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Politik
Montag, 25. September 2017 20° 3

Wissenschaft

Tierversuche müssen beendet werden!

Wir brauchen einen Masterplan für den Ausstieg aus dem Tierexperiment. Die Niederlande zeigen, wie es gehen kann.
Von Christina Ledermann

Christina Ledermann ist Pressereferentin und stellvertretende Vorsitzende von Menschen für Tierrechte – Bundesverband derTierversuchsgegner e.V.

Berlin.Deutschland sieht sich gerne als Tierschutz-Musterknabe. Dabei steht es im Hinblick auf die Tierversuche schlecht da. Nach der letzten offiziellen Statistik wurden 2015 rund 2,8 Millionen Tieren in Versuchen eingesetzt. Warum leiden immer noch so viele Tiere im Tierversuch, obwohl moderne tierversuchsfreie Verfahren auf Basis von Computerchips, Zellkulturen, Krankheitsmodellen oder Simulationen zunehmen?

Die Antwort ist einfach: Es gibt keine Gesamt-Strategie zum Ausstieg aus dem Tierversuch und es gibt keine Verantwortlichen. Doch Ende 2016 haben die Niederlande einen Plan für den Abbau der Tierversuche vorgelegt. Dieses mutige Handeln ist weltweit einzigartig. Deutschland täte gut daran, sich diesem Abbauplan anzuschließen. Er sieht vor, die gesetzlich vorgeschriebenen Giftigkeitstests an Tieren bis 2025 einzustellen. Das ist ein sehr großer Schritt, denn allein für diese Experimente werden hierzulande rund ein Viertel der Tiere (630 000 von 2,8 Millionen Tieren in 2015) eingesetzt.

Allgemein ist es höchste Zeit, dass alle EU-Mitgliedstaaten dem Niederländischen Beispiel folgen. Denn die 2010 verabschiedete EU-Tierversuchsrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden zu fördern und Verfahren mit lebenden Tieren für wissenschaftliche Zwecke und Bildungszwecke vollständig zu ersetzen, sobald dies wissenschaftlich möglich ist.

Damit der Abbau der Tierversuche eine wirkliche Erfolgsgeschichte wird, müssen alle an einem Strang ziehen. Für Deutschland heißt das: Wissenschaft, Industrie, Behörden und Tierschutz beteiligen sich unter Federführung der Bundes- und Länderregierungen am Abbau der Tierversuche bis hin zum vollständigen Ausstieg. Hier ist auch Bayern in der Pflicht.

Trotz der immer noch hohen Versuchstierzahlen gibt es schon wichtige Meilensteine, die eine Abkehr vom Tierversuch anzeigen. Das EU-weite Vermarktungsverbot für tierexperimentell geprüfte Kosmetik, das nach einer 30-jährigen Kampagne 2013 rechtskräftig wurde, war eine deutliche Wegmarkierung. Dadurch wurde die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden für Giftigkeitsprüfungen angekurbelt.

Inzwischen gibt es in Deutschland auch mehrere Lehrstühle für tierversuchsfreie Methoden, etwa an der Universität Konstanz, in Nordrhein-Westfalen, Hessen und aktuell auch in Berlin. In der Politik ist immer öfter die Rede vom Paradigmenwechsel „Weg vom Tierversuch, hin zu tierversuchsfreien Verfahren“. Wahlprogramme und Koalitionsverträge von Bundes- und Länderregierungen sprechen zunehmend die Reduktion der Tierversuche und die Förderung von Alternativen an. Parallel zur politischen Entwicklung wagen mittlerweile auch immer mehr Wissenschaftler, die Grenzen des Tierversuchs anzusprechen. Auch sie sehen die Notwendigkeit, bessere humanspezifische Methoden zu entwickeln und anzuwenden.

Mit vereinten Kräften – vor allem aber mit dem beharrlichen Druck der Zivilgesellschaft – kann der Ausstieg aus dem Tierversuch gelingen. Deutschland und damit auch Bayern sollten mit gutem Beispiel vorangehen und den holländischen Abbauplan zu einer deutsch-niederländischen Erfolgsgeschichte machen.

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