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Politik
Mittwoch, 31. August 2016 27° 1

Westjordanland

Palästina: Ein Kampf auf Leben und Tod

Nach dem tödlichen Brandanschlag auf seine Familie bangt ein Großvater um den Enkel. Er ersehnt das Ende der Gewaltspirale.
Von Ofira Koopmans, dpa

Jüdische Friedensaktivisten besuchten wenige Tage nach dem tödlichen Brandanschlag das ausgebrannte Haus der palästinensischen Familie. Foto: dpa

Ramat Gan.Die letzten Tage sind nicht spurlos an Hussein Dawabsche vorübergegangen. Seit Freitag ist der 51-Jährige seinem Enkelkind nicht mehr von der Seite gewichen. Der vierjährige Ahmed liegt seit dem Brandanschlag auf das Haus seiner Familie im Dorf Duma zwischen Nablus und Ramallah im Krankenhaus. Wegen seiner schweren Verbrennungen hatten die Rettungskräfte ihn per Hubschrauber aus dem Westjordanland in die Klinik im israelischen Tel Haschomer gebracht. Ob Ahmed überlebt, sei noch immer ungewiss, sagt Klinikdirektor Zeev Rotstein.

Es sind allem Anschein nach militante jüdische Siedler, die am Freitagmorgen einen Brandsatz in das Haus schleudern, in dem Ahmeds Familie fest schläft. Vater Saed gelingt es noch, den Jungen vor den Flammen in Sicherheit zu bringen, doch der eineinhalbjährige Ali überlebt das Attentat nicht. Ob Ahmeds Eltern Saed und Riham mit dem Leben davonkommen werden, ist ebenfalls noch ungewiss. Auch sie befinden sich in Israel im Krankenhaus und schweben in Lebensgefahr.

Zorn auf die Täter, nicht auf Israel

Großvater Hussein Dawabsche wird in jener Nacht von seiner Frau geweckt. Sie sagt ihm, dass das rund anderthalb Kilometer entfernte Haus seiner Tochter im selben Dorf in Flammen stehe. Dawabsche eilt sofort dorthin. Doch es gibt nichts mehr, was er tun kann. „Alles war verbrannt“, erinnert er sich. Nun hofft er, dass Ahmed und seine Eltern sich wieder erholen und die Täter vor Gericht kommen. „Das ist alles, worum ich bitte: Dass sie sie kriegen“, sagt der Vater von acht Kindern und Großvater von sieben Enkelkindern.

„Wir haben ein Sprichwort, das besagt: „Jemand, der mordet, muss getötet werden.“ Sie haben sie verbrannt, also will ich, dass auch sie verbrannt werden.“ Sein Zorn richte sich allein gegen die Täter, nicht die Israelis allgemein, sagt Dawabsche. Und trotz des Alptraums seiner Familie glaube er an Mäßigung.

Friedensaktivisten schämen sich

„Alles, worum ich bitte, ist, dass es Frieden gibt. Dass keine weiteren Kriege geführt werden. Ich bin gegen das Blutvergießen“, beteuert Dawabsche. Doch solange radikale Siedler weiterhin die Möglichkeit hätten, in palästinensische Dörfer zu kommen, werde es solche Zwischenfälle wieder und wieder geben.

Der 51-jährige Hussein Dawabsche (l), Großvater des bei dem Brandanschlag schwer verletzten vierjährigen Ahmed, spricht im Sheba Medical Centre im israelischen Ramat Gan mit Krankenhaus-Direktor Zeev Rotsein. Foto: Ofira Koopmans/dpa

Zu den Besuchern der Kinder-Intensivstation im Scheba-Krankenhaus gehören dieser Tage auch israelische Friedensaktivisten. Sie sind geschockt und beschämt über das, was sie als jüdischen Terroranschlag bezeichnen. Selbst der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Ahmed einen Besuch abgestattet.

Hass breitet sich aus wie ein Virus

Gekommen ist auch ein palästinensischer Arzt aus Gaza: Isseldin Abuelaisch hat im Krieg mit Israel zwischen 2008 und 2009 drei Töchter verloren. Er wolle „ermutigen, unterstützen – um zu zeigen, dass das nicht akzeptabel ist“. Als Arzt habe er gelernt, dass es einen Moment gebe, in dem Hass anfange, sich wie eine Krankheit auszubreiten, sagt der Gynäkologe. „Wir müssen alle zusammenarbeiten, Israelis und Palästinenser, um das einzudämmen.“

Und obwohl die Dinge sind, wie sie sind, hat sich der Mediziner einen erstaunlichen Optimismus bewahrt. „Es gibt nichts, was auf dieser Welt nicht möglich ist. Alles was man braucht, sind Mut, Glaube, Hoffnung und Einsatz.“

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