mz_logo

Politik
Mittwoch, 22. November 2017 7

Tiere

Schutz für die Schimpansen

Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten. Trotzdem nehmen wir wenig Rücksicht auf sie und riskieren ihr Aussterben.
Mathias Rittgerott ist Campaigner von Rettet den Regenwald e.V. und Redakteur dessen Internetseite www.regenwald.org.

Mathias Rittgerott ist Campaigner von Rettet den Regenwald e.V. und Redakteur dessen Internetseite www.regenwald.org.

Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Die Antwort darauf fällt immer schwerer. Einst dachte man, die Sprache unterscheide uns. Doch Forscher lauschten dem Gesang der Wale. Man brachte das Argument vor, nur der Mensch setze Werkzeuge planvoll ein. Doch Raben vermögen das ebenfalls. Sind es Gefühle wie Treue und Trauer? Hunde sind dazu fähig. Aber bringt nicht allein der Mensch Kultur hervor?

Schimpansen widerlegen diesen Hochmut. Die Primaten verfügen über mehr als tierische Instinkte. Sie zeigen Empathie, sie trauern um ihre Toten, sogar Männchen übernehmen soziale Verantwortung und adoptieren Waisenkinder. Die Vielfalt ihrer Verhaltensweisen zeugt von Kultur!

Schimpansen in der Elfenbeinküste knacken Coula-Nüsse, basteln aus Blättern Schwämme zum Wasserschöpfen. Ihre Spezialität ist jedoch „Ameise am Stil“: Sie stochern mit Stöcken in den Nestern der Insekten und lecken die Leckerbissen vom Stäbchen. Ihre Artgenossen in Tansania kämen niemals auf die Idee: Sie streifen die Ameisen mit der Hand ab und stopfen sie sich in den Mund. Nüsse knacken sie überhaupt nicht. Ivorische Männchen trommeln auf Wurzeln, wenn ihnen der Sinn nach Sex steht. In Tansania blieben sie mit dieser Strategie solo. Es ist kulturell bestimmt, wie man sich angemessen und erfolgreich verhält.

Schimpansen sind uns näher als jede andere Art – nicht nur genetisch. Doch wir nehmen wenig Rücksicht auf unsere Verwandten im Wald. Wir zerstören ihren Lebensraum so rigoros, dass Schimpansen auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ geführt werden, die westafrikanische Unterart ist sogar vom Aussterben bedroht. Zwischen Ghana und Guinea leben nur noch 35 000 dieser Menschenaffen.

Die Primaten brauchen dringend Schutzgebiete – von denen auch Waldelefanten, Zwergflusspferde, Pangoline und viele weitere Arten profitieren würden.

Reservate auszurufen ist umstritten. Zu oft wurde Naturschutz mit der Verletzung von Menschenrechten erkauft. Es sind Diplomatie und Einfühlungsvermögen gefordert, damit die Einheimischen von Schutzgebieten profitieren.

Wie das gelingt, zeigen Primatologen der Wild Chimpanzee Foundation in Leipzig. Ausgehend von den bestehenden Nationalparks Taï in der Elfenbeinküste und Sapo in Liberia wollen sie den Lebensraum der Schimpansen in einem langgestreckten Korridor vernetzen und schützen – in Zusammenarbeit mit örtlichen Forstbehörden, Politikern und der Bevölkerung. Wir von Rettet den Regenwald unterstützen sie dabei.

Im August wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht – im Rennen gegen die Zeit: Liberias Regierung hat den Grebo-Krahn Nationalpark ausgerufen. Bald, so hoffen die Schimpansen-Schützer, soll ein weiterer Park folgen.

Die Rettung der Schimpansen muss gelingen! Wie wäre es um unsere Moral und Ethik bestellt, wenn wir das Aussterben der Menschenaffen nicht verhindern? Natürlich sind Schimpansen als Spezies nicht „wertvoller“ als andere, nur weil sie mit uns verwandt und süß anzuschauen sind. Aber ihre Ausrottung wäre eine Bankrotterklärung.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht