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Politik
Dienstag, 12. Dezember 2017 4

Umwelt

Tuvalu darf nicht sterben

Es muss das Menschenmögliche getan werden, um das Pariser Klimaschutzabkommen so schnell wie möglich umzusetzen.

Sophia Wirsching ist Referentin für Migration und Entwicklung bei der kirchlichen Entwicklungsorganisation, Sabine Minninger ist Referentin für Klimapolitik bei Brot für die Welt.

Regensburg.Die Menschen und Regionen, die durch die verheerenden Folgen des Klimawandels am meisten gefährdet sind, dürfen nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden. Weil der Meeresspiegel weiter ansteigt, müssen sich zum Beispiel die Bewohner von Tuvalu im Südpazifik auf das Schlimmste vorbereiten. Der Rest der Welt ist aufgerufen, solche Katastrophen Hand in Hand zu verhindern. Deswegen muss die Bonner Klimakonferenz für schnelle, ambitionierte Beschlüsse im Kampf gegen den Klimawandel genutzt werden. Sollte dies nicht gelingen, tragen alle gemeinsam die Verantwortung, Menschen auf der Flucht vor klimabedingten Schäden und Verlusten eine neue Lebensperspektive zu schaffen.

Die Zahlen alarmieren: 26 Millionen Menschen, das entspricht der Einwohnerzahl der Niederlande und Belgiens, werden jedes Jahr durch Naturkatastrophen zurück in die Armut gestoßen, so eine Weltbank-Studie.

Der Klimawandel ist zum größten Risikofaktor für das Erreichen der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung geworden: Sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität klima- und wetterbezogener Katastrophen haben seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts deutlich zugenommen – und mit ihnen Schäden und Verluste.

Die südpazifischen Inselstaaten sind aufgrund des Meeresspiegelanstiegs verbunden mit extrem hohen Wellen und heftigen Stürmen in ihrer Existenz bedroht. Zu ihnen gehört die Republik Fidschi, der eigentliche Gastgeber der 23. UN-Klimakonferenz. Für die Bewohner der touristisch so beliebten Inseln geht es beim Streit um den Ausstieg aus fossilen Energieträgern nicht um Arbeitsplätze, sondern um das Überleben des ganzen Landes.

Wie Fidschi gehört der Inselstaat Tuvalu zu den vom Klimawandel am meisten gefährdeten Staaten. Das Staatsgebiet umfasst 26 Quadratkilometer Landfläche, im Durchschnitt liegt das Land nur zwei Meter über dem Meeresspiegel. Der verheerende Zyklon „Pam“ im Jahr 2015 brachte sechs Meter hohe Flutwellen mit sich, die das Land komplett überschwemmt haben.

Tuvalus Regierungschef Enele Sopoaga hat die Welt aufgerufen, alles zu tun, damit das Pariser Klimaabkommen so schnell und ehrgeizig wie möglich erfüllt werden kann. Das Ziel muss sein, die globale Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten und Tuvalu bestmöglich an den Klimawandel anzupassen. Die zentrale Botschaft lautet, dass Tuvalu gerettet werden muss, an ein Aufgeben sei nicht zu denken.

Die Frage, ob man Tuvalu umsiedeln sollte, beantwortet der Regierungschef bisher nicht. Er merkt jedoch an, dass ein völkerrechtlicher Rahmen für die Menschen geschaffen werden muss, die klimabedingt keine andere Wahl haben, als ihre Heimat zu verlassen. Für diese Menschen müsse die internationale Staatengemeinschaft gerechte Lösungen finden. Jeder, der Migrationspläne habe, solle dabei unterstützt werden, betont Sopoaga – aber das habe nichts mit dem Klimawandel zu tun, sondern mit dem Recht, sich frei zu bewegen.

Wenn der Klimawandel nicht eingedämmt wird, hat Tuvalu laut Wissenschaft noch 50 Jahre, bis es im Ozean versinkt.

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