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Samstag, 27. August 2016 32° 1

Hochschulen

Uni Regensburg will in die „Bundesliga“

Die Exzellenzinitiative wird überarbeitet. Graduiertenschulen werden nicht mehr gefördert – das betrifft auch Regensburg.
Von Louisa Knobloch, MZ, und den Agenturkorrespondenten

Am Freitag stellte eine internationale Expertenkommission in Berlin die Evaluation zur Exzellenzinitiative vor. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin.Die Exzellenzinitiative für Spitzenforschung hat nach einem Experten-Gutachten so viel Dynamik an die Hochschulen gebracht, dass sie mit verbessertem Zuschnitt fortgesetzt werden sollte. Damit Deutschland „auf Augenhöhe mit den Besten“ etwa in Großbritannien oder den USA gelangen könne, sei eine Verstetigung des bisher 4,6 Milliarden Euro teuren Förderprogramms notwendig, sagte der Vorsitzende der Bund-Länder-Kommission, Dieter Imboden.

„Die deutschen Universitäten sind auf dem Weg, aber das Ziel ist noch weit“, so Imboden am Freitag bei der Präsentation des Gutachtens in Berlin. Es gebe noch „Baustellen“ im deutschen Wissenschaftssystem, etwa bei der „fachlichen Differenzierung von Forschungsthemen“ an den Unis oder bei der Steuerung durch die Hochschulleitungen. Für eine Fortschreibung der vor zehn Jahren gestarteten Exzellenzinitiative ab 2018 im jährlichen Umfang von „mindestens“ 500 Millionen Euro solle den Hochschulen Zeit gegeben werden. Imboden schlug vor, die Laufzeit aller Projekte des aktuellen Programms bis Ende 2019 zu verlängern.

Der Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden stellte am Freitag in Berlin die Ergebnisse der Evaluation zur Exzellenzinitiative vor. Foto: Britta Pedersen/dpa

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) sagte, das Gutachten bestärke Bund und Länder, ihre Förderung fortzuführen. Nächste Woche werde es ein Treffen der Wissenschafts-Staatssekretäre geben, um Schlussfolgerungen zu ziehen: „Das geht jetzt schnell.“ Bis zum Frühsommer könne eine Vereinbarung von Bund und Ländern für ein Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten stehen, um den nächsten Exzellenz-Wettbewerb in die Wege zu leiten. Zwar wolle man damit rasch vorankommen, doch „die Zeit, die notwendig ist, wird den Hochschulen gegeben“, betonte Wanka.

Das Förderprogramm läuft Ende 2017 aus, ein neues soll sich bis 2028 anschließen. Die große Koalition plant für die dritte Runde mindestens vier Milliarden Euro ein sowie eine Milliarde für bessere Karrierewege jüngerer Wissenschaftler. Auch die Länder dürften einige hundert Millionen Euro zur nächsten Exzellenzinitiative beisteuern, Details werden nun auf Basis des Gutachtens verhandelt.

Förderlinie Graduiertenschulen soll wegfallen

Imboden lobte besonders die Leistungen in den (derzeit 43) Forschungsclustern. Eine Förderlinie „Exzellenzcluster II“ solle aber „risikofreudiger“ sein, mit längerer Laufzeit von sieben bis acht Jahren. Statt der prestigeträchtigen „Zukunftskonzepte“ an (bisher elf) Spitzenhochschulen sollen künftig die zehn besten Universitäten in Deutschland mit einer „Exzellenzprämie“ in Höhe von 15 Millionen Euro pro Jahr und Universität gefördert werden. Die dritte Förderlinie – Graduiertenschulen für wissenschaftlichen Nachwuchs – solle dagegen beendet werden. „Das Instrument hat seine Funktion gehabt“, sagte Imboden dazu. Ein Wegfall würde auch die Universität Regensburg mit ihrer Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien betreffen.

