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Politik
Montag, 25. September 2017 19° 5

Kommentar

Trump sei Dank

Ein Kommentar von Marianne Sperb, MZ

Um zu wissen, was einem wichtig ist und wofür man steht, sind Fronten sehr nützlich. Im Gegenbild gewinnt das eigene Profil Kontur. Es braucht Reibungswiderstand, damit Funken sprühen. Und so dient US-Präsident Donald Trump, der wie kein anderer bisheriger US-Präsident Fronten aufbaut und Menschen ausgrenzt, dieses Jahr als Stachel für die Verleihung der Oscars, als Feuerstein, an dem sich das Bekenntnis zu Menschlichkeit und Toleranz entzünden kann. Moderator Jimmi Kimmel fasst es bei der Gala präzise in einen Satz: Die Vergabe des weltweit wichtigsten Filmpreises nach rassistischen Kriterien ist nicht mehr möglich – seit der Wahl von Donald Trump.

2016 hatte die Auswahl der US-Filmakademie einen Tiefpunkt erreicht. Bei der Kür kamen afroamerikanische Schauspieler nicht vor. Der Protest über die weiße Preisträgerliste und über die Arroganz einer Jury, die die Leistungen nichtweißer Künstler ignoriert, gärte, griffig formuliert unter dem Hashtag #oscarssowhite.

2017 ist die Welt eine andere. Die USA werden von einem Präsidenten geführt, der Mauern bauen will und Feindbilder nährt, der nukleare Aufrüstung ankündigt und Journalisten von Pressekonferenzen aussperrt. Und die Oscars gehen an Filme, die auf Außenseiter schauen. Viele der preisgekrönten Produktionen machen deutlich, was Menschen jeder Hautfarbe und Religion verbindet, illustrieren die fatalen Folgen von Hass und Gewalt oder senden empathische, auch Hoffnung gebende Botschaften aus.

Die Kür 2017 ist eine klare Reaktion auf den Poltergeist aus dem Weißen Haus. Das ist Grund, warum die maximal gehypte Produktion „La La Land“, die bei den Golden Globes historisch abgesahnt hatte und mit sensationellen 14 Nominierungen ins Oscar-Rennen gegangen war, am Ende der eigentliche große Verlierer des Abends wird. Statt des perfekt inszenierten eskapistischen Musicals, das die leichtfüßige Flucht aus einer düsteren Welt in glitzernde Romantik anbietet, behängt die US-Filmakademie „Moonlight“ üppig mit Preisen. Härter könnte der Kontrast zu „La La Land“ kaum sein. Die Story über einen jungen Mann – schwul, schwarz, süchtig und arm – bedient gleich mehrere benachteiligte Gruppen und wird reichlich bedacht. „Moonlight“ gewinnt in der Königskategorie als bester Film, Oscars gehen an die beiden schwarzen Drehbuchautoren, und mit Mahershala Ali wird auch noch, so US-Medien, erstmals ein muslimischer Schauspieler geehrt.

Die Traumfabrik wacht auf. Hollywood legt die rosa Brille ab. Feurige politische Ansprachen – nach dem Vorbild von Meryl Streeps Rede bei der Golden Globes – bleiben 2017 im Dolby Theatre zwar aus, dafür bekommt der Präsident permanent Sticheleien und Spott ab. Ashgar Farhadi, der für „The Salesman“ in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film einen Oscar erhält, gibt dem Protest gegen Trumps Weltbild die profilierteste Stimme. Der Iraner, der der Gala fernblieb, um ein Zeichen gegen den Einreisestopp zu setzen, lässt ausrichten: Wer die Welt in Kategorien von „Wir“ und „unsere Feinde“ einteile, „schafft Angst“.

Die deutlichste Sprache spricht die Auswahl der Oscar-Gewinner. Die Liste der Preisträger, die gerade nicht in Donald Trumps rassistisches Schema vom guten weißen Amerikaner passen, ist lang, von Viola Davis (in „Fences“, einem Film von Denzel Washington) bis zu Ezra Edelman und Caroline Waterlow (in „O.J.: Made in America“, der Doku über den schwarzen Sportstar O.J. Simpson).

Kunst erlaubt uns, die Perspektive zu wechseln, die Welt weiter zu denken und uns auf Werte und existenzielle Fragen zu besinnen. Mit den Oscars 2017 hat Hollywood eine würdige Rolle gefunden. Trump sei Dank.

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