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Politik
Dienstag, 26. Juli 2016 29° 8

Ökumenischer Kirchentag

Kirchentag: Eklat bei Missbrauchsdebatte

Eine Opfer-Initiative hat die Veranstaltung über Missbrauch in der katholischen Kirche auf dem Kirchentag gestört.

  • Der Sprecher des netzwerks B (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt), Norbert Denef, protestiert gegen eine Podiums-Veranstaltung zum Thema Missbrauch in der Kirche.
  • Ein Aktivist des Betroffenen-Netzwerks Snap (Survivors Network of those Abused by Priests) hält während einer Podiums-Veranstaltung zum Thema Missbrauch in der Kirche Bilder von Betroffenen hoch.
  • Norbert Denef (M.), der Vorsitzende des Netzwerkes Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V., hält auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag während einer Diskussionsveranstaltung zum Missbrauch in der Katholischen Kirche das Bild eines mutmaßlichen Missbrauchsopfers.
  • Der Sprecher des netzwerks B , Norbert Denef, hält während einer Podiums-Veranstaltung zum Thema Missbrauch in der Kirche das Bild eines Betroffenen in Händen.

München. Buhrufe für einen Bischof, Flugblätter mit Opfer- Fotos, dazu ein „Störenfried“ und knallharte Systemkritik an der katholischen Kirche - die Debatte um sexuellen Missbrauch hat am Freitag auf dem Ökumenischen Kirchentag in München große Emotionen freigesetzt. In der überfüllten Messehalle C 1 begleiteten am Freitag rund 6000 Menschen die Diskussion auf dem Podium immer wieder mit Applaus, aber auch mit für einen Kirchentag ungewöhnlichen Unmutsäußerungen.

Bischof Stephan Ackermann, der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, hatte eine schweren Stand - ausgerechnet wegen der Kritik aus den eigenen katholischen Reihen. In der Debatte empfahlen der Jesuitenpater Klaus Mertes, Leiter des Berliner Canisius Kollegs, und der katholische Theologe und Psychologe Wunibald Müller die Einführung des Frauenpriestertums und die Abschaffung des Zwangszölibats für Priester.

Beide machten deutlich, dass bei vielen Priesteramtskandidaten heute eine unreife Sexualität Fehlentwicklungen begünstigen könne. Außerdem übte Müller ungewöhnlich scharfe Kritik an der Amtskirche: „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren in der Kirche einen Personenkult entwickelt, der missbrauchsfördernd ist.“ Nach Ansicht von Mertes fehlt es an innerkirchlicher Offenheit - „weil wir disziplinarische Folgen befürchten müssen oder Loyalitätskonflikte drohen; da herrscht Müdigkeit, eine gewisse Erschöpfung.“

Als Mertes zur Eröffnung ans Rednerpult ging, stürmte Norbert Denef, Vorsitzender des „Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.“, vor die Bühne und forderte - sofort von einem Pulk von Kameraleuten und Fotografen umringt - den Abbruch der Veranstaltung. Als Grund nannte er, dass die Opfer keine Stimme hätten auf dem Podium und es zudem nur um die Kirchenstrukturen gehe. Die Opfer würden wieder einmal ausgeblendet. Vor dieser „Störenfried“-Aktion waren vor der Bühne Flugblätter mit Porträtfotos von Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester auf den Boden gelegt worden. Kirchentagshelfer sammelten die Flugblätter aber umgehend ein.

„Ich bin über den Verlauf der Veranstaltung ziemlich erschrocken, weniger über die Störung als über die Statements zum Thema“, sagte Ackermann. Buhs und Pfiffe musste der Trierer Bischof einstecken, als er - offenbar nach Meinung mancher Zuhörer scheinheilig - sagte, dass der Fokus auf die Kirchenkritik dazu führe, dass nicht mehr die Opfer im Mittelpunkt stünden, aber um die müsse es doch gehen. Müller konterte, man müsse auch das System Kirche, in dem die Taten geschehen sind, zum Thema machen. „Ich bin dankbar, dass Bischof Ackermann als Missbrauchsbeauftragter ernannt wurde, das ist ein Zeichen, dass es die Kirche ernst meint mit der Aufarbeitung.“

Ackermann versicherte, dass die Kirche schnell und konsequent handeln werde, um den Opfern zu helfen und neuen Missbrauchsfällen vorzubeugen. „Hier wird nichts auf die lange Bank geschoben oder weggedrückt, wir sind mit Hochdruck an der Arbeit.“ Das notwendige Geld für Prävention werde die Kirche in die Hand nehmen. Auf die Frage nach Entschädigungszahlungen reagierte er verhalten. Am Runden der Tisch der Bundesregierung zum Kindesmissbrauch wolle man gemeinsam nach einer sinnvollen Lösung suchen.

Die bayerische Justizministerin Beate Merk forderte in der Debatte eine Verschärfung des Strafrechts und eine tiefgehende Veränderung der kirchlichen Sexuallehre: „Die Kirche muss nicht dem Zeitgeist hinterhersausen, aber zeitgerecht sein.“ Es darf so etwas nicht noch einmal passieren.“

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