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Politik
Montag, 18. Dezember 2017 5

Umwelt

Klimaschutz fängt in der Region an

Wenn es um die Begrenzung der Erderwärmung und die Reduktion von CO2 geht, sind Ostbayerns Städte ein Vorreiter.
Von Wolfgang Ziegler, MZ

Emil, der Elektrobus, rollt durch Regensburg: Mit fünf E-Bussen sieht sich die Stadt bayernweit an der Spitze. Foto: Wunderlich

Regensburg.Der Kampf gegen Klimakiller und die Umsetzung des Übereinkommens von Paris aus dem Jahr 2015 stehen gerade im Mittelpunkt der Weltklimakonferenz in Bonn. Mehr als 25 000 Delegierte aus aller Welt diskutieren dabei unter anderem darüber, wie die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden kann. Die Städte in Ostbayern haben unterdessen bereits reagiert. Mit einer Fülle von Maßnahmen und Projekten leisten sie ihren Beitrag zum Klimaschutz.

Die Stadt Regensburg hat sich besonders breit aufgestellt und nützt ihre vielfältigen Möglichkeiten als Metropole, um dem Problem-Thema zu begegnen. Mit einem eigens von relevanten Akteuren – etwa der Verwaltung, den Umweltverbände, der Wirtschaft und den Versorgern – erarbeiteten Energienutzungsplan hat man sich eine Art Leitbild gegeben und konkrete Ziele vereinbart, die nun Zug um Zug realisiert werden. „Damit wurden eine Ausgangsbasis fixiert und eine Handlungsanweisung für Verwaltung und Politik geschaffen. Gegenwärtig sind wir mitten im Umsetzungsprozess“, sagte der Leiter des städtischen Umweltamtes, Rudolf Gruber, der Mittelbayerischen.

Dennoch kann speziell die Oberpfälzer Bezirkshauptstadt bereits auf eine große Zahl von Erfolgen verweisen. Die fünf Elektrobusse, die in der Altstadt verkehren, sind einer davon. „Damit sind wir bayernweit führend“, freut sich Gruber. Auch der städtische Fuhrpark, von dessen 72 Fahrzeugen die Hälfte mit Elektro- bzw. Hybrid-Antrieb liefen, könne sich sehen lassen. „Damit sind wir gut aufgestellt“, sagt er.

Neumarkt, die Stadt der Weltdekade für nachhaltige Bildung

Eine Verringerung des CO2-Ausstoßes beim Thema Mobilität ist allerdings längst nicht alles, mit dem Regensburg punktet. Auch eine klimafreundliche und energieeffiziente Stadtentwicklung, die Intensivierung energetischer Gebäudesanierungen sowie diverse kommunale Förderprogramme für eine Verbesserung des Klimaschutzes stehen ganz oben auf der Agenda. „Und überall ist Bewegung drin“, sagt der Chef des Umweltamtes.

Dieser Satz gilt auch für die Stadt Schwandorf. Dort läuft eines der größten städtischen Fernwärmeprojekte im Freistaat – eine Auskoppelung aus dem dortigen Müllkraftwerk. „Rund 7,3 Millionen Liter Heizöl wurden dadurch im vergangenen Jahr substituiert“, wie Walter Zurek, Werkleiter der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung unserem Medienhaus sagte. Nach Angaben von Lothar Mulzer von der Pressestelle der Stadt Schwandorf sei die Einsparung fossiler Brennstoffe deshalb so enorm, weil nicht nur Privathaushalte, sondern auch Großabnehmer wie das St.-Barbara-Krankenhaus und 52 Gewerbe- und Industriebetriebe an diesem Netz hingen. Ein weiterer positiver Aspekt dieses „Leuchtturmprojekts“ sei laut Mulzer, dass die Fernwärme zudem kostengünstiger sei als Öl und Gas. „Man kann also etwas für die Umwelt tun und gleichzeitig sparen.“

Neumarkts ehrgeizige Ziele

Eine federführende Stellung beim Klimaschutz nimmt Neumarkt ein, das als bisher erste und einzige Stadt Deutschlands bereits zum vierten Mal von der Unesco als „Stadt der Weltdekade für nachhaltige Bildung“ ausgezeichnet wurde. Dort sieht man kommunalen Klimaschutz auch als Wirtschaftsfaktor an, der zu einem Standortvorteil führt. „Unterstützung beim Energiesparen und das Vorfinden von entsprechenden Infrastrukturen – etwa ein Fernwärmenetz –, ist für Unternehmen ein zunehmend wichtiger Entscheidungsfaktor“, ist die Devise der Kommune.

