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Politik
Freitag, 19. Januar 2018 5

Studie

Schulbücher zeigen Migration als Problem

Migration wird laut einer Studie in Schulbüchern einseitig als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt – nicht als normal.

Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung hat zusammen mit der Universität Hildesheim 65 Schulbücher untersucht. Foto: dpa

Berlin.Das Thema Migration wird in vielen deutschen Schulbüchern nach wie vor mehr als Problem denn als gesellschaftliche Normalität behandelt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Migration und Integration“, die die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), am Dienstag in Berlin vorstellte. Migration und Integration gehörten zwar in den Unterricht deutscher Schulen, doch „Klischees oder gar diskriminierende Darstellungen haben in Schulbüchern nichts zu suchen“, sagte Özoguz.

Die vom Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Hildesheim erstellte Studie analysierte 65 Bücher für die Schulfächer Sozialkunde, Politik, Geschichte und Geografie. In den untersuchten Lehrmaterialien werde Migration „primär als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt“, lautete ein Fazit der Analyse. Diese einseitige Darstellung führe im öffentlichen Diskurs zwangsläufig zu kontroversen Positionen.

Migranten würden zudem oft als „passiv betroffene“ dargestellt, die lediglich auf ihr Schicksal reagierten, erläuterte Studienleiterin Inga Niehaus. Persönliche Bezüge von Schülern mit Migrationshintergrund fänden keine ausreichende Berücksichtigung, während Zusammenhänge meist aus dem Blickwinkel der „Dominanzgesellschaft“ betrachtet würden.

Reproduktion von Stereotypen

Die Aufforderung, im Unterricht über Stereotype zu sprechen, führe häufig zu deren Reproduktion. Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, sei beispielsweise, in den Verlagen der Bildungsmedien mehr Autoren mit Migrationshintergrund zu beschäftigen und so „die demographische Realität abzubilden“, sagte Niehaus.

Ein ermutigendes Resultat der Studie sei, dass „Deutschland explizit als Einwanderungsland“ dargestellt werde, sagte Özoguz. Da mittlerweile rund jeder dritte Schüler unter 15 Jahren einen Migrationshintergrund habe, müsse diese gesellschaftliche Vielfalt auch in Schulbüchern und Lehrplänen wiederzufinden sein, forderte die Staatsministerin. (afp)

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