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Politik
Samstag, 18. November 2017 5

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Nicht nur ein Königsweg

Die berufliche Bildung stellt eine gleichwertige Alternative zum Studium dar. Aber immer noch streben zu viele nach dem Abi.
von Heiko Pohlmann

Heiko Pohlmann ist Pressesprecher und Redakteur der Verbandszeitschrift „Die berufsbildende Schule“ des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e.V.

Regensburg.Vor Jahren hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) in ihrer jährlich erscheinenden Studie „Bildung auf einen Blick“ Deutschland vorgeworfen, dass zu wenige Jugendliche ihre schulische Ausbildung mit dem Abitur abschließen. Das Ergebnis: Zu Beginn des aktuellen Wintersemesters haben sich allein in Bayern 390 000 Studenten an bayerischen Universitäten und Hochschulen eingeschrieben, ein Rekord.

Die Erfahrung zeigt aber, dass die Abbrecherquote in manchen Fächern bis zu einem Drittel beträgt. Das muss vermieden werden. Jugendliche sind vor Beginn des Studiums vor allem umfassend darauf hinzuweisen, dass auch andere gleichwertige Bildungsgänge auf sie warten. Die Berufsorganisationen haben sogar ein Programm entwickelt, wie diese Jugendlichen, die ihr Studium abgebrochen haben, für einen Beruf im Handwerk oder der Industrie gewonnen werden können.

In den letzten Jahren ist die gleiche Organisation umgeschwenkt und lobt nun insbesondere die berufliche Bildung, da sie hervorragend auf den Arbeitsmarkt abgestimmt sei und Auszubildende nach Abschluss ihrer Lehre direkt in ein Beschäftigungsverhältnis übernommen würden. Dort ausgebildete junge Leute hätten ein geringes Risiko, arbeitslos zu werden, da die Erwerbslosenquote bei lediglich 4,2 Prozent läge. Besonders bedeutsam sei aber, dass die Jugendarbeitslosigkeit im Gegensatz zu den anderen europäischen Staaten in Deutschland sehr gering sei. Ursache dafür sei die duale Berufsausbildung, die inzwischen weltweit von 19 Staaten nachgefragt werde, so das Ergebnis einer aktuellen Bertelsmann-Studie.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bestätigte immer wieder, dass die berufliche Bildung genauso wie die akademische Bildung verlässliche Chancen und Lebensperspektiven schaffe. Sie stelle, so auch die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Dr. Susanne Eisenmann, einen weiteren Königsweg und eine absolut gleichwertige Alternative zum Studium dar.

Betrachtet man dazu den seit dem 1. August 2017 gültigen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR), so ist festzustellen, dass die allgemeine Hochschulreife und die abgeschlossene duale Berufsausbildung mit ihrem Facharbeiter- und Gesellenbrief auf der gleichen Niveaustufe 4 eingeordnet werde oder der Meister und der Bachelor auf der gleichen Niveaustufe 6 zu finden sind. Hat man in Deutschland früher auf ein gesundes Gleichgewicht zwischen beruflicher und akademischer Bildung Wert gelegt, so ist dieses Gleichgewicht nun immer mehr zugunsten der akademischen Bildung ins Rutschen geraten. Die Folge: Akademiker ohne Job und Jobs ohne Fachkräfte.

Trotzdem reißt der Trend, den allgemeinbildenden Königsweg zu wählen, nicht ab. Die Berufsvorbereitung von den Eltern und an den Zubringerschulen wird nicht umfangreich genug durchgeführt, den Schülern wird die Gleichwertigkeit aller Bildungsgänge nicht hinreichend dargestellt, auch, dass in der beruflichen Bildung die Aussage „Kein Abschluss ohne Anschluss“ gilt und man in allen Bereichen studieren kann, wenn man das möchte. In einer Studie an der Universität Bielefeld konnte nachgewiesen werden, dass Instrumente zur Berufsvorbereitung vorhanden sind, aber oft nicht hinreichend eingesetzt werden.

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