mz_logo

Politik
Montag, 18. Dezember 2017 3

Umwelt

Klimaschutz ist machbar

Wir dürfen die Folgen der Erderwärmung nicht einfach hinnehmen. Bürger setzen ein Zeichen – wie jetzt in Regensburg.
Von Harald Klimenta

Harald Klimenta ist wissenschaftlicher Beirat von Attac und engagiert sich u. a. bei der Büfa, dem Regensburger Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien.

Regensburg.Es sind menschliche Aktivitäten, durch die unsere Atmosphäre u. a. mit Kohlendioxid, Methan oder Lachgas angereichert wird, die dann Licht von der Sonne in Wärmestrahlen verwandeln. Deshalb nehmen Hitzewellen zu, Korallenriffe bleichen aus und das arktische Eis schwindet. Wenn sich angesichts solcher Katastrophenszenarien Resignation einstellt, sich Menschen zurückziehen, Fakten leugnen oder aus ihrem Alltagshandeln verbannen, dann weil sie sich den übergroßen Aufgaben nicht gewachsen fühlen und Angst davor haben, dann ein entbehrungsreiches Leben führen zu müssen. Doch das ist Quatsch. Was wir müssen, ist uns informieren und weniger Gewohnheitstier sein.

E-Mobil-Fahrer berichten unisono, dass sie seit Beginn des Dieselskandals regelmäßig angesprochen werden, weil alle die Reichweite, die Kosten für so ein Auto und die Ladedauer wissen wollen. Nur Mut: Informieren Sie sich! Die Antworten werden viele überraschen. Mit E-Rädern werden urplötzlich sechs Kilometer lange Strecken zur Arbeit nicht mehr mit dem Auto zurückgelegt, weil: Schweiß- und stressfrei. Mein Vorschlag: einfach mal probefahren. Nicht jeder wird das wollen, aber stur den alten Gewohnheiten folgen und über Staus schimpfen hilft auch nicht weiter.

Apropos Stau: Städte sind attraktiv, wenn die Ungleichheit gering ist und Mobilitätsbedürfnisse schnell und preisgünstig befriedigt werden können. Elektromobilität kann helfen, dass dabei das eigene Auto immer überflüssiger wird. E-Car-Sharing expandiert, Lasten-E-Bikes gibt’s schon kostenlos zu mieten (in Regensburg im Parkhaus Dachauplatz) und die Straßenbahn ist auf den Weg gebracht. Vielleicht mietet man bald nur noch sporadisch ein selbstfahrendes Car-Sharing-Auto, weil der ÖPNV tatsächlich eng getaktet ist und weit ins Umland reicht. Nur ein Traum? Nur solange wir an Gewohntem festhalten – und uns nicht informieren.

Das Gewohnheitstier blockiert uns in vielen weiteren Bereichen, z. B. bei der Ernährung. Man kann Geschmacksnerven so verarmen, dass sie nur noch auf Chicken-Wings oder Schnitzel ansprechen – obwohl zu viel Fleisch der Gesundheit und dem Klima schadet. Man kann sich aber auch verführen lassen und abwechslungsreich ernähren. Information über Massentierhaltung, Antibiotikaeinsatz und dem Schreddern von Küken verkommt, weil wir viel zu selten den Mut aufbringen, Gewohnheiten zu verändern.

Selbst die Solaranlage auf dem Dach erhöht die Lebenszufriedenheit. Ich genieße es in vollen Zügen, wenn meine Frau voller Stolz berichtet, dass sie bei dreu Kilowatt Photovoltaik-Leistung gewaschen hat und ich dann die Wäsche aufhänge. Wer kein Dach besitzt, der kann meist den Stromanbieter wechseln – Naturstrom ist nicht einmal teurer und ein paar Klicks später kocht man ohne Braunkohlestrom.

Am Sonntag standen Regensburger zusammen mit tausenden anderen Aktivisten der Organisation „Ende Gelände“ im Braunkohletagebau westlich von Köln, wo täglich 250 000 Tonnen Braunkohle abgebaggert und verfeuert werden. Sie machen Druck, dass auch „die da oben“ handeln und den Kohleausstieg verbindlich festschreiben. Das werden sie aber nur, wenn auch wir hier unten mittun. Deshalb stehen am Samstag, 11. November, Regensburger Aktive am Kohlenmarkt und zeigen, wie die Ernährungs-, Energie und Verkehrswende auch Spaß machen kann.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht