mz_logo

Politik
Freitag, 28. Juli 2017 25° 3

Kirche

Papst Franziskus will durchgreifen

Der Vatikan will künftig Bischöfe zur Rechenschaft ziehen, die Missbrauchsfälle vertuschen helfen. Ein Tribunal soll helfen.
Von Julius Müller-Meiningen, MZ

Papst Franziskus will bei Missbrauch härter durchgreifen. Foto: dpa

Rom.Einer der Hauptvorwürfe an die Verantwortlichen in der katholischen Kirche lautet, Missbrauchsfälle zu vertuschen, zu verschleppen und zu verschweigen. Auch Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester haben oft den Eindruck, dass ihr Recht auf lückenlose Aufklärung an einer Wand des Schweigens zerschellt. Als Antwort auf diese Herausforderung hat der Vatikan angekündigt, ein eigenes Tribunal einzurichten für Fälle, in denen sich Bischöfe des Amtsmissbrauchs im Hinblick auf die Verschleierung von Fällen sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben.

Die bereits im März 2014 von Papst Franziskus eingesetzte Kommission für Kinderschutz unterbreitete nun einen entsprechenden Vorschlag, den Franziskus angenommen hat. Kern der Bestrebungen ist es, die Gesetzeslücke im Hinblick auf die Verantwortlichkeit von Bischöfen zu schließen. Bislang hatte es kirchenrechtlich keine echte Handhabe gegen Ortsbischöfe gegeben, die sexuellen Missbrauch in ihrer Diözese vertuschen. Derartige Fälle landeten, wenn überhaupt, beim Papst selbst.

Glaubenskongregation erhält neue Befugnisse

Kommentar

Bischöfe im Visier

Die Geschichte der Missbrauchsbekämpfung ist wesentlich kürzer als die Geschichte sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Benedikt XVI. verschärfte...

Fortan soll die vom deutschen Kardinal und früheren Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller geleitete Glaubenskongregation ein Mandat für die Verurteilung von Bischöfen bekommen, die sich des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht haben. Dazu wird nach Angaben des Vatikans ein neues apostolisches Tribunal mit festem Personal und einem zuständigen Sekretär im Rang eines Bischofs eingerichtet. Bislang übernahm eine personell verhältnismäßig kleine Disziplinarkommission in der Glaubenskongregation die Überprüfung von Missbrauchsfällen durch Mitglieder des Klerus. Mit den Vorgängen befasste Prälaten rechnen damit, dass das Tribunal erst in einigen Monaten seinen Dienst aufnehmen wird, wenn entsprechende Rechtsnormen formuliert werden und das Personal abgestellt sein wird.

Anzeigen gegen Bischöfe wegen Amtsmissbrauchs müssen bei der zuständigen Vatikan-Behörde eingereicht werden. Für die Bischöfe der Ostkirchen ist die Kongregation für die orientalischen Kirchen zuständig. Anzeigen gegen Bischöfe aus Afrika und Asien müssen bei der Kongregation für die Evangelisierung der Völker („Propaganda Fide“) eingereicht werden. Für die restlichen Bischöfe, etwa in Europa, Nord- und Südamerika, ist die Bischofskongregation zuständig. Von dort sollen die Anzeigen an das Tribunal weiter geleitet werden. Verurteile Bischöfe müssen mit kirchlichen Strafen, bis hin zur Amtsenthebung und der Versetzung in den Laienstand rechnen.

Umstrittene Personalie

Gemäß dem Rückwirkungsverbot kann bischöflicher Amtsmissbrauch erst ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Regeln vom neuen Tribunal geahndet werden. Sollte aber ein Bischof in Zukunft einen Täter wegen eines zurück liegenden Falles von Missbrauchs decken, könnte er deshalb dennoch beim Vatikan angezeigt werden. Mary Collins, Mitglied der Kommission und selbst Missbrauchsopfer zeigte sich „sehr zufrieden“ mit der Ankündigung. Die päpstliche Kommission für Kinderschutz, die vom Bostoner Erzbischof Kardinal Sean O’Malley geleitet wird, hatte ihre Vorschläge zunächst dem neunköpfigen Kardinalsrat (K9) des Papstes unterbreitet. Der Rat nahm die Vorschläge einstimmig an.

Zu dem Rat zählt auch der Präfekt des neu gegründeten Wirtschaftssekretariats, Kardinal George Pell, dessen Rolle umstritten ist. Ihm wird vorgeworfen, als Bischof von Sydney einen pädophilen Priester gedeckt zu haben. Peter Saunders, der selbst Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester wurde und Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission ist, hatte erst vor kurzem Pells Rücktritt gefordert. Der Kardinal wies die Vorwürfe zurück und behielt sich rechtliche Schritte gegen Saunders vor.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

  • WS
    Winfried Schaul
    14.06.2015 09:54

    Gut gemeint vom Papst Franziskus. Was kann der Vatikan schon ausrichten. Meines Wissens gibt es im Vatikanstaat keine Gesetzgebung, die Straftaten klar definiert und dann auch entsprechend verfolgt. Was bringt es den Opfern, wenn so genannte Hehler bzw. Vertuscher gerade einmal aufgefordert werden, ihr Amt in der Katholischen Kirche auf zu geben. An dieser Stelle wäre zu erinnern an das 3. Reich. Wie oft hatte die Katholische Kirche einfach weg geschaut und Kriegsverbrechern geholfen? Es wäre zu erinnern an Franz-Peter Tebartz-van Elst. Auch hier keine Verfolgung einer Straftat - im Gegenteil, der Vatikan hat van Elst noch befördert.

    Missbrauch melden

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht