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Politik
Dienstag, 26. September 2017 19° 5

Bildung

Schule wie in der Kreidezeit

Die Digitalisierung erfordert eine Bildungs-Revolution. Doch unser Unterrichtssystem erinnert an einen Dinosaurier.
Von Ludwig Haas

Ludwig Haas ist ehemaliger Konrektor an der Realschule am Judenstein und Auslandsschullehrer an der Europäischen Schule Luxemburg.

Regensburg.Welche Schulbildung brauchen wir in der digitalen Welt der Zukunft? Feststeht, dass in der kommenden Digitalgesellschaft Mitarbeiter sehr viel höhere und andere Qualifikationen mitbringen müssen, um im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Viele Jobs werden durch Computer wegrationalisiert, viele neue kreiert werden. Der weniger Qualifizierte wird der Loser sein.

Als Gegenmaßnahme bedarf es eines wesentlichen Wandels im Bildungsbereich. Die Schule ist beim Lernen in der Kreidezeit steckengeblieben. Bloße Intelligenz, Auswendiglernen, Faktenbüffeln und Bulimie-Lernen für Prüfungen werden für die Zukunft nicht reichen. Das deutsche Bildungssystem ist in seiner Struktur, Organisation und überwiegend praktizierter Unterrichtsformen ein Dinosaurier der Industriegesellschaft.

Wissen zählt nicht mehr allein, denn es ist jederzeit im Internet abrufbar. Gefragt ist der multikompetente Mensch mit einer richtigen Mischung verschiedener Teilintelligenzen und Kompetenzen. Menschen mit sozialen Kompetenzen wie Empathie, Kommunikations-, Kooperations-, Konfliktlösung- und Teamfähigkeit, Menschen, die führen, entscheiden, beurteilen, überzeugen, motivieren, etwas durchsetzen können. Menschen mit gutem Selbstmanagement und hoher Selbst- und Fremdverantwortung, die hohe Methoden- und Internetkompetenz aufweisen, vor allem kreativ sind, analytisch und problemlösend denken können, flexibel und mutig sind, sich sprachlich gut ausdrücken können. Was nützt da eine Lehrkraft in der Schule, die alles weiß, aber kompetenzmäßig nicht up to date ist, überfordert ist, Schüler nicht erreicht.

Deshalb braucht es eine strenge Vorauswahl beim Lehrerstudium wie in Finnland, wo nur 15 Prozent zum Lehrerstudium zugelassen werden. Denn eine bessere Auswahl und Ausbildung vor allem im pädagogisch-psychologischen Bereich garantieren eine optimale Förderung der Kinder.

Die Schule versagt bisher in der digitalen Bildung auf der ganzen Linie. Die technische Ausstattung ist nicht ausreichend vorhanden, IT- Räume sind meist verschlossen, stehen oft ungenutzt leer, weil Geräte nicht funktionieren oder repariert werden müssten, der Systembetreuer an der Schule – normalerweise ein Lehrer mit zwei bis drei Stunden Ermäßigung – keine Zeit hat oder abwesend ist. IT fristet an den Gymnasien ein Randdasein. Es mangelt vor allem an didaktischen Unterrichtskonzepten. Lehrkräfte sind für dementsprechendes Lernen nicht ausgebildet, die Lehrpläne haben digitales Lernen kaum auf dem Radar. So werden im Ausland Fächer wie Chemie, Physik und Biologie im Fach Naturwissenschaften, Geografie, Geschichte, Sozialkunde als Humanwissenschaften unterrichtet. Dafür wäre mehr Platz für die musischen oder neue Fächer wie Politik, Lebens- oder Gesellschaftskunde, Wirtschaft und Ökologie, vor allem mehr praktisch angewandte und realitätsbezogene Fächer.

Im 21. Jahrhundert wird der Lehrer als reiner Wissensvermittler durch eine Kombination von Lehrer als Lernbegleiter und elektronischem Lernen abgelöst werden. Denn wer die digitale Welt verstehen will, muss ihre Werkzeuge kreativ-gestalterisch einsetzen. Technologie an der Schule allein darf kein Selbstzweck sein, sondern muss auch angewandt werden, um ein schülerzentriertes, individualisiertes Lernen zu ermöglichen.

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