Von dieser Empfehlung zeigt sich Prof. Dr. Bernhard Weber, der für Forschung und Nachwuchsförderung zuständige Vizepräsident der Universität Regensburg, nicht überrascht. „Das haben wir nach den Diskussionen der vergangenen Monaten bereits erwartet.“ Daher habe die Universität Regensburg reagiert und vor einem halben Jahr eine interne Task Force gegründet. „Wir suchen aktiv nach Wegen, wie wir auf den Stärken der Universität z. B. im Bereich unserer exzellenten Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien aufbauen können.“ Als Partner bei der Bewerbung um ein Exzellenzcluster kämen Universitäten im In- und Ausland, aber auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Frage. „Ein großer Schritt nach vorne“ wäre es Weber zufolge, wenn das Regensburger Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) im Frühjahr in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen würde.

Erfreulich sei, dass man nach der Vorstellung des Berichts der Imboden-Kommission nun etwas klarer sehe. Die Entscheidung über die genauen Rahmenbedingungen werde zwar erst im April bei der nächsten GWK-Sitzung fallen. Wesentliche Änderungen erwartet Weber aber nicht mehr. „Da wird es nur noch um Feinheiten wie die genauen Fördersummen gehen.“ Der am Freitag vorgestellte Bericht zeige deutlich, dass eine weitere Ausdifferenzierung der Wissenschaftslandschaft politisch gewollt sei, sagt Weber. Wie im Fußball werde es dann verschiedene Klassen geben: Exzellenzuniversitäten in der Champions League, Universitäten im Exzellenzcluster in der Bundesliga und die übrigen Universitäten, die an keiner der Förderlinien beteiligt sind, zunächst in der Regionalliga. „Wir müssen und wollen in der Bundesliga mitspielen“, sagt Weber. „Das wird aber für alle Universitäten ein harter Kampf werden.“

Alle elf Hochschulen in Deutschland, die im Rahmen der Exzellenzinitiative als Elite-Universitäten gefördert werden:

Der am Freitag vorgestellte Bericht stieß in Politik und Wissenschaft auf viel Lob, aber auch auf Kritik.

DFG-Präsident Peter Strohschneider äußerte sich erfreut und betonte: „Mit Nachdruck unterstreichen wir das klare Votum der Kommission, dass die Auswahl der zu fördernden Projekte der Spitzenforschung „ausschließlich auf der Basis von deren wissenschaftlicher Exzellenz erfolgen“ soll.“ Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, lobte die flexible Gestaltung der empfohlenen Exzellenzcluster II: „Sie ermutigt zur Bildung von Spitzenverbünden rein nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit der Beteiligten.“

Der Grünen-Experte Kai Gehring würdigte die Exzellenzprämie als „klugen und weiterführenden Vorschlag“. Förderung auf zwei bis fünf Spitzenstandorte zu verengen, sei genauso falsch wie Mittel mit der Gießkanne zu vergeben. Der SPD-Politiker Hubertus Heil stimmte dem Bericht im Grundsatz zu, meinte jedoch: „Ob das Prämienmodell hinreichend ist, um mehr Exzellenz und mehr Dynamik zu entfachen als der bewährte Konzeptwettbewerb, werden wir prüfen. Es bestehen aber Zweifel.“ Nicole Gohlke von der Linken: „Was der Imboden-Bericht (...) verschweigt, sind die teilweise unerträglichen Zustände an Hochschulen, ausgelöst durch die mangelnde Grundfinanzierung.“

Vom Geldsegen der Exzellenzinitiative werde nicht viel an der Uni-Basis ankommen, befürchtet indes die bundesweite Studentenvertretung fzs. „Das Lob der Sachverständigen, die Stimmung des gnadenlosen Wettbewerbs habe auch auf die nichtgeförderten Universitäten und Hochschulen gewirkt, sagt bereits alles“, ärgert sich fzs-Vorstandsmitglied Marie Dücker. „Das Ellenbogensystem der Hochschulen untereinander wurde also wirksam eingeführt.“

Im Ergebnis werde „ein Prinzip angesteuert, bei dem immer diejenigen viel erhalten, die ohnehin schon viel haben“. Schließlich bekämen vor allem Hochschulen im Südwesten und in Nordrhein-Westfalen viel „Ex-Ini“-Geld, obwohl diese Länder finanzielle Spielräume hätten, moniert die Studentenvertreterin.

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