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Politik
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Kirche

Papst bittet wegen Missbrauchs in Chile um Vergebung

Schwieriges Pflaster für den Pontifex: In Chile haben eine Reihe von Missbrauchsfällen das Vertrauen in die katholische Kirche tief erschüttert. Bei seinem Besuch in dem südamerikanischen Land bittet Franziskus um Vergebung und trifft Missbrauchsopfer.
Von Juan Garff und Denis Düttmann, dpa

Papst Franziskus winkt in Santiago de Chile aus seinem Papamobil den Menschen zu. Foto: Francisco Flores Seguel/Agencia Uno

Santiago de Chile.Der Pontifex leistet Abbitte - für vielfaches Leid, hartnäckige Vertuschung, jahrelanges Schweigen. Bei seinem Besuch in Chile hat Papst Franziskus um Verzeihung für sexuellen Missbrauch durch Priester gebeten.

„Ich kann nicht umhin, den Schmerz und die Scham zum Ausdruck zu bringen, die ich angesichts des nicht wieder gutzumachenden Schadens empfinde, der Kindern von Geistlichen der Kirche zugefügt worden ist“, sagte er am Dienstag bei einem Empfang im Regierungspalast La Moneda.

Überraschend kam er in der Apostolischen Nuntiatur auch selbst mit Missbrauchsopfern zusammen. „Das Treffen war rein privater Natur. Niemand weiteres war anwesend, nur der Papst und die Opfer“, teilte der Vatikan mit. „So konnten sie dem Papst von ihrem Leid berichten. Er hörte sie an und betete und weinte mit ihnen.“

Vor allem der Fall des Priesterausbilders Fernando Karadima hatte das Vertrauen in die katholische Kirche in Chile zuletzt tief erschüttert. Ein vatikanisches Gericht sprach ihn 2011 wegen Kindesmissbrauchs schuldig. Seine Taten sollen allerdings von mehreren Bischöfen jahrelang gedeckt worden sein. „Wir müssen uns dafür einsetzen, dass sich dies nicht wiederholt“, sagte Papst Franziskus.

Der Bischof von Osorno, Juan Barros, hatte sich stets für seinen religiösen Ziehvater stark gemacht. Barros wiederum soll von Franziskus protegiert worden sein. Seine Anwesenheit bei der Papstmesse im Park O'Higgins sorgte für Proteste. „Der Papst bittet um Vergebung in La Moneda. Leere Worte. Die Bischöfe, die vertuschen, sind immer noch da“, sagte eines der Opfer von Karadima, Juan Carlos Cruz. „Es sind die Opfer, die Schmerz und Scham verspüren.“

Der Papst übte sich in Chile zunächst in Demut. „Wir alle müssen um Vergebung bitten. Ich als Erster. Das macht uns menschlich“, sagte er beim Besuch des Frauengefängnisses von Santiago de Chile. „Wir alle können uns irren, aber wir sind jeden Tag dazu eingeladen, neu anzufangen.“

Auch vor Priestern und Ordensleuten in der Kathedrale der chilenischen Hauptstadt brachte Franziskus die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zur Sprache. „Ich kenne den Schmerz, den die Missbrauchsfälle an Minderjährigen verursacht haben und verfolge aufmerksam, was getan wird, um dieses schwere und schmerzhafte Übel zu überwinden“, sagte er. „Die Opfer sind in ihrem Vertrauen enttäuscht worden, das sie in die Diener der Kirche gesetzt haben.“

Die Skandale bringen nach Ansicht des Pontifex die ganze Kirche in Verruf. „Ich weiß, dass ihr in der U-Bahn beleidigt werdet. Ich weiß, dass ihr einen hohen Preis dafür zahlt, das Priestergewand zu tragen“, sagte Franziskus. „Deshalb schlage ich vor, dass wir Gott um die klare Einsicht bitten, die Realität beim Namen zu nennen und um die Kraft, um Vergebung zu bitten.“

Umfragen zufolge bekennen sich in Chile weniger als die Hälfte der Menschen noch zum katholischen Glauben, nirgendwo sonst in Lateinamerika ist das Vertrauen in die Kirche so erschüttert. Nach einer Reihe von Brandanschlägen auf Kirchen in den vergangenen Tagen gingen auch kurz nach Franziskus' Ankunft in Chile wieder Gotteshäuser in Flammen auf.

Auch am Mittwoch dürfte dem Papst kräftiger Gegenwind entgegen blasen. In der armen Region Araukanien will er mit Vertretern der indigenen Gemeinschaft der Mapuche zusammenkommen. Die Mapuche kämpfen seit Jahrzehnten für die Rückgabe ihrer angestammten Ländereien. Dabei kommt es auch immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Bei allen wird Franziskus nicht willkommen sein: Radikale Mapuche machen auch die katholische Kirche für die Landkonflikte verantwortlich.

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