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Jahrtag

Tschechen und Slowaken bleiben Partner

Vor 25 Jahren war das Ende der Tschechoslowakei. Man hat sich auseinandergelebt. Kinder haben mit der Sprache Probleme.
Von Michael Heitmann und Christoph Thanei, dpa

Junge Menschen mit der slowakischen Flagge feiern an Silvester 1992 in Bratislava die Staatsgründung der Slowakei. Foto: CTK/dpa

Prag.Um dieses historische Treffen ranken sich bis heute Legenden. Sicher ist nur eins: Am Ende stand die Teilung der Tschechoslowakei. Die Ministerpräsidenten der tschechischen und slowakischen Teilrepubliken, Vaclav Klaus und Vladimir Meciar, diskutieren am 26. August 1992 im Garten der Villa Tugendhat in Brünn (Brno) unter einer Platane. Die Sakkos sind abgelegt, die Mienen ernst, die Delegationen fortgeschickt.

Der Bürger durfte nicht mitreden

Kurz vor Mitternacht sagt Meciar den gespannt wartenden Journalisten: „Der aktuelle Zustand lässt sich nicht aufrechterhalten.“ Erstmals wird ein Fahrplan für die Teilung der Tschechoslowakei aufgestellt: Zum 1. Januar 1993 werden zwei Staaten entstehen. Auf der einen Seite der Neoliberale Klaus, dem die Wirtschaftsreformen mit dem östlichen Bruder nicht schnell genug vorangingen, auf der anderen Seite der slowakische Populist Meciar: Die Bürger konnten nicht mitbestimmen. Sie sprachen sich in Umfragen mehrheitlich für den Erhalt der Föderation aus. Dabei hatte die damals gültige Verfassung eine Trennung ohne vorheriges Referendum ausdrücklich ausgeschlossen, wie der slowakische Ökonom Vladimir Vano sagt.

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Klaus bewirbt die friedliche Teilung der Tschechoslowakei heute als Vorbild für den Brexit. Der 76-Jährige bietet sich sogar als Unterhändler zwischen Großbritannien und der EU an: „Ich würde diese Rolle freiwillig übernehmen, wenn man sie mir anvertraut – ich kann das organisieren.“

Auf slowakischer Seite betont man besonders das wirtschaftliche Aufholen des seit jeher rückständigeren Landesteils seit dessen Unabhängigkeit. Umfragen ergeben immer wieder: Die Slowaken sind für die Tschechen die engsten Nachbarn, und umgekehrt. Doch in 25 Jahren hat man sich auseinandergelebt. Kinder haben Schwierigkeiten mit der jeweils anderen Sprache. Die Illustratorin Maria Neradova steuert mit einem Bildwörterbuch gegen. Der Titel: Wie der „velbloud“ (Kamel auf Tschechisch) eine „tava“ (Kamel auf Slowakisch) getroffen hat.

Auch einfache Sätze klingen fremd

„Viele Menschen aus gemischten tschechisch-slowakischen Ehen haben mir geschrieben, dass sie genau so ein Buch für ihre Kinder gebraucht haben“, sagt die Neradova. Da sie selbst aus einer solchen Familie stamme, habe sie das besonders gefreut.

„Man darf den Kindern nicht die Schuld geben“, sagt die Illustratorin. Anders als noch im gemeinsamen Staat sehe der tschechische Nachwuchs im Fernsehen keine Kinderprogramme mehr auf Slowakisch. „In Prag ist es mir passiert, dass ein Mädchen nicht einmal mehr die Frage ,Wie heißt Du?’ in der anderen Sprache verstanden hat – nach Lachen war mir da eigentlich nicht zumute.“

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