beschädigen.

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Merkel aber will nach vorn schauen. Sie hält sich nicht gern mit rückwärtsgerichteten Betrachtungen auf. Die Kanzlerin lotet lieber aus, was in Zukunft geht und was nicht. Deutschland könnte zum Beispiel US-Unternehmen bei einer dualen Berufsausbildung von Theorie und Praxis helfen. Zuhause ist das ein effektives Modell, im Ausland stößt das immer wieder auf großes Interesse. Merkel würde wohl als Erfolg verbuchen, wenn sie mit Trump auch nur ein Schrittchen nach vorn machen könnte, das auf Eis gelegte Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU wiederzubeleben.

Es wird für Merkel und Trump nicht einfach gewesen sein, in ihren so randvollen Terminkalendern schon für Freitag einen freien Platz zu finden. Trump habe dem Besuch hohe Priorität eingeräumt, heißt es in beiden Hauptstädten. Das sei eine freundliche Geste. Auch düstere Wetteranalogien für die Absage des Besuches, von mancher Seite befürchtet, hielten sich in Grenzen. Das schlechte Wetter war wohl doch kein schlechtes Omen. Bei höherer Gewalt rücken auch Politiker gern einmal zusammen.

Die USA brauchen Alliierte

Im Mai kommt Trump nach Europa, nimmt an Treffen der Nato und der G7 teil, im Juli folgt der G20-Gipfel in Hamburg. Es gab von verschiedener Seite größeres Interesse daran, die Kanzlerin mit dem politischen Seiteneinsteiger zusammenzubringen, bevor dieser auch physisch auf Europa trifft. Trumps Chefstratege Stephen Bannon wurde erst in den letzten Tagen als dunkelglühender Anti-Europäer gezeichnet.

Merkels Besuch in den USA wird mit Spannung erwartet. Video: dpa

Deutschland legt auf gute, stabile, faire Beziehungen zu den USA großen Wert. Trotz aller Misstöne aus dem Weißen Haus war man sehr bemüht, das Boot nicht zum Schaukeln zu bringen. Ob das auch andersherum so ist, dafür ist dieser Freitag ein guter Test. In Washington hieß es zuletzt, selbst diese Weltmacht sei auf Alliierte angewiesen, das werde sie ziemlich schnell feststellen.

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