Das Pariser Abkommen

  • Ziel:

    Die Erderwärmung soll auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Staaten wollen den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Null bringen.

  • Geld:

    Von 2020 bis 2025 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 90 Milliarden Euro) für Entwicklungsländer bereitstellen. Die Vertragsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, ärmeren Staaten bei Verlusten und Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Entscheidende Teile der Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich.

Die verfolgt laut Bürgermeister Thomas Thumann sehr ehrgeizige Ziele. Im Jahr 2012 in das Förderprogramm „Masterplan 100% Klimaschutz“ des Bundesumweltministeriums aufgenommen, solle bis 2020 eine Reduktion der CO2-Emissionen um 31 Prozent und bis 2050 sogar um 95 Prozent gegenüber 2011 erreicht werden. Gleichzeitig wolle man in diesem Zeitraum den Energieverbrauch halbieren. Um dies zu erreichen, sei beispielsweise im Hochbauamt ein städtisches Energiemanagement installiert worden, durch das in den Einrichtungen der Stadt mit intelligenter Gebäudeleittechnik jährlich rund 260 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden könnten. Überdies habe Neumarkt neben vielen anderen Maßnahmen und Projekten bei der Kläranlage bereits annähernd Energieautarkie erreicht. Dort würden zwei Blockheizkraftwerk-Motoren mit Klärgas betrieben, könnten Wärmeüberschüsse zudem an die benachbarte Stadtgärtnerei abgegeben werden.

Neumarkts Bürgermeister Thomas Thumann Foto: MZ-Archiv

Aus seiner Erfahrung heraus ist Thumann der Meinung, dass Klimaschutz eine Vor-Ort-Thematik sei, die dezentral angegangen werden müsse. Und die dann gelingen könne, wenn man mit anderen zusammenarbeite und sich austausche.

Dem wird man in der Stadt Kelheim nicht widersprechen. Dort führt man schon seit 20 Jahren in Zusammen mit dem Landkreis die Regional- und Umwelttage durch, bei denen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Regionalität auf der Tagesordnung stehen. Wie Klimaschutzmanager Franz Eißler gegenüber unserer Zeitung erklärte, seien außerdem bereits 2008 die städtischen Klimaschutzziele zur Reduzierung der Treibhausgase sowie zum Ausbau der Erneuerbaren Energien definiert worden.

Gerade bei der CO2-Reduktion habe Kelheim die Ziele sogar übertroffen – unter anderem durch den Bezug von Strom aus Erneuerbaren Energien, den Anschluss von Liegenschaften an das durch die Stadtwerke betriebene Biomasse-Heizkraftwerk sowie durch die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen.

Ambergs OTH-Konzept

Wie in Kelheim, so verfolgt man auch in der Stadt Amberg ein „Integriertes Klimaschutzkonzept“, das dort in Zusammenarbeit mit dem Institut für Energietechnik der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) entstanden ist. 2012 sei die erste Version dieses Konzepts vorgestellt worden, im vergangenen Jahr habe man im Rahmen des Gesamtprojekts die komplette Straßenbeleuchtung der Stadt auf LED-Lampen umgestellt, wie Pressesprecherin Susanne Schwab der Mittelbayerischen sagte. Dabei habe man innerhalb von zwei Jahren die Ausgaben für den Unterhalt der Straßenlaternen von 520 000 auf 300 000 Euro senken können, und die Stromkosten habe man von 505 000 auf 225 000 Euro mehr als halbiert. Gegenwärtig denke man an weitere Optimierungsmaßnahmen und suche einen Klimaschutzmanager, der sich mit den einzelnen Projekten beschäftigen solle, so Schwab.

In der Kreisstadt Cham denkt man beim Klimaschutz indes in Details. Wie uns Verwaltungsleiterin Sigrid Stebe-Hoffmann sagte, habe man einen Vertrag mit der Energieagentur Nordbayern in Nürnberg geschlossen, die bereits seit zwei Jahren alles auf den Prüfstand stelle und optimiere. Da man im Bayerwald beim Klimaschutz ohnehin auf einem guten Weg sei, gehe es eher um die Feinjustierung der Stellschrauben.

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