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Politik
Dienstag, 19. September 2017 16° 5

Attentat

Kataloniens Küste im Terror-Schock

Die Terrorzelle von Barcelona scheint weitgehend zerschlagen, für die Polizei gibt es Lob. Aber die Bestürzung sitzt tief.
Von Klaus Blume und Carola Frentzen, dpa

Menschen gedenken der Opfer des Attentats auf der Rambla in Barcelona. 14 Menschen waren getötet, rund 120 verletzt worden. Foto: afp

Barcelona.Durch die Passionspforte strömen die Gläubigen, das spanische Königspaar schreitet durch das Geburtsportal in Barcelonas berühmtestes Gotteshaus. In der imposanten Sagrada Familia gedenken die Menschen am Sonntag der Opfer der Terroranschläge in Katalonien. Felipe VI. und seine Frau Letizia sitzen im Chor der Kirche, Ministerpräsident Mariano Rajoy und Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau in den vorderen Reihen. Das Mittelschiff der nie vollendeten Basilika ist voll besetzt. In den Seitenschiffen und auf den Emporen aber bleiben Plätze leer – viele haben wohl zu spät von dem kurzfristig angesetzten Gottesdienst erfahren.

Doch zur Trauer bedarf es in Barcelona keiner Kirchen. Seit ein Attentäter am Donnerstag mit einem Lieferwagen 14 Menschen tötete und rund 120 verletzte, sind am Tatort, der Flaniermeile Las Ramblas, spontan kleine Altäre auf dem Pflaster entstanden. Die Menschen zünden immer neue Kerzen an. Ein Blumenmeer bedeckt die Stelle, wo ein Mosaik von Joan Miró in den Boden eingelassen ist. Dort hatte der Fahrer des Todeswagens gestoppt. Unzählige Bürger standen am Samstag vor dem Rathaus Barcelonas noch Schlange, um sich in Kondolenzbücher einzutragen. Eigentlich sollte um 20 Uhr Schluss sein, doch die Frist wurde verlängert. Jubel gab es für Barcelonas Taxifahrer, als sie in einem Korso die Ramblas hoch und runter fuhren. Auf dem Boulevard ertönte der Ruf „No tinc por“ – „Ich habe keine Angst“ auf Katalanisch.

Gezielte Sprengungen in Alcanar

Dem Terror trotzen, das ist auch die Devise an anderen Orten der katalanischen Mittelmeerküste. In Alcanar, 200 Kilometer südwestlich von Barcelona, gehen die Ermittlungen weiter. Die Polizei glaubt, dass die Attacke von Barcelona hier vorbereitet wurde. Am Mittwochabend war ein eingeschossiges Haus, wo sich einige Terrorverdächtige aufhielten, nach einer Explosion in die Luft geflogen.

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Wirtin Kerstin Bolz bediente gerade ihre Gäste auf der Pool-Terrasse ihres Hotels Montecarlo, als der Knall die Nacht zerriss. Erst Tage später wurde klar, was passiert war. „Fürchterlich, dass so etwas hier bei uns geschehen kann“, sagt die Gastronomin, die vor 30 Jahren aus Celle auswanderte.

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Kommentar

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Am Wochenende hat die Polizei am Tatort weiter viel zu tun. Der Olivenhain rund um das zerstörte Haus ist abgesperrt, Fernsehteams müssen Abstand halten. Mit gezielten Sprengungen versuchen Sicherheitskräfte, womöglich noch verborgene Sprengstoffreste unschädlich zu machen.

Vorsicht ist angebracht: Nach der ersten Explosion, bei der womöglich mehrere mutmaßliche Terroristen getötet und ein weiterer schwer verletzt wurden, wurden bei einer zweiten Detonation am Donnerstag nach Aussage von Stadtrat Jordi Bort fünf Polizisten, drei Feuerwehrleute und ein Baggerfahrer verletzt. In den Ruinen sollen auch Spuren des hochexplosiven Sprengstoffs Triacetontriperoxid gefunden worden sein.

In Cambrils kehrt Alltag ein

Die Strände am Ortsrand von Alcanar sind bei Ausflüglern beliebt. „Man konnte sich nicht vorstellen, dass so etwas ausgerechnet hier passiert“, sagt der Elektriker Juan Guerrero aus Barcelona, ein Stammgast im Strandhotel Montecarlo.

In Cambrils, von Barcelona aus etwa auf halber Strecke Richtung Alcanar, erinnert am Sonntag nur wenig an die dramatische Nacht zum Freitag, als die Polizei fünf Terroristen erschoss und eine Frau tödlich verletzt wurde. Vor dem Club Náutic flanieren Touristen in Strandkleidung, machen Einkäufe oder tragen Klappstühle unterm Arm. Nur unter der Infotafel des Jachtclubs liegt ein Blumenstrauß, davor einige Kerzen, darüber ein weißer Luftballon mit roten Herzen und der Aufschrift „I love Cambrils“.

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