mz_logo

Politik
Mittwoch, 20. September 2017 17° 6

Krieg

Sinnloses Töten am Hindukusch

Mit der 180-Gradwende von US-Präsident Donald Trump wiederholt sich das Trauerspiel von Afghanistan.
Von Dr. Reinhard Erös

Dr. Reinhard Erös ist Gründer der Kinderhilfe Afghanistan.

Regensburg.Am 7. Oktober werden es 16 Jahre, dass US-Streitkräfte, mit Unterstützung auch der Bundeswehr, am Hindukusch ihren „Krieg gegen Terror“ führen; der längste und teuerste Krieg der Supermacht seit dem Desaster in Vietnam. Der Krieg in Afghanistan hat 3500, vor allem jungen Soldaten der NATO und zwischen 50.000 und 150.000 Afghanen – genaue Zahlen sind nicht und werden wohl nie bekannt - das Leben gekostet. Mehr als 1 Billion Dollar wurden seit 2001 für die „Sicherheit“ eines brutal armen Landes mit weniger als 30 Millionen Einwohnern investiert – ein „Weltrekord“ mit desaströsem Ergebnis auf allen Ebenen. Der islamistische Terror wurde seither weder in Afghanistan eingedämmt, stattdessen hat er sich auch in den Nahen und Mittleren Osten, nach Nord - und in besonders brutaler Form - auch nach Schwarz-Afrika bis in europäische Länder ausgebreitet.

Seit sieben Monaten regiert nun mit Trump ein Präsident, für den Niederlagen keine Option sind; weder in der Wirtschaft, noch bei Wahlen und schon gar nicht in der von ihm zu verantwortenden Politik. Und so beschloss er vor wenigen Tagen eine 180 Gradwende seiner, bis zur Wahl im November 2016 propagierten, jetzt urplötzlich überholten Afghanistanpolitik. Ab jetzt gilt: Kein Abzug der Truppen, sondern ein verstärktes militärisches Engagement. „Wir müssen und werden gewinnen“ heißt die Devise. Gewinnen nicht im Sinne von „to win hearts and minds“ der afghanischen Bevölkerung, wie es die US-Befehlshaber über 15 Jahre gefordert und Bush und Obama es mit Wiederaufbauprojekten ansatzweise auch versucht hatten, sondern jetzt gilt es den Sieg ausschließlich auf dem Schlachtfeld zu erringen. „Ich schicke keine Soldaten in entfernte Länder, um dort Demokratie zu errichten oder Nation Building zu betreiben; jetzt töten wir alle Terroristen!“ Töten bis zum bitteren Ende also?

Ob und wie viele zusätzliche Bodentruppen Trump entsenden will, oder ob er den Einsatz der Luftwaffe mit noch mehr Kampf-Drohnen verstärken möchte, hat er nicht erwähnt. Vielleicht geht der Ex-Geschäftsmann Trump aber ja auch auf das Angebot der berüchtigten Privat-Armee Blackwater ein, den Krieg in Afghanistan für 10 Milliarden Dollar pro Jahr, und damit finanziell deutlich preisgünstiger und und innenpolitisch weniger brisant als der Einsatz von regulären Truppen, zu übernehmen.

Der langjährige Koordinator der US-Geheimdienste und Ex-General James Clapper hat nach dieser Rede Trumps in seinem Interview bei CNN Zweifel an der politischen und intellektuellen Zurechnungsfähigkeit Trumps geäußert: „Nie habe ich in den vergangenen Jahrzehnten ähnlichen Unsinn gehört. Trump wird zunehmend zu einer Gefahr für die nationale Sicherheit. Vielleicht sucht Trump ja jetzt nach einem Ausweg aus dem Präsidentenamt.“

Unterstützung erhält Trump mit seiner unklaren Strategie ausgerechnet von Nato Generalsekretär Stoltenberg. Er fordert die anderen Nato-Staaten auf, sich ebenfalls verstärkt militärisch einzubringen. Zur Erinnerung: Vor sechs Jahren war die Nato schon einmal mit 140.00 Soldaten vor Ort. Ergebnis: Die Taliban wurden stärker und seit 3 Jahren wütet auch der IS.

Verteidigungsministerin von der Leyen hat Stoltenberg hier schon mal eine Absage erteilt. Die 980 deutschen Soldaten werden nicht aufgestockt, sondern leisten weiter – geschützt in einem Hochsicherheits-Areal bei Masar-e-Scharif - ihren Beitrag zur Sicherheit am Hindukusch. „Das Trauerspiel von Afghanistan“ überschreibt der Dichter Theodor Fontane vor 160 Jahren seine Ballade vom katastrophalen Ausgang der drei britischen Kriege am Hindukusch. Das Trauerspiel scheint sich zu wiederholen.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht